Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Europagarten im Europaviertel West, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 32.000

Gero Heck, Marianne Mommsen
Mitarbeit: Henning Pagels,
Elisabeth Biederbick,
Thomas Tränert, Martina Kaiser

2. Preis: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

€ 20.000

Luc Monsigny
Mitarbeit: Romain Goerens, Stefanie Ruff,
Sun Ye, Tang Xu Ying

3. Preis: KuhnTruninger Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich

€ 10.000

Stephan Kuhn
Mitarbeit: Christine Fueter Truninger,
Catherina Bauer, Almut Kiefer, Thomas Kolb

3. Preis: Westpol Landschaftsarchitekten, Basel

€ 10.000

Andy Schönholzer
Mitarbeit: Ane Nieschling, Karoline Anacker,
Birgit Willmann, Oliver Fechner

Anerkennung: Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten, Zürich

€ 8.000

Lukas Schweingruber
Mitarbeit: Carola Anton,
Carolin Fickinger, Sebastian Meyer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Beschränkter, begrenzt offener einstufiger freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 12.12.2008
Ort Frankfurt/Main
Auslober aurelis Asset GmbH, Eschborn
Betreuung BWP Endreß Landschaftsarchitekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Bernd Scholl (Vorsitz), Prof. Gerd Aufmkolk, Prof. Regine Keller, Stephan Heldmann, Thomas Reinhard, Edwin Schwarz, Dr. Manuela Rottmann, Taddäus Zajac

Trend und Wirklichkeit
Der Europagarten in Frankfurt macht Wohnen in der Stadt attraktiv

Gern wird er beschworen, der Trend zurück zum Wohnen in der Stadt. Möglich ist das auch – wenn die Ansprüche oft nicht allzu hoch sind, man nicht klaustrophobisch veranlagt ist oder aber das nötige Kleingeld hat. Bringt letzteres aber zum Beispiel eine Familie im ohnehin teuren Rhein-Main-Gebiet auf, so ist noch lange nicht gesagt, dass es auch den passenden Wohnraum gibt. Größere Wohnungen? Etwa noch mit etwas Grün dabei? Viel Spaß bei der Suche.

Dem steuern die Städte inzwischen entgegen. Frankfurt vor allem. Täglich pendeln dorthin 350.000 Menschen. Da ist es eine riesige Chance, ein ganzes Areal wie das Europaviertel neu gestalten zu können. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs südlich der Messe und unweit des Hauptbahnhofs werden über 3.000 Menschen wohnen und rund 10.000 arbeiten können. Es gibt einen Europa-Boulevard, der diese Bezeichnung auch verdient (wenngleich er Europaallee heißt), zwei Hochhäuser bis zu 60 Meter sind vorgesehen, das Herzstück aber, um das sich die vier Quartiere gruppieren und das ein Drittel der Fläche umfasst, ist der fast sechs Hektar große Europagarten. Mit seiner Gestaltung wird das neue Viertel nicht stehen oder fallen, dafür ist die Lage zu gut. Aber welche Akzeptanz dem Europaviertel zukommt, dafür wird er mit ausschlaggebend sein.

Aller Voraussicht nach wird er ein guter Indikator sein. In diese Richtung weist der vom Immobilienkonzern Aurelis in Kooperation mit der Stadt Frankfurt ausgelobte, begrenzt offene freiraumplanerische Realisierungswettbewerb. Denn der Siegerentwurf versteht es, einen großzügigen, eleganten Garten mit großstädtischem Charakter zu inszenieren. Die Entscheidung für das Berliner Büro Relais Landschaftsarchitekten aus der Gruppe von 14 Teilnehmern fiel einstimmig. Der zweite Preis ging an Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin, für ein Konzept mit einem breiten Baumband, in das die Europa-Allee übergeht, einer freien Wiesenmitte und differenzierten Themengärten. Den dritten Platz belegten gemeinsam Kuhn Truninger GmbH, Zürich, und Westpol Landschaftsarchitekten GmbH, Basel. Die Züricher konzipieren den Park als eigene Welt mit großer offener Mitte. Und Vergleichbares – von daher auch die gemeinsame Platzierung –, was die Idee einer großzügigen Mitte als Ausgangspunkt anbelangt, kam auch aus Basel.

Was den Planern von Relais, die ebenfalls auf einen dichten Rand mit offener Mitte setzen, gut gelingt, ist im Osten die schwierige Einbindung des Tunneleingangs, in den die Haupterschließungsstraße unter dem Europagarten münden soll. Im Westen dominiert die klassische Kombination von Gastronomie, Platz, Parterre und großer Wiese. Im Zentrum entsteht eine breite Promenade, alleengleich von Bäumen gesäumt, als Rahmung der großen Wiese. Charakteristisch werden Hecken sein, zwischen denen man geschützt sitzen kann, die auch die in der Größe variablen „Spielkisten“ umgeben und die die Verbindungen zu den Taschenparks und dem Quartiersplatz herstellen. Die Wege sind sparsam, aber effektiv gelegt, der Garten lohnt durch sein Wasser- und Pflanzenparterre ganzjährig Besuche. Lob erhielt auch die Idee, nur die wesentlichen Teile des Gartens zu beleuchten und auch einmal die Dunkelheit wirken zu lassen. Probleme sah das Preisgericht unter Vorsitz Prof. Bernd Scholl jedoch bei der durchgehenden Aufkantung der Wiese zur Promenade hin. Das erschwert den Zugang. Auf den Prüfstand sollen auch noch die Integration des Bolzplatzes und die Frage, wie es sich mit einem Café im Osten verhält.

Das Wichtigste aber ist: Nutzen und Freizeitwert sind hoch, damit die Attraktivität für die Anwohner und dadurch wiederum für das ganze Viertel. Wenn ein Teil der Wohnungen tatsächlich hochwertig, aber nicht hochpreisig sein sollte, ist der Run programmiert. Und Wohnen in der Stadt nicht mehr nur ein viel zitierter Trend, sondern Wirklichkeit.