Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wettbewerb Mainvorland / Kelsterbacher Terrasse

Preisträger

1. Preis: BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten, Mainz

€ 9.000

Klaus Bierbaum, Klaus-Dieter Aichele
Mitarbeit: Frank Finger, Leonard Saal, Rebecca Faller, Matthias Walter

2. Preis: Udo Bode, Berlin (Bode – Williams und Partner Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung)

€ 7.500

Mitarbeit: Benjamin Boye, Max Ihlow

3. Preis: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf

€ 3.500

Jörg Weisser
Mitarbeit: Sandra Klümer, Christian Horst
Fachberater: licht|raum|stadt dinnebier+knappschneider gmbh, Uwe Knappscheider, Wuppertal
Neubighubacher Architektur Städtebau Strukturentwicklung, Jörg Neubig, Köln

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren; nichtoffener Wettbewerb für bis zu 13 Teilnehmer. Teilnahmeberechtigt: Landschaftsarchitekten Kleine oder junge Büros: bis zu 3 Teilnehmer
Preisgerichtssitzung 05.05.2011
Ort Kelsterbach
Auslober Magistrat der Stadt Kelsterbach
Betreuung NH ProjektStadt
Preisrichter Prof. Dr. Grit Hottenträger, Prof. Dipl.-Ing. Wigbert Riehl, Prof. Dr.-Ing. Jörg Dettmar (Vorsitz), Michael Voll, Manfred Ockel / Michael Reuthal, Ralph Knöß, Jürgen Zeller / Dr. Rolf Schepp

Landschaftspark am Main
Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb „Mainvorland / Kelsterbacher Terrasse“

Für die Flughafenerweiterung hat die südhessische Stadt Kelsterbach, gelegen südwestlich von Frankfurt am Main, am Rand des Frankfurter Stadtwaldes und in unmittelbarer Nähe zum Flughafen, große Opfer gebracht: Sie verkaufte einen Großteil des gemeindeeigenen Waldes – Naherholungsgebiet für die Einwohner – an die Fraport AG. Nun soll im Gegenzug ein etwa fünf Hektar großes Gebiet, das Mainvorland und die Kelsterbacher Terrasse, entlang des Mainufers aufgewertet und zum Naherholungsgebiet umgestaltet werden. Das Wettbewerbsareal ist Teil des Regionalparks Rhein-Main – am Ufer führt der überregionale Radweg entlang – und liegt zwischen der Mündung der Kelster und dem Kelsterbacher Kerosinhafen.

Für den von der Stadt Kelsterbach ausgelobten freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb hatten zuvor Gespräche zwischen dem Amtsleiter Bauen, Planen, Umwelt der Stadt Kelsterbach sowie einem Vertreter der Nassauischen Heimstätte, die das Verfahren betreute und Gesine Ludwig, Referat Vergabe und Wettbewerbe sowie Martin Schaper vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss der AKH stattgefunden. Gefordert von den Wettbewerbsteilnehmern waren neue Konzepte für das Wegesystem und die Beleuchtung sowie Ideen für Sitzplatz- und generationsübergreifende Spielangebote. Zudem sollten die geologischen Besonderheiten der Kelsterbacher Terrasse hervorgehoben und die Blickbeziehungen von der Stadt in die Talaue und zum Main verbessert werden. Das Verfahren betreute die NH ProjektStadt aus Frankfurt am Main.

Die Preisrichter bewerteten elf eingereichte Wettbewerbsbeiträge und vergaben jeweils einen ersten, zweiten und dritten Preis. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Jörg Dettmar beschied der Arbeit von Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten aus Mainz die größten Qualitäten im Umgang mit den Besonderheiten des Mainvorlandes. Die Verfasser reflektierten diese „sehr sensibel in Hinblick auf Geschichte und Topografie“, so die Preisrichter. Zudem führten schlichte Elemente wie schwebende Stege und Stufenanlagen, behutsam gesetzte Beleuchtungselemente und gezielte Eingriffe in die Vegetation zu einer „besonderen Inszenierung des Raumes“. Ein Aussichtsturm stelle ein „weithin sichtbares Identitätsmerkmal“ dar und bilde ein „beleuchtungstechnischen Höhepunkt“. Vielfältige Nutzungsangebote hätten eine hohe Aufenthaltsqualität zur Folge. Die Mainwiese bilde als „kleiner Landschaftspark“ den zentralen Aufenthalts- und Aktivitätsbereich.

Den zweiten Preis erhielten Bode – Williams und Partner aus Berlin für ihre Leitidee eines generationsübergreifenden, extensiven Parks und den behutsamen Umgang mit der heimischen Flora und Fauna. Die Planer schlagen eine weitgehend naturnahe Gestaltung des Mainufers unter Berücksichtigung topografischer Besonderheiten vor. Die Wegeführung soll neu gefasst und Rad- und Fußwege teilweise getrennt werden. Angeboten werden zudem eine Promenade und ein separater Uferweg. Abgestufte Ufermauern, eine Plattform und ein Platz nahe der in den Main mündenden Kelster ermöglichen den Zugang zum Ufer. Die Entwurfsverfasser planen zudem eine in den Hang gelassene Rampe sowie eine Treppe am so genannten „Wiesentheater“. Aufenthalts- und Spielangebote werteten die Preisrichter als gut platziert.

Die Qualität der mit dem dritten Preis gewürdigten Arbeit der Düsseldorfer FSWLA Landschaftsarchitekten sahen die Preisrichter in der „Konzentration auf bewusst gesetzte, mit einer klaren Formensprache ausgestalteten Schwerpunktbereiche“; einheitliche Gestaltungselemente schüfen eine Identität im Plangebiet. Die Planung lebe vom Wechselspiel zwischen gestalteten und den landschaftlich geprägten Bereichen. Die Preisrichter hinterfragten jedoch kritisch das vorgeschlagene Material Cortenstahl hinsichtlich der Akzeptanz und Nutzung und erachteten die barrierefreien Abgänge als nicht ausreichend.

Für die Stadt und ihre Einwohner ist die Neugestaltung des „Mainvorlandes / Kelsterbacher Terrasse“ zum Naherholungsgebiet ein wichtiges Anliegen. Eine Million Euro stehen dafür aus dem Städtebauförderprogramm Stadtumbau Hessen zur Verfügung. Für die Realisierung dieses Wunsches empfahlen die Preisrichter einstimmig, den 1. Preis zu Grunde zu legen. Den Verfassern gaben sie dabei mit auf den Weg, den geplanten Aussichtsturm gestalterisch aufzuwerten, die Rampenanlage besser einzubinden, die Stufenanlage zu reduzieren – und vor allem: Kosten einzusparen.