Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Gemeindezentrum der Pfarrei St. Michael in Nieder-Ramstadt

Preisträger

1. Preis: Kolb + Neumann Architekten, Darmstadt

€ 1.800

Christine Kolb-Neumann, Bernd Neumann

2. Preis: Wolfgang Pankoke (P2-Pankoke), Darmstadt mit Thomas Bartelmann, Darmstadt

€ 1.100

Sachverständige: Verena Pankoke, Angela Bezzenberger

Ankauf: Frank Dorn und Rüdiger Ruby, Darmstadt

€ 1.000
Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 23.05.2007
Ort Nieder-Ramstadt
Auslober Katholische Kirchengemeinde St. Michael, Nieder-Ramstadt
Betreuung Diözesanbauamt Mainz
Preisrichter Prof. Jobst Kowalewsky (Vorsitz), Johannes Krämer, Peter Peters, Karen-Li Willius, Rita Bibinger, Hendrick Jolie, Ernst Langner

Form und mal wieder Funktion
Neues Gemeindezentrum für die Pfarrei St. Michael in Nieder-Ramstadt

Viel Pflicht, wenig Möglichkeiten zur Kür: Die Vorgaben für das neue Gemeindezentrum der Pfarrei St. Michael in Nieder-Ramstadt unweit von Darmstadt waren deutlich. Gewünscht für den Ersatzneubau für das bestehende Gemeindezentrum Don Bosco, Schutzheiliger der Jugend, war eine nach außen nutzungsorientierte Architektur, eine einfache und klare Form. Wirtschaftlichkeit und flexible Funktionalität für Pfarrsaal, Bücherei, Gruppenraum, Küche usw. standen im Vordergrund. Trotzdem sollte das neue Gebäude ein wirkungsvolles Ensemble mit der Kirche bilden und sich in das durch Einfamilienhäuser geprägte Umfeld fügen.

Das ist den beiden Erstplatzierten unter den sieben eingeladenen Büros gelungen. Bei den Darmstädter Kolb + Neumann Architekten überzeugte der einfache zweigeschossige Quader mit ruhiger Fassade. Dessen Positionierung erzeugt eine proportionierte Platzkante für den Kirchenvorplatz sowie einen halböffentlichen Platz für Pfarrfeste hinter der Kirche. Topographisch bedingt, könnten beide Stockwerke ebenerdig erschlossen werden. Das Büro, das kirchliche und kommunale Gemeindehäuser zu seinen Schwerpunkten zählt und bereits 2004 für die Erweiterung eines evangelischen Kindergartens in Nieder-Ramstadt verantwortlich zeichnete, schafft im Inneren eine systematische Gliederung, die straffe Kubatur ist wirtschaftlich. Kritikpunkte der Preisrichter waren vor allem, dass zum Beispiel im Foyer die Haupttreppe entgegen der Erschließungsrichtung verläuft oder dass die Anordnung von Bibliothek und Küche nicht optimal erscheint.

Differenzierte Außenräume kennzeichnen auch den zweitplatzierten Entwurf von P2-Pankoke, ebenfalls aus Darmstadt. Deren zwei quaderförmige Baukörper sind geschickt aneinandergefügt. Unterschiedliche Oberflächen und Farben betonen die Eigenständigkeit. Hinzu kommt das von beiden Baukörpern umschlossene gläserne Foyer. Aber auch hier hatte das Preisgericht Probleme mit der inneren Raumanordnung, etwa mit den Saalproportionen oder der Lage der Küche.

Ganz problematisch wird es mit der Funktionalität beim dritten Darmstädter Büro, Frank Dorn und Rüdiger Ruby. Spitzwinkelige oder stromlinienförmig abgerundete Abstellräume sind der Albtraum eines jeden Hausmeister. Und die würde er bei dem mit einem Ankauf gewürdigten Entwurf auf jeden Fall haben. Denn der geschwungenen Form, bei der die Bibliothek sich wie ein Schiffsbug in den Straßenraum schiebt, wird das Funktionale unterworfen – „bedenkenlos“, wie es im Urteil des Preisgerichts heißt. Immerhin bot dieser „Kür“-Entwurf durch seine Formensprache auch hervorragende Teillösungen – was erklärt, dass er sehr intensiv und kontrovers diskutiert wurde.