Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau eines interkommunalen Dienstleistungszentrums in Melsungen

Preisträger

1. Rang: Arge Architekturbüro Rüttger, Melsungen und pool2 Architekten, Kassel

€ 10.000

Wilmar Rüttger, Tore Pape
Mitarbeit: Jerzy Pikula

Anerkennung: Reichel Architekten, Kassel

€ 4.000

Alexander Reichel, Johanna Reichel-Vossen
Mitarbeit: Robert Burski, Carolin Päckert, Gerald Schnell, Linda Wydra
Fachberater:
Klute und Klute, Kassel (Tragwerksplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 21.10.2008
Ort Melsungen
Auslober Magistrat der Stadt Melsungen
Betreuung Arbeitsgemeinschaft UmbauStadt, Berlin
Preisrichter Prof. Alexander Eichenlaub (Vorsitz) Prof. Wolfgang Schulze, Albert Hess, Christa Thein, Dr. Kurt Rauschnabel, Dieter Runzheimer, Martin Dohmann, Eduard Janßen, Volker Wagner

Erste Orientierung
Neues Info-Ensemble für die Melsunger Altstadt

„Interkommunales Dienstleistungszentrum“: Wenn ein Neubau so aussehen würde, wie das Wort klingt, müsste man Schlimmstes befürchten. Doch im nordhessischen Melsungen hat der Begriff tatsächlich seinen Sinn, will man hier doch die kommunale Verwaltung zum bürgernahen Service umbauen und zugleich auf kommunaler Ebene verschiedene Bereiche wie Gewerbe und Tourismus in Dialog miteinander bringen. Zum anderen hegt und pflegt das Städtchen mit seinen knapp 14.000 Einwohnern seine historische Altstadt rund um das einzigartige Fachwerkrathaus. Wenn hier etwas auf einem Areal direkt an der Stadtmauer hin zur Fulda entsteht, dann muss es schon Alt- und Neubauten geschickt zu verknüpfen wissen.

Das gelang beim Realisierungswettbewerb – vom Melsunger Magistrat ausgeschrieben und von der Berliner Arbeitsgemeinschaft UmbauStadt betreut – dem Planungsbüro Rüttger aus Melsungen in Zusammenarbeit mit pool2 Architekten aus Kassel. Letztere bauen gern mal etwas futuristischer. Doch unter den angetretenen Büros schaffte der Siegerentwurf die wichtige Balance von Kreation und Integration am besten. So zitiert etwa der Neubau das benachbarte alte Forsthaus: Das zweigeschossige Gebäude auf einem (Hochwasser)Sockel mit ausgebautem Satteldach von eher bodenständiger Schönheit bekommt ein Pendant, dass dessen konventionelle Form mit Glasfassade, Fachwerkstrukturzitat und klarer Form stimmig in die Moderne übersetzt. Selbst der Sockel wird adäquat aufgegriffen. Wichtig war zudem, dass die Baumassen bei diesem Entwurf gut verteilt sind, dass die Wege vom Fuldaufer in die Altstadt attraktiv ausfallen und auch dann noch funktionieren, wenn die vielen dort untergebrachten Büros geschlossen sind.

Genau das war aber das Manko der meisten ausgeschiedenen Entwürfe: der Schwerpunkt lag zu sehr Richtung Fulda, die freien Flächen wurden zugestellt, die Anbindungen Richtung Altstadt überzeugten wenig. Als Ankauf wurde deshalb auch der Entwurf des Kasseler Büros Reichel gewürdigt: Hier werden die Neubauten mit viel Fingerspitzengefühl platziert, verbunden durch einen einladenden Weg entlang einer transparenten Fassade.

Für die Preisrichter unter ihrem Vorsitzenden Alexander Eichenlaub aus Kassel zählte beim Siegerentwurf auch die Platzsituation zu den Pluspunkten, die nach einem durchdachten Durchgang durch die Torscheune zur Mühlenstraße hin entsteht. Dort wird man sich nicht nur gut aufhalten können, sondern es auch mit Nutzen tun: Denn in einem Verbindungsbau zwischen Torscheune und dem ehemaligen Tischlereigebäude, das heute das Ausbildungswerk „Starthilfe“ beherbergt, soll die Touristeninformation unterkommen, und da lädt der Vorplatz zur ersten Orientierung ein. Und: Der verglaste Flachbau gibt darüber hinaus noch den Blick auf Reste der Stadtmauer frei, innen ist sie ins Gebäude integriert.

Insgesamt eine schöne Inszenierung, ganz nach dem Bestreben der Stadt, die historische Baumasse aufzuwerten. Und die dem Ansatz Rechnung trägt, das locker bebaute Vorfeld der kompakten Altstadt zwischen Stadtmauer und Fulda als grünen Raum ins Bewusstsein zu rufen. Dann darf das Ganze auch gern „Interkommunales Dienstleistungszentrum“ heißen.