Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Gestaltung der Rheinuferpromenade in Mainz-Kastel

Preisträger

1. Preis: BIERBAUM.AICHELE landschaftsarchitekten, Mainz

€ 6.000

Klaus Bierbaum
Mitarbeit: Frank Finger, Burkhard Elfers

3. Preis: ernst + partner LA, Trier

€ 2.000

Helmut Ernst, Stefan Jacobs
Mitarbeit: Andreas Jessen

3. Preis: Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 2.000

Ralf Habermann
Mitarbeit: Jochen Silbermann, Florian Giuffrida, Sabine Leitz

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil als beschränkt kooperatives Verfahren
Preisgerichtssitzung 27.03.2008
Ort Mainz-Kastel
Auslober Magistrat der Stadt Wiesbaden
Betreuung scheuvens + wachten, Dortmund
Preisrichter Prof. Gerd Aufmkolk (Vorsitz), Prof. Ulrike Beuter, Thomas Metz, Joachim Mengden, Prof. Dr. Joachim Pös, Margot Schäfer, Karl-Heinz Kues

Auf zu neuen Ufern
Die Rheinuferpromenade zwischen Kastel und Kostheim nimmt Gestalt an

Mainz hat gegenüber Wiesbaden einen großen Vorteil: Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt verfügt heute über eine durchgehende, vor allem aber ausgebaute und gestaltete Uferpromenade – und zwar unmittelbar an die Altstadt anschließend. Damit kann Wiesbaden schon allein durch seine Lage nicht aufwarten. Doch lange Zeit hat man auf der hessischen Seite, sieht man einmal von Stadtteilen wie Biebrich oder Schierstein ab, einen attraktiven Ausbau des Uferbereichs auch dort versäumt, wo die Vororte an den Rhein heranreichen.

Das hat sich inzwischen geändert – und eine durchgehende Rheinuferpromenade ist in Sicht. Für viele Problemstellen wie alte Industrieanlagen, die bislang einem solchen Projekt im Wege standen, zeichnen sich jetzt Lösungen ab. Etwa in Kostheim mit dem neuen LindeQuartier und der Entwicklung des angrenzenden Schollmayer-Geländes. Da zudem auch das Umfeld der Kasteler Reduit – ehemaliger Teil der Festung Mainz, von 1830 bis 1834 als rechtsrheinischer Brückenkopf erbaut – neu angelegt wird, gibt es jetzt erstmals die Chance, den Bereich zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Gustavsburger Brücke als Einheit zu gestalten.

Beim dazu ausgeschriebenen landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb mit fünf eingeladenen Büros war das Ziel deshalb auch eine historisch angemessene Inszenierung der Reduit inklusiver multifunktionaler Flächen. Und natürlich eine großzügige öffentliche Promenade.

Beides war das große Plus der Wettbewerbsgewinner Bierbaum.Aichele. Das Mainzer Büro, das bereits für die Umgestaltung des Heidesheimer Rheinufers verantwortlich zeichnete, sieht bei seinem erstplatzierten Entwurf vor, den vor der Reduit angelegten und im Sommer bestens besuchten Strand zu vergrößern und an der Nordseite der Reduit einen großzügigen Platz anzulegen. Ihm gelingt es, die bislang eher lieblose Festwiese aufzuwerten und mit klaren, ganz klassischen Mitteln der Landschaftsarchitektur eine herausragende Promenade zu schaffen.

Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben. Auf den dritten Platz kamen ernst + partner aus Trier. Deren Entwurf räumt das Umfeld der Reduit konsequent auf – befreiend, wie das Preisgericht lobte, aber in der Folge auch schwankend zwischen Prägnanz und zu wenig Struktur. Ein weiterer dritter Platz ging an Götte Landschaftsarchitekten. Die Frankfurter setzen auf kontrastreiche Freiräume, wobei die Preisrichter das Zusammenspiel mit dem historischen Bestand monierten.

Das Gegenteil ist beim Wettbewerbssieger der Fall, Denkmalschutz und neue Gestaltung harmonieren. Zustimmung fand beim Preisgericht auch die Idee, das Rheinufer autofrei zu machen und die Parkplätze stadteinwärts zu verlagern – wenngleich dieser Vorschlag auf städtischer Ebene bereits für Diskussionen sorgte, ebenso wie die Überlegung, auf die Rampe zum Kasteler Kreisel zu verzichten. Unstrittig dürften hingegen die Sitzstufen sein, die in Zukunft von der Bastion Schönborn aus zum Rhein hin führen sollen – eine sinnvolle Fortführung der Strandzone. Und der Landschaftspark, der sich bis nach Kostheim erstreckt, zeichnet sich durch gute Sichtbeziehungen und vielseitig nutzbare Räume aus. Insgesamt ein variantenreiches Konzept, das für den Brückenschlag auf die Maaraue sogar gleich drei Lösungsvorschläge anbietet.

Ob nun autofrei oder nicht, der Bereich um die Reduit, direkt gegenüber von Mainz, wird durch die Umgestaltung weiter an Beliebtheit gewinnen. Und mit diesen beiden Ufern, da weiß man dann auch in Wiesbaden und Mainz, warum es am Rhein so schön ist.