Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Ersatzneubau für die Comeniusschule in Wiesbaden

Preisträger

1. Preis HSP Hoppe Sommer Planungs GmbH, Stuttgart

€ 17.000

Gerhard Hoppe, Gerd Sommer

2. Preis architektei mey gmbh, Frankfurt/Main

€ 11.500

Bernd Mey
Mitarbeit: Peter Ritter, Annette Breuer, Tatjana Oebbeke
Modellbau: Anselm Baumann, Annette Breuer
Fachberater: heintze.landschaftdrei, Konstanz
Michael F. Heintze

3. Preis Architektengruppe Eckert Manthos Tagwerker, Stuttgart

€ 8.000

Tankred Eckert
Mitarbeit: Peter Bauhofer, Susanne Weber

4. Preis KLINKOTT Architekten, Karlsruhe

€ 5.000

Christoph Klinkott

Ankauf Susanne Kiegelmann, Recklinghausen

€ 3.500

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 16.04.2008
Ort Wiesbaden
Auslober Magistrat der Stadt Wiesbaden
Betreuung BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Carlo Weber (Vorsitz), Hans-Peter Gresser, Prof. Carola Wiese, Prof. Anett-Maud Joppien, Joachim Klie, Kai-Christofer Burghard / Hans-Henning Pohlenz, Manfred Ernst / Rose-Lore Scholz, Helmut Nehrbaß, Rita Thies

Eine neue Mitte finden
Die Wiesbadener Comeniusschule erhält den dringend nötigen Neubau

255 Schülerinnen und Schüler aus über 30 Nationen in 19 Klassen und 25 Lehrerinnen und Lehrer – das ist die Comeniusschule in Wiesbaden. Sie gehört zu den drei Förderschulen für Lernhilfe in Wiesbaden und wird in dem Moment benötigt, wenn Schüler an Regelschulen wie Grund- oder Hauptschule überhaupt nicht mehr klar kommen. Ziel ist es, den Schülern wieder Lust auf Schule, auf Lernen zu machen, Aggressionen zu zügeln und ihnen ein in der Regel abhanden gekommenes Selbstwertgefühl wiederzugeben.

Das ist eine pädagogische Herausforderung ersten Ranges – bei der Architektur eine wichtige unterstützende Funktion haben kann. Denn auf dem derzeit recht heterogen bebauten Gelände kann davon keine Rede sein. Sehr eng untergebracht sind die Schüler in einem zweigeschossigen Hauptgebäude, vier eingeschossigen Pavillons und einem zweigeschossigen Containerbau. Zusätzlich befinden sich auf dem etwas über 15.000 m2 großen Gelände noch eine Turnhalle und eine kleine Trafostation.

Die beiden letzteren Gebäude waren nicht Bestandteil des Wettbewerbs für einen Neubau der Schule, der bis 2010/11 bei Baukosten von rund fünf Millionen Euro realisiert werden soll, ebenso wie das Hauptgebäude, das erst Ende der 90er Jahre PCB-saniert wurde. Sonst aber stand alles zur Disposition. Auch Anbauen an das Hauptgebäude war möglich. Ziel des Wettbewerbs war es, die Schule mit Mensabetrieb neu zu ordnen: Das Grundstück sollte geteilt werden, da 4.000 m2 für Wohnbebauung vorgesehen ist.

25 Büros nahmen an dem Wettbewerb teil. Gewonnen hat ihn die HSP Hoppe Sommer Planungs GmbH aus Stuttgart. Der Entwurf setzt auf eine klare, vergleichsweise einfache Architektur, der die Struktur des Altbaus aufgreift, an sie anbaut und verbessert. Platz zwei ging an die Frankfurter architektei mey GmbH, die auf zwei klar strukturierte Kuben und eine gläserne Halle als Verknüpfung setzen, und Platz drei an die Architektengruppe Eckert Manthos Tagwerker, ebenfalls aus Stuttgart, für einen lang gezogenen, der Länge nach zweigeteilten Baukörper. Alle Platzvergaben fielen einstimmig.

Für das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Carlo Weber aus Stuttgart kristallisierte sich im Laufe der Beurteilung heraus, dass eine Differenzierung der Pausenfläche wichtig ist, dass Orientierung Vorrang hat sowie eine Mitte für die Schule, die ein „Sich zuhausefühlen“ ermöglicht. Und hier punktete der Siegerentwurf. Er setzt an den Bestand drei neue zweigeschossige Gebäude T-förmig an, wobei der Verbindungsbau (Skelettbau) Foyer, Freizeiteinrichtungen, Mensa und – zuschaltbar – die Aula beherbergt und zur einen Seite zum Pausenhof und zur anderen zur Schulweise führt. Die beiden neuen Gebäude mit den Klassenräumen schließen gegen die Wohnbebauung hin ab, sodass eine angenehme Patio-artige Situation entsteht und der Unterreicht ungestört vonstatten gehen kann. Das Zusammenspiel von Lärchen- bzw. Douglasien-Holz, hellem Beton und Glas wurde von den Preisrichtern gelobt.

Nachbesserungsbedarf sahen diese allerdings bei der Lage der Sozialarbeit, die vom Ober- ins Erdgeschoss wandern soll, bei der Fassadengestaltung, die mit dem Altbau abgestimmt werden sollte, und eine noch stärkere Optimierung der neuen Mitte: Hier hatte das Preisgericht den Eindruck, dass die Eingangshalle zu sehr als Verkehrsfläche fungiert und dass die Zuschaltbarkeit von Aula und Halle noch verbessert werden könnte.

Von diesen Punkten abgesehen, zielt der Entwurf auf eine Schule, die den Schülern eine Atmosphäre und Wertigkeit bietet, die sie in ihrer privaten Umgebung selten erfahren – und die so nicht nur Lern-, sondern auch Lebensraum ist.