Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau des Fachbereichs Chemie der Universität Marburg

Preisträger

1. Preis: Schuster Pechtold Schmidt Architekten GmbH, München

€ 54.000

Roland Schmidt
Mitarbeit: Jürgen Appel, Lucile Chabanne, Christian Volles
Sonderfachleute:
G- und T. Hansjakob, München (Außenanlagen)
Wolfgang Sorge Ingenieurbüro für Bauphysik, Nürnberg (Bauphysik)
mit Jaeger, Mornhinweg + Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Stuttgart
Ernst Göppel
Dr. Heinekamp Labor- und Institutsplanung, Karlsfeld (Laborplanung)

2. Preis: doranth post architekten, München

€ 40.500

Peter Doranth, Rainer Post
Mitarbeit: Susanne Löblein, Jannine Hüsing, Susanne Schanko
Sonderfachleute:
Zilch + Müller Ingenieure GmbH, München (Tragwerksplanung)
tfi-Ingenieure, Mannheim (Elektrotechnik)
mit H+S ingenieure GmbH, Nürnberg
Franz Sedlmayr, Klaus Schmidt
Mitarbeit: Daniela Senften, Axel Stössel

3. Preis: Architekten Gaiser + Partner, Karlsruhe

€ 27.000

Jochen Delgmann, Heinz Gaiser
Mitarbeit: Olivia Gaiser-Delgmann, Ralf Schönberger, Rebecca Karcher, Angela Franzen
mit Ingenieurbüro für Versorgungstechnik Mosberger-Defiebre, Heidelberg
Ingenieurbüro für Elektrotechnik, Stuttgart
Philipp Oehlmann-Timmel

4. Preis: kister scheithauer gross architekten und stadtplaner, Köln

€ 13.500

Prof. Susanne Gross
Mitarbeit: Eric Mertens, Tabea Müller-Wüsten, Katrin Herz, Thomas Ave
mit Heinze-Stockfisch-Grabis + Partner GmbH, Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik, Hamburg
Sonderfachleute:
Ingenieurbüro Krone + Möller, Ralf Glaser, Hannover (Laborplanung)
Latz + Partner, Prof. Latz, Kranzberg (Landschaftsplaner)
Dr. Naumann+Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Köln (Statik)
BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung, Axel C. Springsfeld, Aachen
Ing.-Büro für Bauphysik Heinrichs, K.J. Heinrichs, Kerpen-Horrem

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb als interdisziplinärer Einladungswettbewerb für Architekten und Ingenieure (Technische Gebäudeausrüstung)
Preisgerichtssitzung 12.03.2008
Ort Marburg
Auslober Land Hessen
Betreuung FSW Düsseldorf GmbH, Faltin + Sattler, Düsseldorf
Preisrichter Prof. Carl Fingerhuth (Vorsitz), Prof. Helmut Bott, Prof. Christl Drey, Prof. Eckhard Gerber, Prof. Wolfgang Döring, Bernhard Mayer, Irene Bauerfeind-Roßmann, Thomas Platte, Prof. Dr. Gernot Frenking/Prof. Dr. Karl-Michael Weitzel, Prof. Dr. Volker Nienhaus, Dr. Franz Kahle

Harmonische Zweiteilung
Ein Neubau für die Fachbereich Chemie der Universität Marburg

Wie viele andere hessische Universitäten nutzt Marburg das Hochschulbauprogramm „HEUREKA“, um grundsätzliche infrastrukturelle Weichen zu stellen. Dazu gehört der Aus- bzw. Umbau des Campus auf den Lahnbergen. Hier werden die Geisteswissenschaften gebündelt, die Naturwissenschaften gestärkt. In den sechziger Jahren entstanden und in den achtziger Jahren erweitert, gilt es nun, den Campus zu optimieren: von fehl geplanten Wegebeziehungen über mangelhafte Ausstattung von Gebäuden bis hin zur Sanierung maroder Gebäude.

Und zu Neubauten: Ein wesentliches Element ist hier ein Zentralbau für den Fachbereich Chemie. Das Projekt beläuft sich auch rund 110 Millionen Euro, 2009 soll es schon losgehen. Was machbar ist, denn der interdisziplinäre Realisierungswettbewerb hat einen Sieger gefunden, der die Anforderungen an moderne Lehr- und Forschungsarbeit wie gewünscht umsetzt.

Einstimmig entschied sich das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Carl Fingerhuth aus den neun eingereichten Wettbewerbsarbeiten für den Entwurf des Münchner Büros Schuster Pechtold Schmidt Architekten in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Ingenieurgesellschaft Jaeger, Mornhinweg + Partner. Der dreigeschossige Neubau punktete mit klaren Raumkanten gegenüber dem Umfeld der Marburger Systembauten, wobei die vorgeschlagene Fassade durchaus Rücksicht auf deren Kleinteiligkeit nimmt. Und durch eine zentrale Halle mit differenziertem Raumangebot und klarer Erschließung.

Der zweiten Preis ging an doranth post Architekten aus München gemeinsam mit H + S Ingenieure, Nürnberg, für einen kompakten Baukörper mit einer sehr eigenwilligen, horizontal orientierten Fassade. Mit dem dritten Preis wurden die Karlsruher Architekten Gaiser + Partner mit dem Heidelberger Ingenieurbüro für Versorgungstechnik Mosberger Defiebre ausgezeichnet für ein Gebäude, das aus unterschiedlichen Typologien besteht und sich am benachbarten Biomedizinischen Forschungszentrum orientiert.

Beim erstplatzierten Modell ist die räumliche Zweiteilung von Forschung und Lehre markant: Im Längsbaukörper sind die Praktikumsräume untergebracht. Dort docken zwei U-förmige Baukörper an, die dem Forschungsbereich vorbehalten sind. Harmonisch verbunden werden sie durch die bereits erwähnte Halle mit hoher Aufenthaltsqualität.

Weniger anfreunden konnten sich die Preisrichter mit der ausschließlichen Unterbringung der Technik im Untergeschoss; sie plädierten für eine Prüfung, ob nicht Teile der Haustechnik auf dem Dach realisiert werden könnten. Zur besseren Anbindung an das Hörsaalgebäude empfahlen sie zudem einen Zugang im Süden des Neubaus sowie eine Anpassung des hohen Verkehrsflachenanteils. Lob aber erhielt der Entwurf, wann immer es um Bezüge ging, seien sie räumlicher oder sozialer Art: etwa die sehr guten internen wie externen Kommunikationsmöglichkeiten, die Aufenthaltsqualitäten oder die architektonisch hochwertigen, eingestellten ovalen Seminarhäuser, die fast überall von der Halle aus sichtbar sind.

Damit spiegelt das Gebäude im Inneren, was die Universität nach außen hin erreichen möchte: klare Strukturen, aber mit Wechselbeziehungen. Fachliche Spezialisierung, aber immer mit Blick auf interdisziplinäres Potenzial. Und zu guter Letzt: Die Verbindung von Funktionalität und Raumqualität.