Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau eines Hörsaal- und Medienzentrums der Technischen Universität Darmstadt

Preisträger

1. Preis: lwa leyk wollenberg architekten, Berlin

€ 36.500

Dietmar Leyk, Petra Wollenberg
mit 100 landschaftsarchitektur, Berlin
Thilo Folkerts
Mitarbeit: Florian Spaelty, Magarida Norton
Fachberater: Prof. Dr.-Ing. e.h. Klaus Daniels (HL-Technik)

1. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt am Main

€ 36.500

Mitarbeit: Sandrina Schliemann, Margarete Schimmelpfeng

3. Preis: mvmarchitekt + starkearchitektur, Köln

€ 20.000

Michael Viktor Müller, Sonja Starke
mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn
Stephan Lenzen
Mitarbeit: Dominik Wanisch, Katharina Thoma

Anerkennung: Architekten Bernhardt + Partner, Darmstadt

€ 9.750

Manfred Bernhardt
Mitarbeit: Martin Faber, Johannes Welsch, Christof Odrich, Zhaqian Niu
Fachberater: Pfeifer + Partner, Prof. Matthias Pfeifer, Darmstadt

Anerkennung: goldfinger.A l roloff . ruffing . sill, Hamburg

€ 9.750

Klaus Roloff, Prof. Klaus Sill
Mitarbeit: Alexander Stoffelshaus, Markus Ihme
Fachberater: Lohaus I Carl, Hannover (Landschaftsarchitekten)
Transolar (Energiekonzept),
Assmann Beraten und Planen, Braunschweig (Tragwerk)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 08.12.2009
Ort Darmstadt
Auslober TU Darmstadt
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Prof. Jörg Friedrich (Vorsitz), Prof. Markus Gasser, Prof. Gabriele Kiefer, Prof. Wolfgang Lorch, Prof. Anke Mensing, Prof. Hellmut Raff, Prof. Sophie Wolfrum, Irene Bauerfeind-Roßmann, Guido Brennert, Dr. Manfred Efinger, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Dr. Hans-Georg Nolte-Fischer, Dr. Harald Kissel

Mehr Gesicht, mehr Freiraum
Zwei erste Preisträger beim Wettbewerb für ein Hörsaal- und Medienzentrum für die TU Darmstadt

An wichtigen Universitäten Hessens werden nun schon seit mehreren Jahren neue Campus-Situationen geschaffen. Mit den historisch gewachsene Strukturen stieß man an Kapazitätsgrenzen, beziehungsweise es machte sich bemerkbar, dass ein einigermaßen geschlossenes Gelände größere Synergieeffekte bietet als halb autonome, über die Stadt verstreute Institute. Die Goethe-Universität Frankfurt etwa befindet sich in einem solchen Wandel, vor allem aber die TU Darmstadt.

In Darmstadt trägt das Erweiterungsgelände für ca. 8.000 Studierende den viel versprechenden Namen „Lichtwiese“, und schon einige Architektenwettbewerbe haben hier für Bauingenieure, Chemiker oder Maschinenbauer markante Neubauten gezeitigt. Was noch aussteht, ist ein funktionaler und „geistiger“ Mittelpunkt für dieses Gebiet, das am südöstlichen Stadtrand Darmstadts liegt und zu dem auch das Hochschulstadion und der Botanische Garten gehören, sowie Freizeitangebote wie der Klettergarten oder ganz schlicht Wohnraum für Studenten.

Zu einer neuen, kommunikativen Mitte soll ein Hörsaal- und Medienzentrum mit rund 7.000 m² NF werden – aber da der zentrale Bereich etwa 6,2 ha groß ist, spielt nicht nur das Gebäude, das eine Bibliothek, vier Hörsäle sowie zahlreiche Seminarräume beherbergen soll, eine große Rolle, sondern auch die Gestaltung der Freiflächen. Ein interdisziplinäres Institutsgebäude ist ebenfalls avisiert, in der Größe dem Medienzentrum vergleichbar.

