Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Mehrzweckhalle in Burghaun

Preisträger

1. Preis: Peter Sichau, Hartmut Walter, Fulda

€ 8.500

Mitarbeit: K. Kaffanke, C. Naske

2. Preis: Arbeitsgemeinschaft Emmerich / Arnold + Wagner, Friedewald

€ 4.500

Mitarbeit: Steffen Arnold, Nina Bondkirch, Tanja Emmerich, Sven Wagner
Fachberater: Ing. Büro Gross, Bad Hersfeld

2. Preis: Reith + Wehner Architekten, Fulda

€ 4.500

Mitarbeit: Stephan Storch, Daniel Schreiner, Claudia Meindl

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, einphasiger Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 23.03.2007
Ort Burghaun
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Burghaun
Betreuung Herget + Wienröder, Eichenzell
Preisrichter Prof. Jürgen Bredow (Vorsitz), Birger Rohrbach, Alexander Hohmann

Pagode und Spange
Eine Mehrzweckhalle für Burghaun

Es gibt Wettbewerbsgebiete, die verleiten zu einer sehr eigenständigen Architektur. Beispiel Marktgemeinde Burghaun. Dort gibt es kein Bürgerhaus, die Sporthalle ist für Publikum nicht geeignet, das kulturelle Leben findet keine geeignete Bleibe. Eine Mehrzweckhalle wird also dringend benötigt. Den Platz dafür gibt es: Am Rande des Orts gelegen, angrenzend an ein Gewerbegebiet und mit einem eher nutzungsorientierten Architekturumfeld.

Doch der Schein trügt. Für das 7000-Einwohner-Städtchen an der Grenze des Landkreises Fulda wird dieser Platz eine herausragende Bedeutung einnehmen. Die neue Mehrzweckhalle tritt zwangsläufig in Sichtbeziehung zum lokalen Wahrzeichen: den beiden nebeneinander stehenden barocken Pfarrkirchen aus dem 18. Jahrhundert, Produkte der Gegenreformation. Am einen Rand reicht das Wettbewerbsgebiet zudem an die historische Wehranlage heran, eine Anbindung an den historischen Ortskern und die freie Auenlandschaft der Haune besteht ebenfalls.

Deshalb war das Ziel des von Herget + Wienröder betreuten Einladungswettbewerbs eine Mehrzweckhalle als öffentlich-kulturelle Freianlage – die eine neue Ansicht des alten Ortskerns generiert. Die Teilnehmer legten aufgrund des planerischen Freiraums sehr unterschiedliche Typologien vor, unter denen sich ein Entwurf herauskristallisierte, der mit den Gegebenheiten souverän umging. Das Fuldaer Büro Sichau + Walter erhielt für einen eingeschossigen Hallenbau mit markantem Dach und vorgelagerter Gebäudespange mit Flachdach und einem integrierten Fenster zur Landschaft den ersten Preis. Das Ensemble liegt am südlichen Rand relativ mittig und ist parallel zur Aue angelegt. Es schafft einen klaren Siedlungsrand, unterstützt durch die Baumreihe an der Haune.

Die Baumreihe als Abschluss schlagen auch die beiden Zweitplatzierten Büros vor. Reith + Wehner Architekten, ebenfalls aus Fulda, platzieren ihr einfaches Gebäudeband nahe am westlich gelegenen Wehr mit viel Glas- und Grünflächen. Die Friedewalder Arbeitsgemeinschaft Emmerich / Arnold + Wagner bevorzugen hingegen die südöstliche Grundstücksgrenze für ihren kompakten Baukörper mit seinem überzeugenden Wechselspiel von offenen Glasflächen und geschlossenen Putzflächen.

Die weiteren Pluspunkte des Siegerentwurfs, von den Verfassern als „Stilles Haus“ mit Naturstein, Holz, Glas und Kupfer konzipiert: Die architektonische Qualität liegt in der Kombination von Halle und Spange, wobei letztere in einem geschlossenen Natursteinbaukörper die Nebenräume aufnimmt und nur durch das Fenster zur Landschaft unterbrochen wird, was Außen- und Innenbezüge gut verknüpft. Das Gebäude öffnet sich zum Ort hin. Die Anbindung an das Wasser der Wehranlage erfolgt über einen großzügigen Platz mit einem markanten Solitärbaum. Bei Veranstaltungen erreicht man das Foyer über den Platz entlang der gläsernen Hallenfassade. Mit einfachen Mitteln, so das Preisgericht, entstehe so ein neuer attraktiver Ort mit eigener Atmosphäre.

Die offene, helle und äußerst flexible Halle dürfte, wie gewünscht, für alle Vereine der Ortes von Nutzen sein, die von Anfang an in die Planung mit einbezogen waren: von der Feuerwehr bis zur Theatergruppe, vom Gewerbeverein bis zur Chorvereinigung und schließlich natürlich – auch wenn sich eine 80-prozentige nicht-sportliche Nutzung abzeichnet – auch für den Turnverein. Dass der Entwurf dabei sehr wirtschaftlich ausfällt, dürfte alle Burghauner um Bürgermeister Alexander Hohmann freuen. Mehr aber noch die wichtige Mischung von Eigenständigkeit, Funktionalität und städtebaulicher bzw. landschaftlicher Sensibilität.