Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Umbau und Erweiterung Stadtmuseum in Kassel

Preisträger

1. Preis: Hufnagel Pütz Rafaelian Architekten, Berlin

€ 14.000

Karl Hufnagel, Peter Pütz, Michael Rafaelian
Mitarbeiter: Hnin Kyan Lat

2. Preis: Hans-Peter Hackh, Frankfurt

€ 9.000

Mitarbeiter: Yoon-Jung Choe
Fachberater: Jürgen Wassink (Tragwerksplanung), Thomas Ganzer (Visualisierung)

 

3. Preis: Jan Knippel, Claudia Zirra, Nürnberg

€ 6.000

Fachberater: Jürgen Wolff (Museumsplanung)

4. Preis: abcarius+burns architecture design, Berlin

€ 4.000

Jean-Marc Abcarius, Christopher Burns
Mitarbeiter: Ana Gomes, Sophia Müller, Britta Henkel

Anerkennung: Dominik Uhrmeister, Berlin

€ 2.333

Mitarbeiter: Julia Wendeler, Moritz Czech
Fachberater: Marko Augustat + Partner, Ingenieure für Architekten und techn. Gebäudeausrüstung, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform EU-weiter, offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 26.10.2009
Ort Kassel
Auslober Stadt Kassel
Betreuung HEGGER HEGGER SCHLEIFF Planer + Architekten AG, Kassel
Preisrichter Prof. Jochem Jourdan (Vorsitz), Brigitte Holz, Prof. Wolfgang Lorch, Prof. Inken Baller, Manuela Hahn, Thomas-Erik Junge, Heinz Spangenberg

Geschichtsturm
Das Kasseler Stadtmuseum wird erweitert

„Kassel kennen lernen“ lautet das Motto des Kasseler Stadtmuseums. Ein Versprechen, das die Institution am Ständeplatz – vor 30 Jahren im Schatten der großen Museen und der documenta gegründet und inzwischen eine eigene, feste Größe – bislang stets eingelöst hat. Und zukünftig sollte dieses Kennen lernen noch intensiver ausfallen, denn Kassel vergrößert, modernisiert und baut das denkmalgeschützte Gebäude im Rahmen der Neuordnung der städtischen Museumslandschaft um. Anvisiert ist ein Ausbau von 1.100 auf etwa 2.000 m² NF.

Den dazu ausgeschriebenen EU-weiten Realisierungswettbewerb hat das Büro Hufnagel Pütz Rafaelian Architekten gewonnen. Mit 6:1 Stimmen setzten sich die Berliner unter 19 Mitbewerbern durch. Ihr Vorschlag: Ein 23 Meter hoher Turm ergänzt das Museum rückwärtig, der zugleich einen Kontrapunkt zum benachbarten Bankgebäude bildet. Knapp, mit 4:3 Stimmen, ging der zweite Preis an den Frankfurter Architekten Hans-Peter Hackh. Er schlägt vor, das Museum auf seine historische Geschossigkeit zurückzubauen bzw. dann zwei neue Geschosse aufzusetzen, deren Klinkerfassade Alt und Neu ausgewogen verknüpft. Ganz anders das Konzept der beiden Drittplatzierten Jan Knippel und Claudia Zirra aus Nürnberg: Sie schlagen vor, den Seitenflügel zu erweitern und bebauen das vorhandene, auf der Untergeschossebene liegende Grundstücksdreieck. Das Schrägdach verschwindet, dafür wird die oberste Geschossdecke erhöht und erhält einen Dachaufbau, der den Innenraum belichtet.

Lob erhielt der Siegerentwurf sowohl von den Preisrichtern unter Vorsitz von Prof. Jochem Jourdan als auch seitens der Museumsleitung und des mitgliederstarken Vereins der „Freunde des Stadtmuseums“. Anklang fand vor allem die Idee, den schlichten backsteinernen Turm als Geschichtsturm zu konzipieren, von dessen „Skylobby“ man aus den eigentlichen Gegenstand des Museums – nämlich Kassel – inspizieren kann. Auch die Geschichte das Museum selbst betont der Entwurf: Der Nachkriegsputz des Altbaus wird mit der neuen feinteiligen Ziegelstruktur wirkungsvoll verschränkt.

Da der Entwurf vorsieht, den spätklassizistischen Altbau auch in seiner inneren Struktur im Wesentlichen zu erhalten, nimmt er in Kauf, dass einige funktionale Mängel fortgeschrieben werden – die bestehende Enge oder die unbequeme Haupttreppe. Für eine Realisierung mahnten die Preisrichter eine Nachbesserung vor allem im Eingangsbereich an. Für Entspannung der Situation sorgt eine zweite Treppe an der Schnittstelle von Altbau und Turm. Sie ermöglicht einen Rundgang innerhalb der Ausstellungsräume, der sich bei wechselnden Ausstellungen ganz unterschiedlich gestalten lässt. Überzeugend war auch die Idee, das Untergeschoss nach außen zu öffnen, hin zu dem zum Museumsgarten umgestalteten Tiefhof. Im Untergeschoss sind fast alle öffentlichen Funktionen untergebracht. Nach außen setzt die abstrakte Gestalt des Turms, der auch als Pendant zur Karlskirche fungieren soll, einen – behutsamen – Akzent zu der von Brüchen und Widersprüchen geprägten wiederaufgebauten Innenstadt. Und da erweist sich das geringe, aber effektive Eingreifen in die historische Substanz als gelungener Ansatz.