Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathaus + Kita, Biebergemünd

Preisträger

1. Preis: aig + Architekten und Ingenieurgesellschaft mbH, Düsseldorf mit wbp Landschaftsarchitekten, Bochum

€ 20.000

Dirk Dincklage, Christine Wolf

Mitarbeit: Meike Schöffler, Werner Nebe, Jan Denkewitz, Stefanie Kotalla, Sebastian Sippel

Fachberater: Passau Ingenieure GmbH, Düsseldorf (Haustechnik)

2. Preis: Mosaik Architekten, Hannover mit .Büro Grün plan, Hannover

€ 12.000

Prof. Kay Marlow, Robert Marlow, Andreas Maurer, Ekkehard, Gudrun Baingo, Walter Jöris

Mitarbeit: Felix Böhme, Andreas Lokitek, Jan Uetzmann, Lydia Ziegltrum

3. Preis: Görtz & Fritz Architekten, Weinheim

€ 7.000

Constantin Görtz

Mitarbeit: Tobias Tschorn

Anerkennung: Joachim Klie (AG 5 Dipl.-Ing. Architekten), Darmstadt

€ 4.500

Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

Fachberater: S. Lukowski und Partner, Darmstadt (Landschaftsarchitekten)

Anerkennung: Rack Architekten GbR, Gelnhausen mit BPG Landschaftsarchitekten, Biebertal

€ 4.500

Christoph Rack, Norbert Kerl

Mitarbeit: Christopher Kühn, Sebastian Martin, Omar Siddiqui, Birgit Weber, Sven Rosenkranz

Fachberater: Andreas Rieser, Wächtersbach (Brandschutzsachverständiger)

Ingenieur Gesellschaft Winter, Mühlheim am Main

Statikbüro Günther Simon, Gelnhausen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 12.11.2012
Ort Biebergemünd
Auslober Gemeinde Biebergemünd
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Monika Weber-Pahl (Vorsitz), Peter Bitsch, Susanne Wartzeck, Thomas Wirth, Joachim Raab, Manfred Weber, Franz Karl Stock, Berthold Schum, Wolfgang Grob

Eine neue Mitte für Biebergemünd
Nichtoffener Wettbewerb Rathaus und Kita Biebergemünd

Die Großgemeinde Biebergemünd liegt etwa auf halber Strecke zwischen Frankfurt am Main und Fulda und erstreckt sich zwischen den landschaftlich reizvollen Tälern der Bieber und der Kinzig. Zur Spessartgemeinde gehören die staatlich anerkannten Erholungsorte Bieber und Roßbach sowie die Ortsteile Breitenborn-Lützel, Lanzingen, Kassel und Wirtheim. Das inzwischen in die Jahre gekommene Gemeindezentrum mit Rat- und Bürgerhaus liegt im nördlichsten Zipfel des Ortsteils Kassel „auf der grünen Wiese“ in unmittelbarer Nachbarschaft eines Gewerbegebietes. Auf eine aufwendige und kostenintensive Sanierung des Gebäudes verzichtete die Gemeindevertretung zugunsten eines Neubaus.

Nach intensiven Beratungen durch Gesine Ludwig vom Wettbewerbsreferat der AKH lobte die Gemeinde einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb aus, der neben einem neuen Rathaus auch den Bau einer Kindertagesstätte beinhaltete, mit der die Betreuungssituation in der Gemeinde verbessert werden soll. Die Betreuung des Verfahrens übernahm das Darmstädter Büro BÄUMLE Architekten I Stadtplaner. Das Wettbewerbsgebiet liegt in direkter Nachbarschaft des bestehenden Gemeindezentrums. Als Ziel formulierte die Gemeinde, an dieser Stelle langfristig ein Zentrum für die Bürger zu schaffen. In einem zusätzlichen Ideenteil sollten die Teilnehmer daher die städtebaulichen und landschaftsplanerischen Potenziale des Standortes herausarbeiten.

Das Preisgericht, dessen Vorsitz der Darmstädter Architektin Monika Weber-Pahl übertragen wurde, vergab drei Preise sowie zwei Anerkennungen. Es empfahl einstimmig, den ersten Preis den weiteren Planungen zugrunde zu legen. Zum Wettbewerbssieger kürten die Preisrichter die Arbeitsgemeinschaft aig+ Architekten und Ingenieurgesellschaft mbH aus Düsseldorf mit wbp Landschaftsarchitekten aus Bonn. Der zweite Preis ging an Mosaik Architekten mit Büro Grün plan. Landschaftsarchitekten aus Hannover. Görtz & Fritz Architekten aus Weinheim erhielten den dritten Preis. Eine Anerkennung sprachen die Preisrichter dem Darmstädter Büro AG5 sowie der Gelnhausener Wettbewerbsgemeinschaft Rack Architekten / BPG Landschaftsarchitekten aus.

Die erstplatzierte Arbeit überzeugte durch die „klare Anordnung im Süden und Südwesten des Gemeindezentrums“. Das Bürgerhaus, die neuen, in der Grundfläche etwa gleich großen, zweigeschossigen Gebäude für Rathaus und Kita sowie der neue Gemeindeplatz „definieren die neue Mitte“, so das Urteil der Preisrichter. Zudem lobten sie die „fast selbstverständlich sinnvolle Ordnung für das Gewerbegebiet“ und die angedachte Anbindung an das Neubaugebiet Burgwerksrain. Positiv bewertete das Preisgericht zudem die Kompaktheit sowie die „sehr gut strukturierten, hoch funktionalen Grundrisse“ beider Neubauten. Während das Rathaus die Büroräume um eine gemeinsame Mittelzone orientiert, ist der Grundriss der Kindertagesstätte in zwei Einheiten geteilt. Die Bearbeitung und Öffnung der Ostfassade der Kita befanden die Preisrichter als erfreulich differenziert.

Mosaik Architekten mit Büro Grün plan, Landschaftsarchitekten schlagen einen zweigeschossigen quadratischen Bau für das Rathaus sowie eine eingeschossige Kammstruktur für die Kindertagesstätte vor. Auch hier, wie beim erstplatzierten Entwurf, bilden das bestehende Bürgerhaus und die neuen Gebäude einen Platz, dessen westliche Kante unbebaut bleibt. Die Entwurfsverfasser schlagen zudem eine veränderte Straßenführung vor. Diese und die dadurch entstehenden neuen Baufelder werteten die Preisrichter als durchdacht und folgerichtig. Positiv hoben sie zudem die Ausrichtung der Außenbereiche der Kita zum Landschaftsraum der Bieber hervor. Für die Gestaltung der vorgeschlagenen Grünspange zwischen Platz und Parkplatz wünschte sich das Preisgericht jedoch eine stärkere Ausformulierung.

Die Verfasser des dritten Preises schlagen für den Neubau des Rathauses den bisherigen Standort vor, was eine Übergangslösung für die Mitarbeiter des Rathauses erforderlich machen würde. Die neue Kindertagestätte steht im freien Winkel zum Bürgerhaus. Zwischen den Gebäuden entsteht ein großer Platz, der über die Erschließungsstraße hinweg geführt wird, Kita und Rathaus orientieren ihre Eingänge zu diesem Platz. Beiden zweigeschossigen Neubauten attestierten die Preisrichter eine überzeugende Funktionalität. Sie hinterfragten jedoch die Dimension und Gestaltung des Platzes.

Die Gemeinde Biebergemünd wird zunächst Verhandlungsgespräche mit allen Preisträgern führen, erst danach soll der Planungsauftrag erteilt werden. Für die Neubauten hat die Gemeinde etwa fünf Millionen Euro einkalkuliert.

Katja Klenz