Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Sanierung und Umbau der Kleinmarkthalle in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: CODE UNIQUE ARCHITEKTEN, Dresden

€ 20.000

Volker Giezek, Martin Boden
Mitarbeit: Aline Baumann, Raik Hartmann
Fachberater:
GESA mbH Ingenieurgesellschaft, Dresden
Herr Gläser (Technische Gesamtplanung)

2. Preis: BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH, Friedberg

€ 16.000

Michael Frielinghaus
Mitarbeit: N. Krutsch, C. Anders, Alice Pape, C. Ziehlke, Denise Graf (Modellbau)

3. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt am Main

€ 12.000

Mitarbeit: Sandrina Schliemann
Fachberater:
Waldemar Paulus, Ingenieurbüro für Technische Planung, Hanau (Technische Planung)

4. Preis: Sonja Neugebauer, Stuttgart

€ 9.600

Mitarbeit: Carsten Liewald

5. Preis: Kissler + Effgen Architekten, Wiesbaden

€ 6.400

Roland Effgen
Mitarbeit: Torsten Maceus

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 05.08.2008
Ort Frankfurt/Main
Auslober Magistrat der Stadt Frankfurt/Main
Betreuung Hochbauamt der Stadt Frankfurt/Main in Zusammenarbeit mit Kaulfersch Architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Carlo Weber (Vorsitz)Prof. Jörg Friedrich, Prof. Anett-Maud Joppien, Dieter v. Lüpke, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Prof. Zvonko Turkali, Volker Stein, Edwin Schwarz, Herbert Janicke, Frank Junker, Dieter Rudolph

Glasklar
Die Frankfurter Kleinmarkthalle wird saniert und neu gestaltet

Sie ist zwar etwas in die Jahre gekommen, aber noch voller Leben: die Frankfurter Kleinmarkthalle. 1954 leicht versetzt als Nachfolgebau für die 1944 zerbombte erste Kleinmarkthalle errichtet, ist sie mit über 60 Anbietern von Obst und Gemüse, Fleisch, Geflügel und Wild, regionalen und exotischen Leckereien ein zentraler und vitaler Treffpunkt in der Frankfurter Innenstadt.

Lebhaft waren denn auch die Bürgerproteste gegen den Plan, die Abrissbirne einzusetzen und das erfolgreiche Konzept an einen anderen Ort zu verpflanzen. Bürgers Stimme wurde tatsächlich gehört, und so sollten in einem Realisierungswettbewerb mit Ideenteil Modelle für Sanierung, Umbau und die Gestaltung der Außenflächen des seit 2000 denkmalgeschützten Gebäudes ausgetüftelt werden. Auch eine bessere Anbindung der recht isoliert liegenden, weil verwinkelt zugänglichen Halle an die Innenstadt war das Ziel.

Dafür gab es einige spannende Vorschläge aus den Reihen der insgesamt 32 Wettbewerber für das 12,5 Millionen Euro schwere Projekt. Etwa vom Frankfurter Ferdinand Heide. Er überlegt, die Halle an der West- und der Südseite nach außen hin zu öffnen und zu überdachen. Denkmalpflegerisch gelungen, lobten die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Carlo Weber, monierten aber die Größe der Standflächen. Eine eingeschossige Erweiterung im Süden, einen getrennten Neubau für Gastronomie im Westen und ein großen Platz im Süden bei Verzicht auf einen im Norden war eine Überlegung des Büros BLFP Frielinghaus Architekten, das das Preisgericht auf Platz zwei wählte. Probleme sah diese bei den Aus- und Zufahrten der Tiefgarage, beim Umgang mit dem Otto-Hahn-Denkmal und bei Überlegungen zur südlichen Wohnbebauung. Neue Gebäude nördlich der Halle wurden allerdings positiv eingeschätzt. Dieser und ähnliche Vorschläge bewogen auch das Preisgericht, der Stadt Frankfurt als ein zusätzliches Ergebnis des Wettbewerbs die Nachverdichtung im nördlichen und südlichen Umfeld zu Gunsten des Wohnungsbaus zu empfehlen.

Die Entscheidung für den ersten Platz fiel mit 10:1 Stimmen. Sieger wurde das Dresdener Büro Code Unique Architekten, das in seiner Heimatstadt viel im Bereich der Universität gebaut hat. Die Idee: Im Westen wird der bestehende Pavillon abgerissen, und die Westseite mit ihrer Klinkerfassade wird im Erdgeschoss ebenso verglast wie die circa fünf Meter tiefe, eingeschossige Erweiterung entlang der Südseite. Dort entstehen neue Standflächen, die sich zudem nach außen hin öffnen lassen, was im Zusammenspiel mit den Sitzgelegenheiten die Verweildauer bei gutem Wetter deutlich erhöhen sollte. Im Süden wird so der dort bislang herrschende zweifelhafte Hinterhof-Charme beseitigt. Und die Freiraumsituation wird dadurch gewinnen, dass sich die Stellplätze der Händler in die Tiefgarage verlagern.

Die Anmutung wird öffentlicher, der Hallengiebel optisch betont und der Zugang von Westen her prominenter mit der Innenstadt verzahnt. Da im Westen auch die Gastronomie angesiedelt ist, stärkt das die Attraktivität dieser Zugangsrichtung. Parallel dazu wird auch der eher schäbig anmutende Eingang Ost verbreitert und mit Glas aufgewertet. Die West-Ost-Orientierung der Eingangsachsen spiegelt sich schließlich durch die direkte Überleitung zum Mittelgang im Inneren der Halle.

Alles in allem geht der Entwurf jedoch sehr zurückhaltend mit dem Kulturdenkmal um. Alle Änderungen dienen dem Erhalt des sachlichen Charakters der 50er-Jahre-Architektur. Auch wenn andere Modelle exponierter daherkamen, gelingt es dem Siegerentwurf auf diese Weise doch glasklar, die sehr engen Vorgaben der auslobenden Stadt Frankfurt fast vollständig umzusetzen.