Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg

Preisträger

1. Preis: Detlef Sacker - Sacker Architekten, Freiburg

€ 18.000

Mitarbeit: Ralf Heinrich, Jens Pasche, Sven Post, Annemarie Müller
Sachverständige:
Faktorgruen, Denzlingen (Landschaftsarchitektur)
Büro für SonnenEnergie Stahl + Weiß, Freiburg (Energiekonzeption)

2. Preis: Architekten BHP Bender-Hetzel Planungsgesellschaft mbH, Koblenz

€ 10.000

Peter Hetzel, Michael Lanzerath
Mitarbeit: Mircea Handabura

3. Preis: Hayner Architekten, Neuss

€ 6.000

Michael Hayner
Mitarbeit: Andrea Salgert
Sachverständige:
Schmidt Reuter Integrale Planung und Beratung, Dr. Dieter Thiel, Köln

3. Preis: Willi Hamm, Bad Camberg

€ 6.000

Mitarbeit: Michael Hamm, Harald Meurer, Stefan Lohr
Sachverständige:
GPG mbH, Ingenieurbüro für Haustechnik, Herr Cromm, Limburg
Ing.-Büro Ruffert & Partner, Herr Ruffert, Limburg
Sachverständigen-Büro für Brandschutz, Herr Endreß, Frankfurt/Main

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 05.04.2007
Ort Limburg
Auslober Kreisausschuss des Landkreises Limburg-Weilburg
Betreuung Bauwert Projekt Consult GmbH, Dillenburg
Preisrichter Hans-Uwe Schultze (Vorsitz), Manfred Michel, Helmut Jung, Peter Trottmann, Dr. Heinrich May

Klare Strukturen
Erweiterungsbau für die Adolf-Reichwein-Schule in Limburg

Was für Unternehmen gilt, bewahrheitet sich auch bei Schulen: je größer, desto wahrscheinlicher sind starre Strukturen. Was also sollte man bei einer Berufsschule mit über 2.100 Schülern in 46 Klassen vermuten?

Antwort: Innovation. Zumindest bei der Limburger Adolf-Reichwein-Schule (ARS). Sie beherbergt die beruflichen Schulen des Landkreises Limburg. Und dort hat man zum Beispiel früh erkannt, dass sich im Zweig Gastronomie wenig bewegt, die Systemgastronomie aber brummt. Konsequenz: Als einzige Berufsschule hat die ARS den Fachbereich Catering ins Leben gerufen.

Eine solche Flexibilität erwartete die Schule auch von den Architekten, die beim Realisierungswettbewerb für die Sanierung und Erweiterung der ARS teilgenommen haben. Da man in Limburg viel auf Projektarbeit statt Frontalunterricht setzt, war ein Neubau mit differenzierten Klassenräumen von zwanzig bis vierzig Schülern gefragt, sowie unter anderem Werk- und Vorbereitungsräume, ein Musik- und ein Multimediaraum.

Eingelöst hat die Erwartungen Detlef Sacker. Aus dem Kreis der 19 gesetzten bzw. gelosten Büros des von Bauwert (Dillenburg) betreuten Wettbewerbs wählte das Preisgericht den Freiburger Architekten einstimmig auf den ersten Platz. Die Preisrichter unter Vorsitz von Hans-Uwe Schultze schätzten die zwei massiven Baukörper mit der dazwischen liegenden, offen gestalteten Erschließungszone als „sehr schlüssigen Entwurf“. Platz zwei belegten die Koblenzer Architekten BHP, bei deren Baukörper die ästhetische Gestaltung Lob erntete. Es wurden noch zwei dritte Plätze vergeben: an Willi Hamm aus Bad Camberg, der sich einer Ensemblebildung mit den umgebenden Einzelbaukörpern bewusst entzog, sowie an Michael Hayner aus Neuss, der als einer der wenigen keinen Riegel in Ost-West-Richtung, sondern eine quadratische Grundform bevorzugte.

Für den Siegerentwurf sprach, dass er die vielen Gegebenheiten planerisch geschickt einbezieht. Der Zugang zum neuen Gebäude liegt direkt gegenüber dem Haupteingang der Adolf-Reichwein-Schule – eine Einheit stiftende visuelle Verbindung ist so geschaffen. Auf funktionaler Ebene kommt etwa die Anbindung an den bestehenden Technikbereich hinzu oder der Anschluss an die vorhandene Überdachung im hinteren Bereich des Schulhofs. Auch die innere Erschließung über fünf Meter breite Flure wurde in punkto Aufenthaltsqualität gewürdigt – wenngleich hier wirtschaftliche Gründe auch für eine schmalere Variante sprechen könnten. Bedenken hatten die Preisrichter auch hinsichtlich des nach Süden angelegten, aus der Fassade heraustretenden, voll verglasten Treppenhauses und der Größe der Fensterbänder.

Letztlich aber entsteht durch den Neubau ein zentraler und trotzdem geschützter Campus. Wo bisher Schulhof und Parkplatz fast nahtlos ineinander übergingen, werden die Flächen neu gegliedert. Klare Strukturen also. Und gegen die ist – im Gegensatz zu starren – ja nichts einzuwenden.