Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterung Gymnasium, Oberursel

Preisträger

1. Preis: Hertel Kilian Reichle Architekten, Köln

€ 68.000

Dr. Markus Kilian, Jan Hertel, Diana Reichle
Mitarbeit: Imelda Braun, Meik Denschlag, Petra Schreiner
Fachberater:
RMP Stephan Lenzen, Bonn (Landschaftsarchitektur)
KNP Bauphysik, Markus Knelles, Köln (Bauphysik + Energie)
Stracke Ingenieurgesellschaft, Dieter Stracke, Köln (Statik)
Kim Leiermann, Aachen (Brandschutz)

2. Preis: vögele architekten, Stuttgart

€ 45.300

Wolfgang Vögele
Mitarbeit: Jachin Frenzel, Yvonne Möbius,
Silvia Kunst-Peters
Fachberater:
faktorgrün Landschaftsarchitekten, Rottweil (Landschaftsarchitektur)
Salvatore Cali, Sindelfingen (Betriebsorganisation)

3. Preis: Broghammer.Jana.Wohlleber, Freie Architekten, Zimmern o.R.

€ 30.900

Dieter Broghammer, Hanns Jana, Werner Wohlleber
Mitarbeit: Daniel Goldner, Thorsten Sorg

4. Preis: KNOCHE ARCHITEKTEN, Leipzig

€ 20.600

Knoche + Kannegießer Freie Architekten GbR
Prof. Christian Knoche, Gaby Kannegießer
Mitarbeit: René Schrödl, Brit Gühne, Markus Neumann

Anerkennung: Lamott Architekten, Stuttgart

€ 13.667

Prof. Ansgar Lamott, Caterina Lamott
Mitarbeit: Marc Kager, Grete Lochmann
Fachberater:
Schreiber Ing., Stuttgart (HLS + Tragwerk)
Transsolar, Matthias Rudolph, Stuttgart (Energiekonzept)
Realgrün, München (Freianlagen)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 27.05.2008
Ort Oberursel
Auslober Kreisausschuss des Hochtaunuskreises
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Jens Backhaus, Prof. Jo Eisele, Brigitte Holz, Prof. Wolfgang Rang, Monika Weber-Pahl, Ulrich Krebs/Uwe Kraft, Peter Hartherz, Hellwig Herber, Hans-Georg Brum, Wolfgang Koehler

Musik drin
Das Gymnasium Oberursel wird erweitert

Ein musischer Schwerpunkt und ein bilingualer Zweig Englisch-Deutsch – das ist das Erfolgsrezept des Oberurseler Gymnasiums, das steigende Schülerzahlen auch aus der Frankfurter Umgebung garantiert.

Beim Realisierungswettbewerb für die Erweiterung der Schule hatte hingegen eine der zündenden Idee des Wettbewerbssiegers mit einem ganz anderen Fach zu tun, auch wenn in dieser (Körper)Sprache oft Musik drin ist: mit Sport.

Denn im erstplatzierten Entwurf des Kölner Büros Hertel Kilian Reichle Architekten verschwindet die neue Sporthalle unter der Erde: Das Dach ist Teil des Schulhofes, Oberlichter dienen als Sitzbänke. Damit wird gewonnen, was bei dem großen Bauvolumen (Klassen- und Fachräume, Mensa, Ganztageseinrichtungen, Tiefgarage sowie eben eine neue Dreifeldturnhalle) und der vergleichsweise geringen Grundstücksgröße kaum vorhanden ist: Platz. Denn nicht nur die sensible Integration der Neubauten der mitten in der Stadt gelegenen Schule in das heterogene Wohnumfeld war ein wichtiges Anliegen des auslobenden Kreisausschusses des Hochtaunuskreises. Sondern auch eine intelligente Freiflächenplanung, für die einige Gebäude, darunter die maroden auf dem benachbarten Grundstück der John-F.-Kennedy-Realschule, abgerissen werden.

Der zweite Preis ging unter den 28 teilnehmenden Büros an vögele architekten, Stuttgart. Sie schlagen zwei gleich große Quader, einmal 3- und einmal 4-geschossig, mit einem verbindenden Zwischenbau vor, die jeweils gut zu den angrenzenden Straßen (Berliner Straße/Zeppelinstraße) passen. Platz drei ging an Broghammer.Jana.Wohlleber, Freie Architekten, Zimmern o.R. Hier lobte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali vor allem die Anordnung der Baumassen in Form einer reduzierten Höhenentwicklung, die zu einem stimmigen Verhältnis von Alt- und Neubauten beiträgt.

Der einstimmig gekürte Siegerentwurf zeichnet sich des Weiteren dadurch aus, dass er die Neubauten gleichsam ringförmig um einen terrassierten Pausenhof als neue Mitte der Schule anlegt: Zum einen die dreigeschossigen „Klassenhäuser“ mit ihren grünen Innenhöfen. Sie fügen sich aufgelockert und harmonisch in die Zeppelinstraße ein. Und zum anderen Aula/Mensa und – dieser vorgelagert – ein ebenfalls dreigeschossiger Riegel, der den Schulhof zur Berliner Straße hin abschirmt. Die innere Struktur ist entsprechend klar: Vom Hof erreicht man alle Bereiche schnell und einfach, und alle Bereiche sind umgekehrt nach außen gut vernetzt. Vor allem die Aula hat hervorragende Bezüge zum Außenraum und kann so zum kulturellen Mittelpunkt der Schule werden – unter anderem mit den aufwendigen Musicals, die ein Markenzeichen des Gymnasiums sind.

Die Preisrichter waren bei dem wirtschaftlichen Entwurf insgesamt von der Umsetzung des Raumprogramms angetan, allein in der Abteilung Biologie gab es kritische Anmerkungen. Lob ernteten noch die zurückhaltende Fassadengestaltung mit Holz, Glas, Sichtbeton und Metallpanelen sowie der funktional und gestalterisch gelungene Zugang zur Sporthalle vor dem Verwaltungsgebäude mit einer Kletterwand als Signet.

2011 soll das fast 54 Millionen Euro teure Projekt fertig gestellt sein. Dann findet auch der Hessentag in Oberursel statt. Und die neue Schule wird neben vielen anderen Projekten dazu beitragen, dass dann auch hier Musik drin sein wird.