Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Platz der Deutschen Einheit, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis GEORG SCHEEL WETZEL ARCHITEKTEN, Berlin

€ 48.600

Bettina Georg, Tobias Scheel, Simon Wetzel
mit Stadt Land Fluss – Büro für Städtebau und Stadtplanung, Berlin
James Miller Stevens, Christian Voigt
und Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin
Jürgen Weidinger

2. Preis Hinrichs Wilkening Architekten, Berlin

€ 33.400

Sven Hinrichs, Ralf Wilkening
mit Henning Roser, Berlin
und a24_landschaft, robel swillus und partner, landschaftsarchitekten, Berlin
Steffan Robel
Mitarbeit: Jan Grimmek, Maria Butscheike, Marion Porte, Nadja Soenario

3. Preis Dr. Marcello Chiaramonte, Hans Maul, Wiesbaden

€ 23.000

mit Prof. Dr. Friederich Bartfelder, Wiesbaden
und Petra Bittkau, Wiesbaden
Mitarbeit: Loreen Nink, Nadine Lilges, Michael Anstatt, Konrad Deines
Fachberater:
Scheithauer Haustechnik, Wiesbaden
Marcus Klawikowski
W. + J. Unverzagt GbR, Wiesbaden
Jürgen Unverzagt

4. Preis Christian Lichtenwagner, Willi Frötscher, Wien

€ 15.000

mit Stefan Tischer, Rom
Mitarbeit: Mona Nad, Rainer Stadlbauer
Fachberater:
Prof. Dr. Karlheinz Wagner, Wien (Statiker)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener, baulicher Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Ideenteil für angelagerte Nutzungen mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 19.06.2008
Ort Wiesbaden
Auslober SEG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH
Betreuung Planergruppe HTWW, Wiesbaden
Preisrichter Dr. Heidi Kief-Niederwöhrmeier (Vorsitz), Prof. Manfred Ortner, Prof. Dieter Müller, Prof. Emil Hädler, Prof. Burkhard Pahl, Thomas Metz, Prof. Wolfgang Böhm, Prof. Cornelia Müller, Angela Bezzenberger, Peter Formhals, Ferdinand Heide, Dr. Helmut Müller/Karsten Schütze, Prof. Dr.-Ing. Joachim Pös, Thomas Schwendler, Hans-Martin Kessler, Michael David, Claus-Peter Große, Michael Bischoff, Maria Seibert-Gölz, Sven Clasen, Andreas Guntrum

Platz-Probleme gelöst
In Wiesbaden bekommt der Platz der Deutschen Einheit ein neues Gesicht

Ein Architekt hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Seit 50 Jahren ein städtebauliches Fiasko“. Gemeint ist der Platz der Deutschen Einheit in Wiesbaden. Das geht jedoch nicht nur einem Architekten so. Auch das nicht geschulte Auge erkennt: Dieser Platz ist ein Un-Ort, an dem der Rustikalimbiss „Schleckermäulchen“ noch nicht einmal den ästhetischen Tiefpunkt darstellt. Ein tagsüber trister Knotenpunkt für den ÖPNV mit bis zu 120 Bussen Spitzenwert pro Stunde, in dessen Umgebung sich als einzige die vielen Obdachlosen und sozialen Dropouts länger aufhalten.

Dabei liegt der Platz überaus zentral. Er könnte eine wichtige Rolle spielen, um die Innenstadt besser mit dem immer schwieriger werdenden Westend – teils beste Wohnlage, aber sozialer Brennpunkt – zu verknüpfen. Das war auch die Aufgabe beim begrenzt offenen Realisierungswettbewerb für zwei neue Gebäude und die Platzgestaltung. Neu soll auf dem eigentlichen Platz eine Kombination aus Sporthalle und Geschäften sein. Ein weiterer Bau, ebenfalls mit Läden im Erdgeschoss, soll entlang der „Schwalbacher Straße“ als Ersatz für das ehemalige Arbeitsamt entstehen. Und zwei Plätze, einmal ein „Stadtplatz“ vor der Elly-Heuss-Schule und ein Quartiersplatz vor dem neuen Polizeirevier, galt es zu gestalten.

Die Rahmenbedingungen waren recht eng gesteckt. Denn zum einen mussten die 15 Wettbewerber Rücksicht nehmen auf architektonische Rahmenbedingungen wie gründerzeitliche und denkmalgeschützte Bauten. Zum anderen kommt es für Wiesbaden wieder einmal zu einer Nagelprobe, ob sich ein Projekt außerhalb der dominanten Fußgängerzone etablieren kann, was nur selten gelingt.

Die Chancen stehen nicht schlecht, denn der Siegerentwurf der Berliner Arbeitsgemeinschaft aus dem Architekturbüro Georg Scheel Wetzel, dem Planungsbüro Stadt Land Fluss und dem Landschaftsarchitektenbüro Weidinger zeigt Wege auf, den Durchgangsplatz in einen Verweilplatz zu verwandeln. Sie schlagen eine Teilung von Halle und Bürohaus bei einem gemeinsamen Sockelgeschoss mit Geschäften und Gastronomie vor, die vom Preisgericht einstimmig favorisiert wurde.

Der zweite Preis ging an die gleichfalls aus Berlin kommende Arbeitsgemeinschaft Hinrichs Wilkening Architekten mit Henning Roser und a24_landschaft für einen städtebaulich klassischen Entwurf mit drei Baukörpern. Platz drei ging an Maul-Chiaramonte Architekten und Die LandschaftsArchitekten Bittkau+Bartfelder, beide Wiesbaden, für zwei moderne Baukörper, zentral über eine Rampe erschlossen. Der vierte Preis schließlich wurde an das Wiener Büro Froetscher Lichtenwanger mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Tischer aus Rom vergeben.

Ein Merkmal des Siegerentwurfs ist die gute Gliederung des neuen Ensembles. So korrespondiert die Sporthalle mit der Elly-Heus-Schule, der sie zur Verfügung stehen soll, und der Büroteil entwickelt seinen Charakter zur Schwalbacher Straße hin. Zudem sorgt die Zäsur zwischen Sporthalle und Bürogebäude nicht nur für die Eigenständigkeit der beiden Baukörper auf dem gemeinsamen Sockel, sondern stellt auch eine Beziehung zwischen dem neuen Vorplatz bzw. Schulhof und dem bislang eher problematischen Faulbrunnplatz her.

Während eine gewisse Beliebigkeit der Fensterung des Büroteils von den Preisrichtern bemängelt wurde, erhielt die Sporthalle mit Loggia für die starke Transparenz großes Lob. Vor allem abends dürfte die erleuchtete Halle ein Blickfang werden, wenn bis zu 2100 Zuschauer die Erstliga-Volleyballerinnen des VC Wiesbaden – neben den Schülern die Hauptnutzer der Halle – anfeuern werden.

Da der neue Platz von Verkehr befreit und das überwiegend urbane Außenkonzept des Siegerentwurfs schlüssig ist, könnte dem Wiesbadener Westend tatsächlich eine Belebung bevorstehen – inklusive gewünschter Verknüpfung Richtung Innenstadt. Doch auch wenn das Platz-Problem nach 50 Jahren eine Lösung gefunden hat – die Crux wird sein, ob die „Schwalbacher Straße“ als Einkaufsstraße gestärkt werden kann. Denn derzeit ist die vierspurige Straße eher ein reißender Fluss, den man lediglich notgedrungen überquert, weil man nun einmal ans andere Ufer, sprich: in die Innenstadt muss. Doch jetzt gibt es ja immerhin einen Grund, auch einmal in die andere Richtung zu gehen.