Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Paradieshof Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Max Dudler, Berlin

€ 20.000

Mitarbeit: Alexander Bonte, Kyung-Ae Kim, Max Nallenweg, Maike Schrader, Ayshin Soydan
Fachberater: WTM Engineers Berlin GmbH, Berlin (Tragkonstruktion)
ZWP Ingenieur AG, Berlin (Haustechnik)
Dagoberto+ Kollegen Planungsgesellschaft mbH (Bühnentechnik)
BeSB GmbH, Berlin (Raumakustik)

2. Preis: Jo. Franzke Architekten, Frankfurt am Main

€ 12.000

Mitarbeit: Sandro Pino Cicatello, David Sauerwein
Fachberater: Ingenieurbüro Klöffel GmbH, Bruchköbel (Haustechnik)
proAV Consulting – Planungsbüro, Köln (Raumakustik)

3. Preis: Geier Maass Architekten GmbH mit Sroka Architekten, Berlin

€ 8.000

Ralf Sroka, Almut Geier, Enno Maass
Mitarbeiter: Lara Metell, Veit Eckelt (Rendering), Annette Müller (Modellbau)

Anerkennung: LCE BLONSKI ARCHITECTS, London (GB)

€ 4.000

Mitarbeit: Julian Löffler, Rubens Azevedo, Andrzey Blonski

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren gemäß VOF (20 Teilnehmer)
Preisgerichtssitzung 16.03.2011
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft, Kassel
Preisrichter Prof. Jörg Friedrich (Vorsitz), Prof. Anett-Maud Joppien, Martin Oster, Dr. Hans-Jürgen Pritzl, Jórunn Ragnarsdottir, Manfred Westenberger, Ursula auf der Heide, Edwin Schwarz, Prof. Dr. Felix Semmelroth, Klaus Vowinckel, Sylvia Weber

Gelandet im Theaterparadies
Die „Fliegende Volksbühne“ im Paradieshof Alt-Sachsenhausen

Sachsenhausen ist der nach Einwohner- und Flächenzahl größte Stadtteil der Main-Metropole Frankfurt. Und besonders Alt-Sachsenhausen ist bekannt als Ballungszentrum von Gaststätten und Ebbelwoi-Stuben und damit ein Anziehungspunkt für Touristen. Allerdings einer, in dem noch viele historische Gebäude saniert werden müssen und das auf der Suche ist, nach Nutzungen, die das Viertel jenseits der Trinkkultur aufwerten.

Nun soll mehr Kultur – und zwar Theaterkultur – zur Aufwertung beitragen: In der leerstehenden, heruntergekommenen Gaststätte „Paradieshof“ an der Paradiesgasse soll die „Fliegende Volksbühne“ landen. Damit erhielte das 2008 von Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Michael Quast gegründete zweite Frankfurter Volkstheater endlich eine feste Spielstätte in der Main-Metropole. Die Stadt erwartet davon die Belebung des Stadtteils und die Initiierung einer neuen Mitte Sachsenhausens.

In einem nichtoffenen, vom Büro ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel betreuten Realisierungswettbewerb wurden nun Lösungen gesucht für die Integration der neuen Volksbühne samt Theatercafé sowie Wohnungen auf dem nur 500 Quadratmeter großen Grundstück. Wichtige Anforderungen waren neben der eindeutigen Erkennbarkeit des Theaters auch die Einbindung in den historischen Kontext. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jörg Friedrich aus Hamburg machte unter den 18 eingereichten Vorschlägen sehr unterschiedliche Ansätze aus.

Die überzeugendste Lösung bot nach einstimmigem Votum der Preisrichter der Schweizer Architekt Max Dudler. Sein mit dem ersten Preis bedachter Entwurf gefiel vor allem durch den Umgang mit dem Bestand, seine Feinfühligkeit und die „klare städtebauliche Lösung“. Zwei gleichberechtigte, die Kleinteiligkeit Alt-Sachsenhausens aufgreifende Gebäudeteile bildeten mit ihrer Umgebung eine städtebauliche Einheit und seien eingebunden in den historischen Kontext. Der Westteil des bestehende Paradieshof aus den 1960er Jahren soll im Erdgeschoss das Café und in den Obergeschossen Wohnungen beherbergen, das Theater selbst wird in einem einfachen, klaren Satteldachhaus untergebracht. Neben der städtebaulichen und architektonischen Güte lobten die Preisrichter auch die innenräumlichen Qualitäten sowie die Wirtschaftlichkeit.

Rang zwei ging an Jo.Franzke aus Frankfurt am Main, der anstelle der heterogenen Bestandsbebauung ein dreigeschossiges Gebäude mit zweigeschossigem Walmdach vorschlägt. Die besondere Stärke des Entwurfes sahen die Preisrichter besonders im fließenden Übergang zwischen Außenraum, Foyer und Café des Theaters und den Wechselbeziehungen zwischen Innen und Außen. Auch die räumlichen und akustischen Qualitäten des Theatersaals bewerteten sie positiv. Das Gebäude selbst böte ein überzeugendes Energiekonzept, entspräche jedoch in seiner Kubatur nicht der kleinteiligen Umgebungsbebauung.

Den dritten Preis erhielt die Berliner Arge Geier Maas Architekten GmbH mit Sronka Architekten für ihren Entwurf einer „solitären, städtebaulichen Figur mit vielfältiger Differenzierung“. Der von ihnen vorgeschlagene Neubau greife die Kleinteiligkeit des Umfeldes auf und zeige „gute städtebauliche Ansätze“, so die Preisrichter. Sie würdigten besonders die vollständig verglaste, durch leichte Vor- und Rücksprünge gegliederte Fassade, wiesen aber auf mögliche Probleme dieser Gestaltung auf der Südseite und im Bereich der Wohnungen hin. Beim Theatersaal fehlten ihnen zudem „besondere Qualitäten in Bezug auf Form, Materialien und Atmosphäre“.

Das Preisgericht empfahl die Arbeit von Max Dudler zur Umsetzung, für den Umbau würden fünf Millionen aus dem bereits bestehenden Fördertopf zur Sanierung Akt-Sachsenhausens fließen. 2012 sollen die Bauarbeiten beginnen und bereits in der Spielzeit 2013, so hofft auch der Gründer des Theaters Quast, könne im historischen Stadtteil modernes Volkstheater dargeboten werden.

Katja Klenz