Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums, Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: töpfer.bertuleit.architekten GbR, Berlin

€ 25.000

Sandra Töpfer

Mitarbeit: Katrin Wünsche

Fachberater: HL – Hellbronner Lachkareff Landschaftsarchitekten, Florian Heilbronner, Nil Lachkareff, Berlin

2. Preis: Staab Architekten GmbH, Berlin

€ 25.000

Volker Staab

Mitarbeit: Petra Wäldle, Fabian Reinsch, Dovile Kriksciunaite, Veit Eckelt

Fachberater: Winkels Behrens Pospich Ingenieure für Haustechnik GmbH, Andreas Winkels, Münster

3. Preis: gmp Generalplanungsgesellschaft mbH, Berlin

€ 20.000

Hubert Nienhoff

Mitarbeit: Silvia Schneider, Katja Godejohann, Christiane Wermers, Elisa Rodriguez Contreras, Philipp Weber, Florian Illenberger, Kristian Spencker

Fachberater: Capatti Staubach, Berlin (Landschaftsarchitekten)

HMI, Berlin (Tragwerksplanung)

Big, Hanau (Gebäudetechnik), David Abbonacci (Visualisierung)

Anerkennung: Diener & Diener Architekten AG, Basel

€ 10.000

Roger Diener

Mitarbeit: Dieter Righetti, Marnie Amato, Liqun He, Corina Gisin, Harun Rashid

Fachberater: Vogt Landschaftsarchitekten, Berlin,

Weischede, Herrmann und Partner GmbH, Stuttgart, Transsolar Energietechnkik GmbH, Stuttgart,

Anerkennung: AFF architekten – Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 10.000

Sven Fröhlich

Mitarbeit: Martin Fröhlich, Sascha Schultz, Robert Zeimer, Bastian Ehrier

Mitarbeit: BBS Ingenieurbüro Gronau + Partner, Weimar,

Erfurth + Mathes Beratende Ingenieure GmbH, Leipzig (Statik)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 04.12.2012
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt am Main
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Max Dudler (Vorsitz), Prof. Dr. Salomon Korn, Dieter von Lüpke, Andreas Schröder, Gerhard Altmeyer, Olaf Cunitz, Prof. Dr. Raphael Gross, Andreas von Schoeler, Prof. Dr. Felix Semmelroth