An dem dazu ausgelobten offenen, zweiphasigen Wettbewerb hatten sich 118 Büros beteiligt, darunter 57 allein aus Darmstadt. Am Schluss waren es noch 25 Arbeiten, die die Preisrichter mit dem Vorsitzenden Prof. Jörg Friedrich zu prüfen hatten. Zwei davon lagen am Ende gleichauf; an beide wurde einstimmig ein erster Preis verliehen. So an lwa leyk wollenberg architekten aus Berlin. Sie übersetzen die Suche nach einem Kommunikationszentrum in eine Struktur, die größtmögliche Offenheit unter einem dynamischen Dach vereinigt. Ihr Gebäude mit seiner vor- und zurückspringenden Grundrissform besticht durch seine räumliche Geste, hat transparente Fassaden und einen Eingang pro Himmelsrichtung, verbindet also alle umliegenden Institute. Insbesondere das weit auskragende, komponierte Dach wirkt prägend. Je nach Wetter und Jahreszeit sollen, so die Idee der Verfasser, „Farbigkeiten und Kontraste der Dachfläche eine dynamische Graphik“ bilden. Da das Gebäude großflächig angelegt ist, kommt es mit zwei Geschossen aus, kann also für die umliegenden Fakultäten tatsächlich zum optischen Zentrum werden. Von außen her wird man tief in die Mitte des Gebäudes geleitet, von dort aus geht es strahlenförmig in die anderen Bereiche.

Der zweite Erste, Ferdinand Heide aus Frankfurt am Main, setzt eher auf das entgegengesetzte Prinzip: statt einer äußeren Einheit, die sich im Inneren in Vielheit übersetzt, addieren sich hier, auf die ganze Lichtwiese gesehen, signifikante Solitäre mit einem Platz zu einem einigenden Ensemble, quasi durch einen „Teppich“ verbunden. Zentrales Gelenk ist bei dieser Idee das neue viergeschossige, in sich verschachtelte Zentrum, das nach außen nicht nur durch eine ruhige Fassade, sondern auch durch seine einfach kubische Form eher Understatement betreibt, während der Landschaftsraum an den Rändern der neuen Mitte den Clustercharakter der Institutsbereiche betont. Intern differenziert sich das Medienzentrum multifunktional aus, insbesondere durch unabhängige Foyertreppen, sodass Bibliothek, Hör- und Seminarsäle zwar eng verknüpft sind, aber trotzdem unabhängig genutzt werden können.

Der Drittplatzierte mvmarchitekt + starkearchitektur fokussiert als weiterer diametraler Lösungsansatz auf die Freiraumflächen und schlägt drei Gärten als neue Mitte vor. Da das Kölner Büro die Topographie des Geländes geschickt nutzt,und sich auch in der Höhe beschränkt, bietet der Bereich Hörsaal- und Medienzentrum zugleich hervorragend nutzbare Dachflächen.

Kontrovers diskutiert wurde bei diesem Entwurf die atmosphärische Qualität der Bibliothek, verbunden mit eventuell zu langen Wegen und unterirdischer Dunkelheit.

Aber auch den beiden Erstplatzierten schrieben die Preisrichter Grundsätzliches ins Aufgabenbuch für eine weitere Überarbeitung: Bei Ferdinand Heide lautete etwa der Einwand, dass das Gebäude als „eine mögliche Visitenkarte für die Lichtwiese… – vorsichtig gesprochen – unauffällig“ bleiben könnte. Für das Thema Bibliothek sei bei aller Funktionalität kein Ausdruck gefunden worden, die Lichtwiese werde von daher wenig Gesicht erhalten. Und bei lwa leyk wollenberg blieb die Frage, ob die Kubatur nicht doch zu überdimensioniert sei und dass der Neubau zu sehr auf die Architektur fokussiere, weshalb die Freiraumgestaltung viel zu kurz komme und beiläufig wirke.

Welchen Ansatz man am Ende auch favorisiert – das künftige Forum als architektonische Geste oder als inszeniertes Zusammenspiel von Architektur und Natur – zu dem von der auslobenden TU gewünschten „Ort der Begegnung“ können beide allemal werden.