Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Innenstadtgestaltung Kreuzplatz in Gießen

Preisträger

1. Preis: Jochen Kehm, Norbert Kerl, Biebertal

€ 13.000

Mitarbeit: Herbert Erb, Benjamin Lachmann
Sachverständige: Georg Best, Eberhard Theophel

3. Preis: Torsten Wewel, Grünberg

€ 5.000

Mitarbeit: Susanna Wendt
Sachverständige: Ingenieurbüro Müller GmbH & Co.KG

3. Preis: KuBuS Freiraumplanung/ Landschaftsarchitekten, Wetzlar

€ 5.000

Rudolf Kaufmann
Mitarbeit: Rabea Seibert, Ralph Witte, Dirk Laggner

Ankauf: Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen

€ 2.000

Raimund Haase
Mitarbeit: Herr Helbing, Frau Meichsner
Sachverständige: Wagner Consult Wetzlar Ingenieurgesellschaft mbH

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 13.07.2007
Ort Gießen
Auslober Magistrat der Stadt Gießen
Betreuung Planungsamt der Stadt Gießen
Preisrichter Corinna Endreß (Vorsitz), Jens Backhaus, Hans Dettling, Thomas Rausch, Clemens Abel

Ein besonderer Brunnen
Die Gießener Fußgängerzone wird neu geplant – mit Justus von Liebig-Figur als Mittelpunkt

Gießen – das ist für die meisten schlicht die Universitätsstadt, deren Alma Mater gerade ihr 400-jähriges Bestehen feierte. Die wenigsten aber kennen Gießen als zentrale Einkaufsstadt Mittelhessens – mit einem Stadtkern, der bei rund 73.000 Einwohnern den gleichen Umfang aufweist wie zum Beispiel bei Darmstadt mit doppelt so vielen Menschen.

Der ausgeprägte Einzelhandelsstandort „City Gießen“ muss sich allerdings gegen die Konkurrenz außerhalb liegender Geschäftszentren behaupten – und teilt sich zudem durch Abnutzungserscheinungen immer stärker in bessere und weniger gute Lagen. Das Image der Innenstadt, das von Wiederaufbauarchitektur der 50er Jahre geprägt ist und in der Oberflächengestaltung eher Flickteppich-Charakter hat, müsste also dringend aufpoliert werden.

Das war auch das Ziel des beschränkten Einladungswettbewerbs, bei dem fünf Büros der Region insgesamt rund 6.000 qm Freiflächen für wesentliche Bereiche der Gießener Fußgängerzone neu planen und einen Stadtboulevard mit urbanen Plätzen schaffen sollten. Für die Entwicklung lag als Leitbild eine städtebauliche Vorstudie des Kasseler Planungsbüros ANP aus dem Jahr 1999 zugrunde. Es war ein günstiger Zeitpunkt für den auslobenden Magistrat, denn es stehen ohnehin umfangreiche Tiefbauarbeiten an: Versorgungsleitungen und marode Kanäle müssen erneuert werden.

Unter Vorsitz von Corinna Endreß wählten die Preisrichter den Entwurf der Biebertaler Planungsgruppe einstimmig auf den ersten Platz. Sie waren vor allem von der Kombination von rotem Klinker für einen breiten Mittelstreifen und Basaltpflaster vor den Geschäften angetan – was im Zusammenspiel mit den modernen, klaren Formen und Strukturen den gehobenen Anspruch der Verfasser betont.

Für die beiden gleichwertigen Arbeiten des Grünberger Landschaftsarchitekten Torsten Wewel und von KuBuS Freiraumplanung, Wetzlar/Berlin, wurde jeweils ein dritter Preis verliehen. Wewels Konzept sieht eine Bebänderung bzw. eine Aufteilung in Oasen vor, während KuBuS die Ränder und Fassaden in den Vordergrund stellt, um den Straßenraum deutlich zu akzentuieren. Ein weiterer Entwurf von Sommerlad Haase Kuhli, Gießen, wurde angekauft.

Was den Siegerentwurf vor allem auszeichnet, ist seine originelle Idee für einen besonderen Brunnen. Alle Büros hatten vorgesehen, den bestehenden Kugelbrunnen am Kreuzplatz durch neue Wasserspiele zu ersetzen. Doch allein den Einfall der Biebertaler, Justus von Liebig, den berühmten Sohn der Stadt, in Frack und Zylinder am Experimentiertisch als Brunnenfigur zu verewigen, wertete das Preisgericht „als hervorragenden Beitrag für die Stadtgestaltung und Imagebildung der Universitätsstadt“. Positiv wurden auch das Blindenleitsystem sowie das Beleuchtungskonzept ohne Masten beurteilt. Insgesamt – und dazu trägt selbst die mittig gelegene, aber dezente Entwässerungsrinne bei – entsteht ein einheitliches Erscheinungsbild mit einer großen Gesamtruhe. Und dieses gleichmäßige Aussehen ist ein Element, das neben den Preisrichtern auch der Gießener Stadtbaurat Thomas Rausch für wichtig hält, um die Innenstadt aufzuwerten – und damit letztlich die Einkaufstadt Gießen.