Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bürgerhaus und Beauner Platz in Bensheim

Preisträger

1. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt am Main

€ 23.000

Mitarbeit: Karmen Pekcec, Lucie Stanclova
Fachberater: Hanke . Kappes + Kollegen GmbH, Landschaftsarchitekten, Johannes Cox, Sulzbach

2. Preis: Schaudt Architekten, Konstanz

€ 15.000

Helmut Hagmüller

Mitarbeit: Andrea Fuchs, Birgül Uygun

3. Preis: Menzel I Kossowski Architekten, Darmstadt

€ 10.000

Frank Menzel, Wojtek Kossowski

Mitarbeit: Tanja Akkermann, Natalie Hajduk

Fachberater: Adler + Olesch Landschaftsarchitekten, Mainz

Mitarbeit: Stefan Bitter, Jona Herttrich

Anerkennung: Ruf + Partner Architekten mit HL Heilbronner Lachkareff Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 5.000

Karsten Ruf, Anno Lingens, Florian Heilbronner, Nil Lachkareff

Mitarbeit: Daniel Steinberg, Jorinde Duthweiler

Anerkennung: Dierks Blume Nasedy Architekten GbR, Darmstadt

€ 5.000

Jörg Blume, Christian Nasedy

Mitarbeit: Tanja Häußer, Manfred Brandt, Xiaoying Hu, Sebastian Bohnekamp

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 05.02.2013
Ort Bensheim
Auslober MEGB Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim mbH, Bensheim
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Klaus Trojan (Vorsitz), Michael Schumacher, Angela Bezzenberger, Prof. Kerstin Schultz, Prof. Zvonko Turkali, Thorsten Herrmann, Helmut Sachwitz, Helmut Richter, Bernd Emig

Kultureller Marktplatz

Bürgerhaus und Beauner Platz in Bensheim – nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil

Die Stadt Bensheim liegt an der Bergstraße am östlichen Rande der Oberrheinebene. Das dort herrschende besonders milde und sonnige Klima hat der Gegend auch den Beinamen „Riviera Deutschlands“ beigebracht. Der weltberühmte Campo der italienischen Stadt Siena soll dann auch als Vorbild für die Umgestaltung des Beauner Platzes im Herzen der Stadt in den 1970er Jahren gedient haben. Der Platz bildet das westliche „Eingangstor“ zur Altstadt,
diente einst als Bleiche und war später zunächst zu einer großzügig angelegten Grünanlage umgestaltet worden. Heute prägt ihn jedoch eine überwiegend steinerne, rot gepflasterte Fläche mit sternförmig verlaufenden Linien, deren Aufenthaltsqualität nach heutigen Kriterien zu wünschen übrig lässt.

In einem nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil suchte die Stadt Bensheim nun nach Gestaltungsideen für den Platz. Zudem sollte für das 37 Jahre alte Bürgerhaus im Osten des Platzes eine Alternative an einem neuen Standort an der nördlichen Platzkante in direkter Nachbarschaft zum Parktheater gefunden werden. Ein gemeinsames Foyer für beide Kulturbauten soll zusammen mit den Vorbereichen der Gebäude einen „kulturellen Marktplatz“ bilden. Gefragt im Ideenteil waren Vorschläge für die Bebauung des Grundstücks des bisherigen Bürgerhauses sowie zur Reaktivierung des Neumarktcenters im Süden des Wettbewerbsgebietes.

Zur Vorbereitung des Verfahrens führte Gesine Ludwig von der AKH Gespräche mit dem ersten Stadtrat von Bensheim Helmut Sachwitz; die Wettbewerbsbetreuung lag in den Händen des Darmstädter Büros BÄUMLE Architekten I Stadtplaner. Das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. Klaus Trojan aus Darmstadt führte, vergab jeweils einstimmig einen ersten, zweiten und dritten Preis. Eine Anerkennung erhielten Ruf + Partner Architekten mit HL Heilbronner Lachkareff Landschaftsarchitekten, beide Berlin, sowie Dierks Blume Nasedy Architekten GbR, Darmstadt.

Der Siegerentwurf kommt vom Frankfurter Architekten Ferdinand Heide. Der Verfasser schlägt einen betonten Baukörper für den Bürgersaal vor, der das neue Bürgerhaus und das Parktheater nach Ansicht des Preisgerichts „ganz beiläufig“ zu einem zusammenhängenden Baukörper verwebe und „funktional sinnvolle Synergieeffekte“ erzeuge. Besondere Qualität attestierten die Preisrichter dem dreiseitig geöffneten Foyer, zudem gefielen ihnen die Übergänge zum Platz und die Einbeziehung des Straßenraums der westlich gelegenen Promenadenstraße. Weniger überzeugt zeigten sie sich von der Höhe des Neubaus sowie der vorgeschlagenen baulichen Ergänzung des Dahlberger Hofs. Bei der Platzgestaltung vermissten die Preisrichter Aussagen zur Oberflächengestaltung und zum Umgang mit der Begrünung, zudem hinterfragten sie die zahlreichen Treppenanlagen und Plateaus.

Der zweite Preis ging an Schaudt Architekten aus Konstanz. Diese präsentieren einen architektonischen Dreiklang: ein länglicher Baukörper mit Sheddach für das neue Bürgerhaus, ein an das Parktheater anschließender Gebäudeteil mit Flachdach sowie eine bauliche Ergänzung des Dahlberger Hofs. Das Zentrum bildet ein multifunktionaler, öffentlicher und gegenüber dem Beauner Platz erhöhter Kulturplatz, flankiert von einem halböffentlichen Raum am Dahlberger Hof und einer dem Bürgerhaus vorgelagerten Terrasse. Das Preisgericht bewertete die „differenzierte Platzfolge“ positiv. Das Gebäudeensemble nehme die umliegenden Gebäudehöhen auf und fördere die Raumbildung. Kritisch bewerteten die Preisrichter die vorgeschlagenen goldkupfernen Fassaden in den Obergeschossen des Bürgerhauses und die strengen Lochfassaden der Ergänzungsbauten am Dahlberger Hof; als zu schematisch befanden sie die Aussagen zur Gestaltung des Platzbereiches.

Menzel I Kossowski Architekten aus Darmstadt mit Adler + Olesch Landschaftsarchitekten aus Mainz landeten auf Platz drei. Das von ihnen entworfene abgestaffelte Bürgerhaus bilde ein „Gesicht zum Platz“ hin, so das Preisgericht. Eine vorgelagerte Terrasse gliedert den Platz in zwei Zonen, ein Vorplatz ist eindeutig dem Bürgerhaus zugeordnet. Die bauliche Ergänzung am Dahlberger Hof beurteilten die Preisrichter positiv. Die Fassadengestaltung des Bürgerhauses aus Ziegeln und Betonstützen werde ihrer Ansicht nach der Bedeutung und Nutzung jedoch nur bedingt gerecht. Sie werteten zudem die Treppenanlage zum Beauner Platz hin als überdimensioniert und die Platzgestaltung als undefiniert.

Anerkennungen vergaben die Preisrichter zudem an Ruf + Partner Architekten mit HL Heilbronner Lachkareff Landschaftsarchitekten aus Berlin und die Dierks Blume Nasedy Architekten GbR aus Darmstadt.

Das Preisgericht empfahl den erstplatzierten Entwurf zur Realisierung, für die Platzgestaltung regte es an, alle prämierten Arbeiten heranzuziehen.

Katja Klenz