Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Energetische Sanierung des Bischöflichen Generalvikariats Fulda

Preisträger

2. Preis: Atelier 30 Architekten GmbH, Kassel

€ 3.000

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Marco Schüler, Maria Jakobshagen, Christian Stürmer
Fachberater: ZWP-Ingenieur AG, Mann Landschaftsarchitekten

2. Preis: Prof. Berthold Heinrich Penkhues, Kassel

€ 3.000

Mitarbeit: Siegfried Schenkel, Alessa Brill
Fachberater:
Institut für Gebäude- und Solartechnik TU-Braunschweig, Tanja Beier, Thomas Wilken, Braunschweig

2. Preis: Schönherr + Juli Architekten, Fulda

€ 3.000

Gabriele Schönherr-Juli, Jürgen Juli
Mitarbeit: Kerstin Heim
Fachberater: bsb, Büro für Statik und Bauwesen (Energieberatung)

3. Preis: Pfeifer Kuhn Architekten, Freiburg

€ 1.000

Prof. Günter Pfeifer, Prof. Christoph Kuhn
Mitarbeit: Klaus Dörner
Fachberater:
Balck + Partner, Heidelberg (Energiekonzept)
Planungsgemeinschaft DUO, Wiesbaden (technische Gebäudeausrüstung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 04.04.2011
Ort Fulda
Auslober Bistum Fulda, Bischöfliches Generalvikariat
Betreuung Bistum Fulda, Bischöfliches Generalvikariat
Preisrichter Dr. Burghard Preusler, Prof. Rainer Hascher (Vorsitz), Prof. Thomas Bieling, Prof. Dr. Gerhard Stanke, Franz Reuting

Bischöfliches Generalvikariat Fulda
Energetische Sanierung und barrierefreie Erschließung des Verwaltungsgebäudes Paulustor 5

Die Probstei Michaelsberg, nördlich des ehemaligen Klosters und heutigen Doms in Fulda gelegen, dient als Bischöfliches Palais und somit als Amtssitz des Bischofs von Fulda. Das Verwaltungsgebäude Paulustor 5, errichtet zwischen 1964 und 1965 nach den Plänen des Diözesanbaumeisters Rudolf Schick, war Inhalt eines nichtoffenen Wettbewerbes. Das nahezu quadratische, mit einem Innenhof versehene, zweigeschossige Gebäude steht in den von Natursteinmauern umgebenen Gartenflächen, in unmittelbarer Nähe zum historischen Kern des Hochstifts Fulda. Betonskelettrahmen und Muschelkalk-Verkleidungen prägen den denkmalgeschützten Bau, der – bauzeitlich bedingt – eine mangelnde Energiebilanz aufgrund zahlreicher Wärmebrücken, einer geringen Wärmedämmung und veralteter Gebäudetechnik aufweist.

Das Generalvikariat führte – beraten durch das Referat Vergabe und Architektenwettbewerbe – einen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren durch, der von der Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariats betreut wurde. Ziel war es, unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Aspekte die Energiebilanz zu verbessern und das Gebäude behindertengerecht zu erschließen. Dieser Aufgabe nahmen sich vier gesetzte sowie acht per Auswahlverfahren bestimmte Architekturbüros an. Der Zulassungsbereich beschränkte sich dabei auf die in Hessen liegenden Landkreise Main-Kinzig und Marburg-Biedenkopf und den Regierungsbezirk Kassel, auf den Wartburgkreis und die Stadt Eisenach in Thüringen sowie die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen in Bayern.

Das Preisgericht, dem Prof. Rainer Hascher aus Berlin vorsaß, vergab an die eingereichten Arbeiten drei zweite und einem dritten Preis. Ein zweiter Preis ging an das in Fulda ansässige Büro Schönherr + Juli Architekten. Die Preisrichter lobten die Beibehaltung der Fassadengestaltung – ermöglicht durch eine Innendämmung – und die von den Architekten vorgeschlagenen Strukturverbesserungen im Grundriss wie beispielsweise die Anordnung der Sitzungsräume und die Verlagerung der Kantine. Sie kritisierten jedoch den barrierefreien Zugang in gestalterischer und funktionaler Hinsicht und verlangten, das energetische und haustechnische Konzept weiter auszuarbeiten und zu spezifizieren.

Den ebenfalls zweitplatzierten Atelier 30 Architekten aus Kassel bescheinigten die Preisrichter ein „solides Gesamtkonzept“ und würdigten die Arbeit aus denkmalpflegerischer Sicht. Positiv bewerteten die Preisrichter die Lichtführung und den Gestaltungsansatz der Fenster, hinterfragten aber die Wahl des Materials Aluminium und den vorgeschlagenen Bronzeton der Fenster. Zudem forderten sie die Überprüfung des sommerlichen Wärmeschutzes.

Ebenfalls aus Kassel stammen die Verfasser des dritten zweiten Preises, Penkhues Architekten. Das Preisgericht wertete „die gestalterische Qualität und die Materialwahl der Fassaden“ ebenso positiv, wie die Anordnung des Sonnenschutzes hinter der Steinfassade. Die Preisrichter schlugen jedoch vor, auf die von den Planern empfohlene Hofüberdachung zu verzichten sowie die Positionierung des Aufzuges und das Energiekonzept zu überarbeiten.

Für ihre innovativen energetischen Verbesserungsvorschläge – eine zweischalige Fassade und Wärmespeicherung – erhielten Pfeifer Kuhn Architekten aus Freiburg den dritten Preis. Die Preisrichter empfahlen, diese Ansätze zu untersuchen und bewerteten zudem die angedachten Veränderungen im Grundriss positiv. Kritisch geprüft werden sollten aus ihrer Sicht die Wirkung der vorgeschlagenen Kastenfenster, die durch die zweischalige Fassade hervorgerufenen Raumverkleinerungen sowie die Kosten der Maßnahmen.

Da keiner der eingereichten Entwürfe zur Sanierung und Umgestaltung des Bischöflichen Generalvikariats die Preisrichter vollends überzeugte, empfahlen diese dem Auslober, die Büros zur Nachbearbeitung aufzufordern.