Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Gemeindezentrum der Pfarrei Herz Jesu, Ginsheim-Gustavsburg

Preisträger

1. Preis: Hille Architekten, Mainz

€ 1.900

Markus Hille
Mitarbeit: Jeanette Böhm, Sebastian Klein (Modell)

2. Preis: Karen Li-Willius, Darmstadt

€ 800

Ankauf: Gerhard Heidacker, Bischofsheim

€ 1.200

Mitarbeit: Robert Zink, Jana Heidacker, Peter Becker

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 30.01.2008
Ort Ginsheim-Gustavsburg
Auslober Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu, Ginsheim-Gustavsburg
Betreuung Diözesanbauamt Mainz
Preisrichter Prof. Thomas H. Schmitz (Vorsitz), Christoph Freitag, Johannes Krämer, Claus Staniek, Karl Zirmer/Prof. Bernd Steffens, Hubert Kies, Marlies Fassbender

Z wie Zusammenkunft
Die Pfarrei Herz-Jesu in Ginsheim-Gustavsburg bekommt ein neues Gemeindezentrum

Die Geschichte der Herz-Jesu-Kirche in Ginsheim-Gustavsburg ist seit ihrer Entstehung eine des wiederholten Neuanfangs. Denn ihr ideenreicher Architekt mit dem klangvollen Namen August Greifzu entwarf zwar 1908 ein schmuckes Gotteshaus im historischen Gestus der Gotik, nahm es aber mit der Fundamentierung nicht so genau. Alsbald waren Deckengewölbe und Wände von Rissen durchzogen. Die Folge: langfristige Ausbesserungsbemühungen, denen später Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg ein Ende setzen. Danach der Wiederaufbau: Wiederbeschaffung der Glocken, Außenrenovierung, und vor etwas mehr als zehn Jahren wurde schließlich die Innenrenovierung abgeschlossen. Jetzt geht es noch um die Neuschaffung eines zweites Fundaments der rund 2.500 Katholiken zählenden Pfarrei: nämlich eine neues Gemeindehaus, welches das alte Kettelerhaus in dieser Funktion ablöst.

Den überzeugendsten „Grundstein“ im Rahmen eines Einladungswettbewerbs mit acht Teilnehmern konnte der Mainzer Architekt Markus Hille legen. Sein Z-förmiges, eingeschossiges Gebäude ermöglicht gleich mehrere Zusammenkünfte der Gemeinde. Einmal innen, durch den geforderten teilbaren Saal, der im größeren, zur Kirche hingewandten Teil untergebracht ist. Und durch die zwei Plätze, die der Bau durch seine Geometrie erzeugt. Der kleinere dient als Eingangsbereich, der größere wird zum Treffpunkt vor und nach dem Kirchgang. Sichtbare Öffnung und geschützter Zusammenhalt also, zwei elementare Begriffe der Gemeindearbeit.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Thomas H. Schmitz vergab zudem einen zweiten Preis an Karen Li-Willius aus Darmstadt, die quasi zwei „Häuser“ mit Sattel- bzw. Pultdach vorschlägt, die wiederum zu einem Ensemble durch eine Flachdach verbunden werden. Heiß diskutiert wurde der Ankauf des Bischofsheimer Architekten Gerhard Heidacker, der für seinen Entwurf einer „festungsartigen“ Situation mit einem Sonderankauf gewürdigt wurde.

Der Entscheid der Preisrichter für den Siegerentwurf fiel einstimmig aus, auch wenn sie noch die exakte Lage, die Positionierung der Küche und den skulpturalen Ansatz unter anderem im Hinblick auf Dachform und Fenster in Frage stellten. Letzterer resultiert aus dem Vorschlag, den Baukörper monolithisch auszubilden, mit Faserbetonplatten in Dach- und Wandverkleidung. Was letztlich zählte, war vor allem, dass mit Kirche, Pfarrhaus und neuem Gemeindehaus eine neue Mitte entsteht. Positiv schlug auch die Unterbringung des Gruppenraums für die Jugendlichen zu Buche: der ist zwar integriert, liegt aber separat mit einer eigenen Zugangsmöglichkeit. Und letztlich gelingt der Spagat zwischen eigenständiger Adressbildung und Zurücknahme gegenüber der denkmalgeschützten Kirche. Und die Fundamentierung dürfte diesmal auch stimmen.