Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Eingang für das Ballhaus, Museumslandschaft in Kassel

Preisträger

1. Preis: Volker Staab, Berlin

€ 20.000

Mitarbeit: Antje Bittorf, Philipp Knorr

2. Preis: Peter Sichau, Hartmut Walter, Fulda

€ 12.500

Mitarbeit: Marcus Leinweber, Kathrin Kaffanke, Gregor Jüngst
Fachberater:
B+G Ingenieure, Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt/Main
BBS Ingenieurbüro Gronau + Partner, Weimar
rig Rauschenberg Ingenieur GmbH, Burghaun

3. Preis: Prof. Hans-Günter Merz, HG Merz GmbH Architekten & Museumsgestalter, Stuttgart

€ 7.500

Mitarbeit: Markus Betz, Alexandra Busse, Daniel Kuhnert, HG Merz, Simon Schreiber, Noemi Thiele, Lukas Veltrusky
Fachberater:
Knippers Helbig – Beratende Ingenieure, Stuttgart
Transplan Technik-Bauplaung GmbH, Stuttgart

1. Ankauf: Florian Nagler Architekten, München

€ 4.000

Mitarbeit: Yvonne Töpfer, Charlotte Thomas (Modell)
Fachberater:
mkp, Dornbirn (Tragwerk)
Bartenbach Lichtlabor, Aldrans

2. Ankauf: Prof. Arno Lederer, Jórunn Ragnarsdóttir, Marc Oei, Stuttgart

€ 3.000

Mitarbeit: Katja Pütter
Fachberater:
Werner Sobek Ingenieure International GmbH & Co.KG, Stuttgart
E2 Energieberatung, Essen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 22.08.2007
Ort Kassel
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP Architektur- und Nutzungsplanung, Kassel
Preisrichter Prof. Carlo Weber (Vorsitz), Prof. Berthold Burkhardt, Prof. Dörte Gatermann, Prof. Nikolaus Hirsch, Günter Schmitteckert, Dr. Michael Eissenhauer, Dr. Eva-Maria Höhle, Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann

Eingängig
Das Ballhaus in Kassel wird neu erschlossen

In Kassel macht man, anders als in Dresden, seine Hausaufgaben: Alle Pläne für die Wilhelmshöhe, etwa ein Hotelneubau, bzw. für den Aus- und Umbau der Museumslandschaft Kassel werden von Experten genauestens darauf geprüft, ob sie einer Bewerbung für die Aufnahme der Parks Wilhelmshöhe und Karlsaue, der Schlösser Wilhelmshöhe und Wilhelmsthal sowie des Herkules als Ensemble in das UNESCO-Welterbe schaden könnten.

Gleiches gilt dann selbstverständlich auch für das Wilhelmshöher Ballhaus. Denn Leo von Klenzes aus dem Jahr 1810 stammendes und mit Umbauten von J.C. Bromeis 1830 fertig gestelltes Kleinod soll ganzjährig als festlicher Veranstaltungsraum genutzt werden. Und dazu muss erst einmal die nötige Infrastruktur geschaffen werden: durch einen neuen Eingang, der zugleich als „Klimaschleuse“ für den prachtvoll ausgemalten Ballsaal fungiert. Die entscheidende Frage bei dem vom Land Hessen ausgelobten Einladungswettbewerb war also, wie sich ein Anbau in das Ensemble des Schlossplateaus einfügen könnte.

Das unter anderen mit Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, prominent besetzte Preisgericht vergab unter Vorsitz von Carlo Weber den ersten Platz einstimmig an den Berliner Architekten Volker Staab. Der brachte – zum Beispiel mit dem Neuen Museum Nürnberg, dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt oder zuletzt der „Schwebenden Arche“ fürs Dresdner Albertinum und dem Besucherzentrum am Kasseler Herkules – die nötige Sensibilität mit, um in Anbetracht der historischen Gebäude auf eine Lösung zu setzen, die die Stärke des Ballhauses betont und sich selbst zurücknimmt. Er schlägt einen relativ kleinen Eingangskubus aus satiniertem Glas vor, den er zudem versetzt zur Achse Ballhaus – Schloss platziert.

Der zweite Platz ging an Peter Sichau und Hartmut Walter aus Fulda. Diese zielten bewusst auf einen Platz in der Achse – und mit einem kleinen Würfel auf ein dezidiert zeitgenössisches Element. Platz drei belegte das Stuttgarter Büro HG Merz, das den Eingang bei geringer Fläche, aber reichlich Höhe direkt am Ballhaus ansetzte.

Während die Preisrichter hier mit der Schleusenfunktion nicht zufrieden waren, gewährleistet der wirtschaftliche Siegerentwurf die konstante Klimatisierung des Ballhauses – und damit den wichtigen Schutz der kostbaren Wandmalereien. Und er zeichnet sich vor allem dadurch aus, wie er die Hanglage ausnutzt. Denn das tiefer liegende Geschoss, zu dem man über das Eingangstreppenhaus hinabgelangt und das Funktionsräume wie die Garderobe aufnehmen wird, öffnet sich zum Hang hin und gibt den Blick nach draußen frei. Zugleich wird so die Belichtung des unterirdischen Wegs elegant gelöst. Allerdings standen die Preisrichter der Konzeption zweier Zugänge – einmal über einen neuen Weg vom Hang her und einmal vom Plateau über eine Treppe – mit Blick auf (garten)denkmalpflegerische Aspekte skeptisch gegenüber. Eingängig ist das Konzept schon, und „ein-gängig“ wäre es wohl am besten umgesetzt.

Probleme mit der UNESCO sollte es dabei übrigens nicht geben. Was wiederum zum Stichwort Hausaufgaben führt – und damit zum Kasseler Konzept, das die „documenta“-Stadt in mancher Hinsicht zur löblichen Ausnahme macht. Denn die 200 Millionen Euro, die man bis 2014 im Rahmen eines umfangreichen Kultur- und Sanierungsplans investiert, fließen in jedem Fall – unabhängig vom Ziel Welterbe.