Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Studentenwohnheim, Kassel

Preisträger

1. Preis: berger röcker architekten, Stuttgart

€ 23.000

Daniel Berger, Peter Röcker
Mitarbeit: Mareike Fluhrer, Marc Schommer
Fachberater: Specht Landschaftsarchitektur, Hans Specht, Tübingen
Teuffel Engineering Consultants Ingenieurgesellschaft, Patrick Teuffel, Stuttgart

2. Preis: Trint + Kreuder d.n.a, Köln

€ 17.000

Kay Trint, Hanno Kreuder
Mitarbeit: Ho Seop Kim

3. Preis: Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel

€10.500

Uwe Hoegen
Mitarbeit: Michael Rudek, Nina Berger, Denise Pacheco, Julia Friedrich
Fachberater: InnovaTec Energiesysteme GmbH, Joachim Otte, Ahnatal
Schöne Aussichten Landschaftsarchitektur, Günter Sandmann, Kassel
EHS beratende Ingenieure für Bauwesen, Heiko Rausch, Lohfelden

Anerkennung: HHS Planer + Architekten AG, Kassel mit Pfeifer Kuhn Architekten, Freiburg

€ 7.500

Prof. Manfred Hegger, Prof. Günter Pfeifer
Mitarbeit: Caroline Schmidt, Leon Schmidt, Annamaria Mandaric, Adam Vesztergom, Yvonne Stetzer
Fachberater: Ingenieurbüro Wagner Zeitter, Helmut Zeitter, Wiesbaden
Dipl. Ing. Angela Bezzenberger, Darmstadt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, begrenzt offener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 16.05.2011
Ort Kassel
Auslober Studentenwerk Kassel
Betreuung scheuvens + wachten, Dortmund
Preisrichter Prof. Christa Reicher, Prof. Maya Reiner, Prof. Philipp Krebs, Prof. Dr. h. c. Wolfgang Schuster (Vorsitz), Cornelia Schindler, Inge Laste, Prof. Dr. rer. pol. Rolf-Dieter Postlep / Dr. Robert Kuhn, Dr. Joachim Lohse, Christina Walz, Guido Brennert, Erika Ernst

Studieren mit Kind
Neubau Studentenwohnheim mit Kinderhaus, Campus Nord Universität Kassel

Harte Standortfaktoren wie die Qualität der Lehre, die Ausstattung des Studienortes oder die Zahl der Studenten, die von einem Professor betreut werden, zählen für Studenten ebenso wie „weiche“ Faktoren, beispielsweise Wohnraum oder Angebote für die Kinderbetreuung. Davon zeigt sich zumindest Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörnemann überzeugt. Gerade bei letzteren Faktoren will das Studentenwerk Kassel zukünftig überzeugen und hatte deshalb in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst einen begrenzt offenen internationalen Realisierungswettbewerb für den Neubau eines Studentenwohnheims mit Kinderhaus auf dem neuen Campus Nord der Universität Kassel ausgelobt. Das Verfahren betreute das Dortmunder Büro scheuvens + wachten Architekten und Stadtplaner. 

Das Land stellt für das Vorhaben unentgeltlich das Grundstück zur Verfügung und bezuschusst den Bau der Kindertagesstätte, die 65 Plätze bieten soll, mit 1,7 Millionen Euro aus dem Hochschul-Investitionsprogramm Heureka. Das Studentenwohnheim selbst wird vom Studentenwerk Kassel finanziert, geplant sind 112 Einzelappartements sowie 19 Doppelappartements, die eine flexible Raumgestaltung für Familien mit Kindern zulassen sollen. 

Für die Gestaltung von Wohnheim und Kinderhaus konnte das Preisgericht unter 18 eingereichten Entwürfen auswählen. Einstimmig vergaben die Preisrichter, denen Prof. Dr. Schuster aus Kassel vorsaß, den ersten Preis an berger röcker architekten aus Stuttgart. Auf dem zweiten Platz landeten Trint + Kreuder d.n.a aus Köln, Platz drei ging an das Kassler Büro Baufrösche Architekten und Stadtplaner. Die drei erstplatzierten Entwürfe positionieren das Wohnheim als schmalen Riegel zum Campusplatz hin. Doch während der erst- und zweitplatzierte Entwurf die Kindertagesstätte kompakt ganz im Norden des Wettbewerbsareals ansiedeln und diese mit dem Freibereich komplett Richtung Süden orientieren, wählt die drittplatzierte Arbeit der Baufrösche einen anderen Weg. Hier ist die Kita als eher länglicher Baukörper ausgebildet und orientiert sich mit einem „Spieldeck“ unterhalb des aufgeständerten Bereichs des Wohnheimriegels zum Campusplatz hin. 

Das städtebauliche Konzept ersten Preises basiert auf der Grundidee, Wohnheim und Kita in zwei voneinander getrennten Baukörpern zu realisieren. Den Preisrichtern gefiel insbesondere die gelungene Verknüpfung von Innen- und Außenraum bei beiden Gebäuden. Der langgestreckte Baukörper des Studentenwohnheims formuliere „eine klare Grenze zum öffentlichen Raum“, so die Preisrichter und biete mit seinen nach Westen orientierten Laubengängen „große Aufenthaltsqualitäten“. Die terrassenförmig gestaltete Kindertagesstätte weise ideal angeordnete und ausgerichtete Gruppenräume auf. Zudem überzeugte die Gegenüberstellung der strengen, architektonischen Gliederung in Richtung des öffentlichen Raums und die aufgelockerte, spannende Fassadengestaltung zum Innenbereich hin. 

Die Verfasser der zweitplatzierten Arbeit formulierten nach Ansicht der Preisrichter einen großzügigen, terrassenartigen Zugangsbereich an der oberen Campustreppe, an dem der Zugang zur Kita sowie die Anbindung der über Laubengänge erschlossenen Wohnungen liegen. Im Gegensatz zum ersten Preis ist das Wohnheim zweihüftig organisiert. Der Freibereich der Kindertagestätte soll um ein Geschoss abgesenkt und so räumlich vom öffentlichen Bereich abgetrennt werden. 

Als herausragendes Merkmal des mit Rang drei bedachten Vorschlags der Baufrösche identifizierten die Preisrichter die Orientierung der Kindertagesstätte in Richtung Osten, hin zum zentralen Campusplatz der Universität Kassel. Der Sockel des Freibereichs der Kita bilde eine „visuelle und funktionale Zäsur“, so das Preisgericht. 

An der Großbaustelle des neuen Campus Nord will die Universität Kassel in den kommenden Jahren verschiedene Fakultäten ansiedeln. Studentenwohnheim und Kinderhaus zählen dabei zu den ersten Bausteinen bei der Realisierung. Die Preisrichter empfahlen hierfür einstimmig die mit dem 1. Preis gewürdigte Arbeit von berger röcker architekten.