Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau eines Wohnheimes in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: ABP., Hamburg, Wilkens Grossmann-Hensel Schneider

€ 22.750

Moritz Schneider
Mitarbeit: Marc Lüders, Petra Martin, Helge Hormann
Fachberater: RMP Landschaftsarchitekten, P. Haggeney, Bonn
Ebert-Ingenieure GmbH, DR. Warner, Hamburg (TGA)
Dr. Binnewies Ingenieure, C. Drescher, Hamburg (TWP)

2. Preis: ASP Architekten Schneider Meyer Partner, Hannover

€ 18.200

Wolfgang Schneider, Prof. Wilhelm Meyer

3. Preis: Jörg Rasmussen, Hamburg

€ 13.650

rasmussen brunke sauer
Mitarbeit: Hendrik Steinigeweg
Fachberater:Ridder und Meyn Ingenieurges.mbH, Beratende Ingenieure – Nachhaltige Technische Gebäudeplanung, Hamburg

4. Preis: Kehrbaum Architekten AG, München

€ 10.920

Klaus Kehrbaum
Mitarbeit: Muamer Omerovic, Stephan Gilbert, Nigel Hughes
Fachberater: IB Fazlic, Pfaffenhofen
emminger +nagies Landschaftsarchitekten, Augsburg

Ankauf Nickl & Partner Architekten AG, München

€ 7.280

Prof. Hans Nickl, Prof. Christine Nickl-Weller
Mitarbeit: Juliane Popp, Karl-Friedrich Müller, Anne Sievert
Fachberater: Ebert-Ingenieure GmbH & Co.KG , Nürnberg (TGA)
Pola Landschaftsarchitekten, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, begrenzt offener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 17.09.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober Land Hessen
Betreuung DU Diederichs Projektmanagement AG & Co. KG, Wuppertal
Preisrichter Prof. Klaus Humpert (Vorsitz), Inge Laste, Fritz Ludwig, Prof. Kirsten Schemel, Prof. Zvonko Turkali, Prof. Ruth Berkthold, Irene Bauerfeind-Rossmann, Marion Hammer-Frommann / Thomas Platte, Dr. Michael Kummer, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl,Konrad Zündorf

Ein Dach für Studis
Neues Wohnheim mit 600 Plätzen für Frankfurt

Studienplatz ja, Wohnung nein – das Wintersemester 2009 begann für viele Studienanfänger in Frankfurt mit einer bösen Überraschung. Die Zahl der Studierenden ist auf Rekordniveau, der Wohnraum in Frankfurt aber knapp und vor allem teuer. Wohnen am Main, die neue Campussituation – das sind nur zwei Faktoren der jüngsten Zeit, bei denen Architektenwettbewerbe zu attraktiven Ergebnissen geführt und die Frankfurt wieder als Wohn- und nicht nur als reinen Arbeitsort begehrt gemacht haben.

Insofern kommt der Wettbewerb für ein neues Wohnheim zum richtigen Zeitpunkt. Das Land Hessen hat ihn im Rahmen des HEUREKA-Programms in Kooperation mit dem Studentenwerk Frankfurt am Main ausgelobt. 600 Plätze soll es bieten, mit einer Appartementstruktur von 1- und 2-Zimmern. Gebaut wird in zwei Abschnitten bis 2012, sodass in einem ersten Schub neben 200 Studenten auch 200 Landesbedienstete von Bund und Zoll eine Bleibe finden sollen. Inklusive der Gemeinschaftsräume wird das 45-Millionen-Euro-Projekt etwa 13.700 m² HNF umfassen.

Das Areal ist die Hansaallee 141, der Modus war ein begrenzt offener, einstufiger Realisierungswettbewerb, bei dem auch eine Parkgarage Bestandteil war. Eingereicht wurden 28 Arbeiten. Grob gesprochen zeichneten sich zwei grundsätzliche Überlegungen ab, nämlich einmal das Projekt in Form eines oder mehrerer zeichenhafter Gebäude zu verwirklichen. Oder aber es kleinteiliger ausfallen zu lassen, das aber meist verbunden mit der Idee der Quartiersbildung.

Für die Preisrichter unter dem Vorsitz von Prof. Klaus Humpert kristallisierten sich im Laufe der Preisgerichtssitzung einige Punkte als zentral bei der Beurteilung heraus: Wenn Quartiersbildung, dann bekommt die Zugangsfrage besondere Bedeutung. Die Teilung zwischen Bediensteten- und Studentenwohnungen ist sekundär. Der Erhalt des wertvollen Baumbestands und die Einhaltung der Abstandsflächen ist wünschenswert, aber in Gänze kaum umsetzbar. Die Anlehnung an den Campus Westend liegt zwar nahe, birgt aber das Risiko, ein Quartier mit Institutscharakter entstehen zu lassen. Auf dem kleinen Baugebiet geht es nicht nur um die städtebauliche Konzeption, sondern vor allem um die Fassadengestaltung. Und schließlich waren aus Sicht der Preisrichter zudem notwendig: eine gleichwertige Wohnqualität, eine geschickte Integration der Gemeinschaftsräume und die Vermeidung langer Flure.

Mit zehn zu eins Stimmen fiel die Entscheidung für den Entwurf des Hamburger Büros ABP. Das Konzept: Ein zweiteiliges Ensemble aus jeweils drei strukturell gleichen, fünf- bis siebengeschossigen Gebäuden, bei denen das mittlere den Aufbau variiert. Die Fassade ist auf zwei Geschossen mit dunkleren Ziegeln verkleidet, bei den oberen Stockwerken mit hellem Backstein. Platz zwei belegten ASP Architekten aus Hannover. Ihr urbanes Ensemble mit zwei großen u-förmigen und fünf längeren Gebäuden mit Putzoberflächen orientiert sich an der umgebenden Bebauung. Der drittplatzierte Entwurf von Jörg Rasmussen aus dem Büro rasmussen brunke sauer (Hamburg) schlägt drei lang gezogene, leicht abgewinkelte Riegel vor, die eine campusartige Anlage mit einer schönen Mittelzone als Quartiersmitte bilden.

Für das kleinteiligere Konzept des Siegerentwurfs sprach seine Leistung, sich in dem sehr heterogenen Umfeld zu integrieren bzw. dort räumliche Verbindungen herzustellen. Es bleibt eigenständig, verweist aber durchaus auch auf die Neubebauung der südlichen Hansaallee und den Campus Westend. Die Preisrichter beurteilten die sensible architektonische Gestaltung als im positiven Sinne traditionell und gleichzeitig aktuell. Und im Umkreis der Miquelallee mit ihren vielen Mietskasernenalbträumen hebt sich die Ästhetik angenehm heraus und sollte sich als recht zeitlos erweisen. Die Erschließung der Einzelhäuser ist gut, die Freiräume und Durchblicke sind differenziert und unterstützen den Wohnquartiercharakter. Allein das zu erwartende Problem mit dem Baumerhalt bzw. den Abstandsflächen trat, wie bei vielen anderen Entwürfen, auch hier auf.

Wenn das Projekt realisiert ist, werden hoffentlich etwas weniger verzweifelte Erstsemester vor den spärlichen Aushängen mit Mietangeboten für Studentenwohnungen stehen.