Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Gestaltung von "R(h)ein-Blicken", Oberes Mittelrheintal

Preisträger

1. Preis BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten, Mainz

€ 8.000

Klaus Bierbaum, Jürgen Hill
Mitarbeit: Frank Finger, Uta Jakobs, Matthias Walter, Anne-Kathrin Busche, Günter Schüller, Sebastian Pertsch, Burkhard Elfers

2. Preis Gerhard Hegelmann, Saarbrücken

€ 5.000

Mitarbeit: Annik Sträßle, Anja Mourer
Fachberater: Büro Hullmann & Gimmler, Prof. H. Hullmann, J. Gimmler, Frankfurt

3. Preis ARGE Hahn von Hantelmann/ Büro Huennerkopf, Berlin/ Wertheim

€ 3.000

Inga Hahn, Heiko Huennerkopf
Mitarbeit: Anna Buchwald, Altan Arslanoglu, Kristian Dahlgaard
Fachberater: Obermeyer Planen+Beraten GmbH, H. Ammerl, München
Schlotfeldt Licht Berlin, T. Rullmann, Berlin (Lichtplanung)
EiSat GmbH, V. Dick, Berlin
Eisenloffel. Sattler + Partner, Berlin

Anerkennung Bernd Freihaut, m3 baukunst, Darmstadt m. Stephan Lenzen, RMP Landschaftsarch. Bonn

€ 1.333,33

Mitarbeit: Katharina Thoma, Alexander Richter (RMP)
Tine Kaiser, Christine Jeckel, Mike Eberle (m3)

Anerkennung Architektur & Landschaft, München mit Keller & Damm, München

€ 1.333,33

Stefan Giers, Susanne Gabriel, Prof. Regine Keller, Franz Damm
Mitarbeit: Franziska Pfläging, Henry Handerson, Bernhard Hintler

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 10.12.2009
Ort Oberes Mittelrheintal
Auslober Geschäftsstelle des Zweckverbands Welterbe Oberes Mittelrheintal, St. Goarshausen
Betreuung Dr. Kübler GmbH Institut für Umweltplanung, Rengsdorf
Preisrichter Prof. Arno Sieghart Schmid (Vorsitz), Michael Heger, Hubertus Jäckel, Monika Becker, Günter Kern

Augenöffner für die Kulturlandschaft
Drei exemplarische „R(h)ein-Blicke“ fürs Welterbegeschützte Obere Mittelrhein

Gleich vorweg: Eine Brücke war nicht dabei. Bei den Vorschlägen nämlich, wie man im Oberen Mittelrheintal etwas für die Autofahrer beiderseits des Rheins auf der B9 und der B42 tun kann. Besser gesagt: Wie man sie ein wenig ausbremst, indem man Ihnen Lust macht, innezuhalten und zu genießen. Damit ist der UNESCO Welterbetitel schon mal nicht bedroht – und auch sonst wird die Region zwischen Bingen/Rüdesheim und Koblenz von dem Projekt „R(h)ein-Blicke“ profitieren.

Die Idee dahinter: Diese einmalige Kulturlandschaft – ein überstrapazierter, in diesem Fall aber völlig berechtigter Superlativ – stärker erlebbar zu präsentieren. Japanische Touristen tun das meist direkt auf dem Rhein, Reisebusse sind Germania-, Drosselgassen- und Lorelyfixiert, beides je nach Zielgruppe völlig in Ordnung, aber was ist mit den anderen Touristen, die individuell unterwegs sind, sei es nun per Auto, Motorrad, Fahrrad oder zu Fuß? Oder einfach mit jenen, die zwar aus der näheren Umgebung kommen, aber das Schöne vor ihrer Haustür gar nicht mehr sehen? Sie alle, so das Ziel des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, zu dem sich die Kommunen im Welterbegebiet zusammengeschlossen haben, sollen mehr Entschleunigungs- bzw. Haltepunkte finden. Gut erreichbare Orte, die nicht allzu weit von der Straße abführen, die eine Beziehung zum Rhein aufbauen, die eine Infrastruktur für den kurzen Aufenthalt bieten, als Aussichts- und auch Informationsplattform dienen können.

