Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Fassadengestaltung Dern´sche Höfe, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Z+M, Zaeske + Partner Architekten, Wiesbaden

€ 7.500

Wolfgang Zaeske
Mitarbeit: Jeremy Francis Würtz, Andreas Kugelstadt, Franziska Guckes, Andre Pannenbäcker, Katharina Körber, Birgül Deniz

2. Preis: Weinmiller Architekten, Berlin

€ 5.000

Prof. Gesine Weinmiller, Michael Großmann
Mitarbeit: Roland Unterbusch, Thomas Möcke

3. Preis: Gatermann + Schossig, Bauplanungsgesellschaft mbH + Co.KG, Köln

€ 2.500

Elmar Schossig
Mitarbeit: Elmar Wiedenhövel
Fachberater:
Ralf Rache, Aachen (Fassade)
Rainer Hempel, Köln (Statik)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Beschränkter, einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs. Das Verfahren war nicht anonym.
Preisgerichtssitzung 24.01.2008
Ort Wiesbaden
Auslober Dern´sche Höfe GmbH & Co. KG, Hamburg im Einvernehmen mit der Landeshauptstadt Wiesbaden
Betreuung D+K drost consult, Hamburg
Preisrichter Prof. Thomas Bieling (Vorsitz), Thomas E. Metz, Frank Bohlander, Jürgen Engel, Ramsi Kusus, Martin Murphy, Florian Pollmann, Thorsten Schmidt, Thomas Schwendler, Christian Stephan, Prof. Dr.-Ing. Joachim Pös, Maria Seibert-Gölz, Hans-Martin Kessler

Mehr als nur Fassade
Das Dern’sche Gelände in Wiesbaden wird durch ein Quartier neu gefasst

Wiesbaden hat viele Plätze. Doch eine höhere Platzkultur hat sich daraus selten entwickelt. Der Mauritiusplatz in der Innenstadt ist nach seiner Umgestaltung zwar auf dem besten Wege, aber für große Freiflächen wie das Dern’sche Gelände hinter Rathaus und Marktkirche gilt: viel Raum um Nichts. Es ist kein Platz, auf dem man verweilt, zu dem man – außer samstags am Markttag – hingeht, um zu bleiben. Autofahrer steuern ihn wegen der Tiefgarage an, wer mit den Einkäufen fertig ist, sucht rasch die Bushaltestellen an der verkehrsstarken Friedrichstraße auf, und alle anderen Fußgänger überqueren ihn, um von A nach B zu kommen.

Mehr Flair könnte der Platz jetzt durch ein Quartier bekommen, das eine der letzten Nachkriegsbaulücken in der Wiesbadener Innenstadt schließt. Denn an der westlichen Platzkante liegt zur Friedrichstraße hin das historische Polizeipräsidium, das saniert wird, parallel zum Platz flankiert durch einen Neubau aus den 50er Jahren. Dessen Fassade strahlt jedoch so viel Abweisendes aus, dass es einem vor den Freunden und Helfern Angst und Bange werden kann – und wird deshalb auch trotz Denkmalschutz abgerissen. Um die Ecke zur beschaulichen Mauergasse hin, wo man in einem kleinen Laden noch alte Vinyl-LPs kaufen kann, wird dann besagtes Stück Baulücke geschlossen, bislang als Polizeiparkplatz genutzt.

Für das Quartier Dern’sche Höfe als neues Büro- und Einkaufszentrum auf rund 4.100 Quadratmetern Grundfläche war wichtig, wie der neue, sechsstöckige Bau aussehen wird: Die Kolonnaden weichen, der Bau rückt nach vorne. Zur Mauergasse bleiben weitere Bauten vierstöckig. Und im Idealfall lassen sich 220 neue Abstellplätze an die vorhandene Tiefgarage anschließen.

Das Ganze wird aber nur funktionieren, wenn die Anbindung des neuen Ensembles trägt. Und dazu hat der Hamburger Investor Quantum im Einvernehmen mit der Landeshauptstadt Wiesbaden einen Einladungswettbewerb ausgelobt. Fünf Büros sollten die künftigen drei Fassadenbereiche entwerfen. Erfolgreich war das Wiesbadener Büro Z+M, Zaeske + Partner Architekten. Die Preisrichter unter Vorsitz Prof. Thomas Bieling lobten die drei unterschiedlichen Fassadenkonzeptionen – gemeinsam ist ihnen der Ansatz der Lochfassade mit stehenden Fensterformaten und hellem Naturstein –, allen voran die Ecklösungen. So erhält der Altbau an der Friedrichstraße noch einen kleinen Turm bzw. eine früher vorhandene Haube zurück sowie moderne Gauben.

Der zweite Platz ging an Weinmiller Architekten aus Berlin, die auf Ziegelstein setzen und durch Überhöhung eine große Plastizität erzeugten. Dritter wurde Gatermann + Schossig aus Köln, die eine allseitig gleiche Fassade favorisierten.

Beim Siegerentwurf fiel zudem positiv ins Gewicht, dass die nach rückwärts gewandte plastische Schräge und die geschlossenen Fassade des Neubaus sich an das Gebäude des historischen Polizeipräsidiums anschließen, zugleich aber zurücknehmen. Auch fällt die Fassade zum Dern’schen Platz hin filigraner aus.

Verbesserungswürdig sahen an dieser Stelle die Preisrichter allerdings die Fensterbreite und die Plastizität, um ein etwas lebendigeres Bild zu erzeugen. Denn in der Mauergasse war zwar explizit eine kleinteilige Optik vorgesehen. Trotzdem könnte hier eine breitere Anlage für mehr Ruhe sorgen. Auch die Lage der „Skybox“, eine großflächige Verglasung über drei Geschosse hinweg, fand das Preisgericht nicht überzeugend.

Letztlich aber bekommt einer der wichtigsten Wiesbadener Plätze eine verbesserte Fassung und einen neuen Treffpunkt, denn für die Läden sind keine Filialisten vorgesehen, was für die Vielfalt immer schon mal gut ist.