Respekt und Zurückhaltung

Nichtoffener Wettbewerb Sanierung und Erweiterung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main
Zwei miteinander verbundene klassizistische Bürgervillen am Ufer des Mains bieten dem Jüdischen Museum in Frankfurt einen äußerst repräsentativen Sitz. Doch das mehr als 190 Jahre alte Gebäudeensemble platzt nicht nur aus allen Nähten – in den rund 25 Jahren seit Eröffnung des Museums sind die Bestände durch Nachlässe und Schenkungen ständig gewachsen –, sondern weist auch Mängel beim Brandschutz auf. Um die Mängel zu beseitigen und Raum für neue Ausstellungs- und Archivräume zu schaffen, fand nun ein nichtoffener Wettbewerb für die Sanierung der Villen sowie einen Erweiterungsbau statt, den die Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt begleitete.
Der geplante Erweiterungsbau soll auf einer kleinen Fläche an der Wallanlage zwischen Hofstraße und Untermainkai entstehen. Südlich des als Wiese und Parkplatz genutzten Areals befindet sich das Rothschild-Palais, eine der beiden Villen, nördlich des Geländes liegen die Städtischen Bühnen. Die Ausloberin des Verfahrens, die Stadt Frankfurt am Main, erwartete im Ergebnis eine Neuorientierung der Schau- und Zugangsseite des Museums – weg vom Fluss und hin zu den Wallanlagen und damit zur Innenstadt. Besonderen Wert legte sie zudem auf eine sensible Verknüpfung des Neubaus mit dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble.
Das neue Gebäude soll zukünftig den neuen Eingang mit Museumsshop und Café beherbergen, Räume für Wechselausstellungen, Depoträume, die pädagogischen Abteilung und Bibliothek des Fritz-Bauer-Instituts sowie Werkstätten. Der sanierte Altbau, für den nur minimale Eingriffe vorgesehen sind, bleibt der dann neu eingerichteten Dauerausstellung vorbehalten. Das Preisgericht, dem Prof. Max Dudler vorsaß, fand unter den 19 eingereichten Entwürfen jedoch keinen eindeutigen Sieger. Jeweils einen zweiten Preis vergaben die Preisrichter an Staab Architekten und an töpfer.bertuleit.architekten, Rang drei ging an Gerkan, Marg und Partner. Alle drei Preisträger stammen aus Berlin.
Die drei prämierten Arbeiten setzen auf eine ruhige, zurückhaltende Formensprache. Staab Architekten lassen als einzige der Teilnehmer den Altbau, bis auf einen Verbindung im Untergeschoss völlig unberührt. Sie schlagen einen dreigeschossigen polygonalen Anbau vor, mit einer – in Anlehnung an die bestehenden Altbauten – Fassade aus geschliffenem, hellen Sichtbeton. Wenige, große Fenster seien so gezielt positioniert, dass Ein- und Ausblicke wie „Gemälde an der Wand gerahmt“ erscheinen. Der Neubau kommuniziert nach Ansicht der Preisrichter gestalterisch mit den Altbauten. Den Empfang ordnen die Architekten im Erdgeschoss an. Zwei Tiefhöfe bringen Licht ins Besucherfoyer und bieten einen geschützten Hof für die Mitarbeiter der Werkstätten. Die Preisrichter schätzten die Arbeit als „gelungenen Entwurf, der die denkmalgeschützten Altbauten respektiert und herausstellt“. Der Neubau sei „eigenständig, zeitgenössisch, wohl proportioniert“ und „wohltuend zurückhaltend“.
„Schlichte Eleganz“ attestierten die Preisrichter auch der Arbeit von töpfer.bertuleit.architekten. Diese gingen ihrer Ansicht nach ebenfalls sehr respektvoll mit dem Bestand um. Über einem weitgehend gläsernen Erdgeschoss mit Empfangs- und Servicebereich liegt der schlichte, weitgehend geschlossene Museumsanbau. Dieser erfülle die „architektonische und funktionale Aufgabenstellung in einem sehr hohen Maße“. Die Entwurfsverfasser verbinden den Neubau über einen eingeschossigen Anbau mit dem Rothschild-Palais. Nach Ansicht der Preisrichter lösten die Architekten den gewünschten Bezug zur Wallanlage „über ein aufsteigendes Plateau zwischen Neubau und Palais hervorragend“. Die Eingangssituation werteten sie als „einladend und eindeutig ablesbar“.
Gerkan Marg und Partner erhielten für ihren L-förmigen Baukörper, der einen Eingangshof bildet, den dritten Preis. Der Neubau soll ein Geschoss über die Bestandbauten herausragen und in voller Höhe an den Bestand angeschlossen werden. Der neue Eingang ist im Verbindungsbau zwischen Alt und Neu angeordnet. Den Eingangshof werteten die Preisrichter als „wohlproportioniert“, er schließe sich jedoch „bastionsartig“ zur Wallanlage ab. Die Verfasser schlagen eine als Freigeschoss ausgebildete Dachterrasse vor, die nach Ansicht des Preisgerichts Möglichkeiten zur Sondernutzung oder auch Erweiterungsoptionen biete.
Für alle prämierten Arbeiten regten die Preisrichter eine Überarbeitung hinsichtlich der Funktionalität an. Beim drittplatzierten Entwurf forderten sie zudem eine Detaillierung der Fassaden. Die endgültige Entscheidung, wie das Jüdische Museum zukünftig aussehen wird, fällt der Magistrat Frankfurts nach dem anschließenden Vergabeverfahren.
Katja Klenz