Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Retailkonzept für den Neubau des Terminal 3 am Frankfurter Flughafen

Preisträger

2. Preis: von Ey Architektur, Berlin

€ 22.750

Ulrich von Ey
Fachplaner:
TIMM Retail Services + Property Advisers, Uwe Timm, Berlin (Retailplanung, Center Management)
Porcella + Morgan, Melanie Porcella, Steve Morgan, Berlin (Shop-Design)
Sylvia Markau, Steffen Michaelis, Kyritz (Visualisierung)

2. Preis: RKW Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH + Co. KG, Düsseldorf

€ 22.750

Lars Klatte, Jan Papenhagen
Mitarbeit: Gudrun Gelhaar, Omar Malass, Ursula Markowitz, Malgorzata Michalowska
Fachplaner:
ARUP GmbH, Jörg Franke, Düsseldorf (Technische Gebäudeausrüstung)
Licht Kunst Licht, Andreas Schulz, Bonn (Beleuchtung)
Sachverständige:
IDN, Oliver Kläß, Duisburg (Brandschutz)

3. Preis: Hascher + Jehle Planungsgesellschaft mbH, Berlin

€ 13.000

Prof. Rainer Hascher, Prof. Sebastian Jehle
Mitarbeit: Fleur Keller
Fachplaner:
jangled nerves GmbH, Prof. Thomas Hundt, Stuttgart (Mediale Kommunikation/Grafik)
integral ruedi baur, Ruedi Baur, Karim Sabano, Berlin

4. Preis: Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 6.500

Jan Kleihues
Mitarbeit: Ronald Block, Simone Berger, Liliane Blankenburg, Sonja Grötzebach, Andreas Haase, Victor Mahé, Fadi Sultagi, Gabriela Torres Ruiz, Philipp Zora
Fachplaner:
Winter Beratende Ingenieure für Energie- und Gebäudetechnik GmbH, Mirko Zimmermann, Berlin (TGA)
Lützow 7, Cornelia Müller, Berlin (Garten- und Landschaftsplanung)
GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH
Saar, Enseleit und Partner, Prof. Frank Prietz, Berlin (Statik)
Sachverständige:
Comfort Center Consulting GmbH, Thomas Doerr, Düsseldorf (Retail-Planung)
GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH
Saar, Enseleit und Partner, Ulrike Walter, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 24.08.2007
Ort Frankfurt/Main
Auslober Fraport AG, Frankfurt/Main
Betreuung Fraport AG, Immobilien Facility Management, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Christoph Mäckler (Vorsitz), Jürgen Minkus, Thomas Malkmus, Joachim Wagner, Raul Spanger, Dr. Hans-Peter Debling, Karl-Heinz Dietrich/Frau Pohl

Shoppen und Fliegen
Das Innere des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen nimmt Gestalt an

Keiner geht mehr einfach nur ins Kino. Zumindest in den Multiplexen gehört Gastronomie unmittelbar dazu. Auch Bahnhöfe gleichen mehr und mehr Konsumtempeln, durch die ab und zu mal ein Zug rauscht. Und Flughäfen? Die sind ohnehin eine Welt für sich.

So hat der Wenig- oder Durchschnittsflieger beim Frankfurter Flughafen immer noch das Gefühl, „Futureworld“ zu betreten: ein eigener Kosmos, mit eigenen Regeln und eigenem Zeitgefühl. Und eigener Architektur. Denn die muss nicht nur die Fluglogistik unterstützen, sondern auch eine der inzwischen wichtigsten Einnahmequellen, die übrigens auch die Vielflieger betrifft: den Handels-, Service- und Gastronomiebereich.

Was im Wirtschaftsneudeutschen unter Retailing firmiert, bedeutet hier schlicht: den Reisenden mit einem gelungenen Mix aus Geschäften und Dienstleistungseinrichtungen in einen Verweilenden zu verwandeln. Also einen potenziellen Käufer.

„Alles unter einem Dach“ lautet das Motto – und das ist im Falle des Terminals 3 des Frankfurter Flughafens eine große Herausforderung. Der zeigten sich bei einem von der Fraport AG ausgelobten Realisierungswettbewerb vier Büros gewachsen – wenngleich die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Christoph Mäckler keinen ersten Preis, sondern zwei zweite Preise vergaben.

Prof. Mäckler hatte 2005 den Wettbewerb für das Terminal 3 gewonnen – als Herzstück eine große Eingangshalle aus Glas und Stahl, die mit einer Gitterrostkonstruktion überdacht ist. Der Entwurf war damals für seine Funktionalität und Flexibilität gelobt worden. Und so ist es nur folgerichtig, dass die Preisrichter auch bei der konkreten Umsetzung diese beiden Parameter betonten.

Zum Beispiel beim Berliner Büro von Ey Architektur, dem ersten der beiden Zweitplatzierten. Sie entwerfen den Hauptort des Wettbewerbs, die Marktplätze im zentralen Luftbereich, als einen großen Raum, der durch freistehende Körper über zwei Ebenen hinweg gegliedert wird, mit einer umlaufenden Galerie auf Ebene 4. Durch die Offenheit entsteht kein Schwelleneffekt, die Ausgewogenheit zwischen den Wegen für die Fluggäste und der Führung hin zu den Geschäften ist gegeben. Die Wirtschaftlichkeit wurde als hoch eingestuft, der Anteil vermietbarer Flächen ist ebenfalls sehr hoch. Einzig die Fluggastführung auf Ebene 3 wurde moniert.

Das war auch ein Kritikpunkt am Modell der zweiten Nummer Zwei, bei den Düsseldorfer Architekten RKW Rhode Kellermann Wawrowsky. Bei ihnen kreuzen sich die Wege von ankommenden und abfliegenden Gästen im Marktplatz, und die Preisrichter hätten einen separaten Gang für die Ankommer bevorzugt. Sonst aber sind gleichfalls Wegeführung, Raum- und Funktionsprogramm sowie die Logistik gut erfüllt. Auf den dritten Platz kam die Hascher + Jehle Planungsgesellschaft, Berlin. Platz vier belegte Kleihues + Kleihues, ebenfalls aus Berlin.

Fazit: Die Fraport AG kommt ihrer „Erlebniswelt Flughafen“ ein Stück näher, denn die Sieger-Entwürfe ermöglichen in jedem Fall die gewünschte Imagebildung und wahren die Balance zwischen regionalen, nationalen und internationalen Branchen. Und das dürfte für die erwarteten 25 Millionen Flieger und Shopper pro Jahr am Terminal 3 das wichtigste sein.