In den kommenden Jahren sollen einige dieser „Verweiloasen“ entstehen, mit Blick auf die Bundesgartenschau Koblenz 2011 sollen drei erste „R(h)ein-Blicke“ zeitnah realisiert werden. Exemplarisch ausgesucht wurden Standorte bei Lorchhausen, bei St. Goarshausen am Fuß der Loreley und bei St. Goar-Fellen am „Hafen am Hunt“. Dazu sind die Weichen nun gestellt. An einem Realisierungswettbewerb hatten sich insgesamt 22 interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaften von Landschaftsarchitekten, Architekten, Stadtplanern, Designern und Künstlern beteiligt, der Sieger steht nun fest: Einstimmig wählten die Preisrichter das Mainzer Büro Bierbaum.Aichele landschaftsarchitekten in Zusammenarbeit mit PGM-Architekten.Innenarchitekten, gleichfalls Mainz, auf den ersten Platz. Sie verfolgen konsequent ihre Leitidee „Stoppen – Halten – Orientieren – Informieren“, setzen mit wenigen ortstypischen Merkmalen wie niedrigen Mauern und Baumreihen Akzente und verwenden als immer wiederkehrendes Element eine Plattform mit einer von Innen beleuchteten Stahl-Stele. Auf ihr ist der Verlauf des Rheins stilisiert abgebildet, sie markiert den aktuellen Standort und stellt weitere „R(h)einblicke“ vor. Platz zwei ging an Hegelmann, Landschaftsarchitektur + Stadtplanung, Saarbrücken, mit Hullmann & Gimmler Architekten, Krefeld. Sie inszenieren die Uferböschung mit mehreren unterschiedlichen Oberflächen, thematisieren immer wieder die Landschaft und setzen buchstäblich auf Lyrik im Fluss. Auf dem Papier macht sich das poetische Moment gut, ob es in der – mit Verlaub – Rheinbrühe wirken würde, ist ebenso fraglich, wie die Idee beim Siegerentwurf Wunschdenken bleiben dürfte, dass die goldene Farbe in der Stele die Verweilenden an das Rheingold und den „Ring des Nibelungen“ erinnern wird.

Probleme grundsätzlicher Art hatte das Preisgericht mit seinem Vorsitzenden und Präsidenten der Bundesarchitektenkammer Prof. Arno Sighart Schmid beim Drittplatzierten Büro, Hahn von Hantelmann Landschaftsarchitekten, Berlin, mit Büro Huennerkopf Kommunikationsdesign, Wertheim. Diese setzen auf Landschaftsrahmen, die zwar eine gute Signalwirkung – hier gibt es etwas zu sehen/erkunden – haben, die individuell auf den Ort eingehen und sich zugleich einem breiten Landschaftsprospekt widmen, ohne den Blick zwanghaft zu leiten. Doch die Preisrichter diskutierten intensiv, ob ein Rahmen nicht schlicht ein zu triviales Signet und in der Wiederholung letztlich redundant sei.

Beim Siegerentwurf überzeugte hingegen die einfache, aber wirkungsvolle Kombinierbarkeit der einzelnen Elemente. Die Zugänge zum Rhein mit in der Böschung angelegten Stufen entwickeln sich aus vorhandenen Strukturen, die Räume sind klar strukturiert (Parken, Verweilen/Information, Erlebnis Wasser), die Gabionenmauern aus geschichtetem Rheinschiefer werden zum Teil mit Tischen und Bänken kombiniert und bieten eine hohe Aufenthaltsqualität. Baumreihen tragen ebenfalls zur prägnanten Struktur bei. Die Plattform, in die klassische literarische Zitate mit Rheinbezug eingelassen sind (mit den üblichen Verdächtigen: Heine, Hugo), „schwebt“ über dem Boden, und bildet mit der Stele auch in der Dunkelheit ein klares Kennzeichen für die „R(h)ein-Blicke“, wenngleich die Frage bleibt, ob bei weiter von der Straße entfernten Punkten dem vorbei fließenden Verkehr das Wiedererkennen so leicht möglich ist. Insgesamt schafft es die Arbeit, wie vom Auslober erwartet, beispielhaft für die Entwicklung künftiger R(h)einblicke zu stehen. Es wäre ein weiterer kulturell hochwertiger Baustein in dieser Kulturlandschaft – ein Augenöffner und eine Seh-Hilfe.