Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Medicum der J.W. Goethe-Universität, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: (Audimax) AV1 Architekten Butz Dujmovic Schanné Urig, Kaiserslautern

€ 13.100

Mitarbeit: Christina Rommel, Maryse Trautsch, Arnulf Bark, Jürgen Wittner
Fachberater: Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG, Herr Langhammer, Frankfurt

2. Preis: (Audimax) Ferdinand Heide, Frankfurt/Main

€ 8.187

Mitarbeit: Sandrina Schliemann, Karmen Peksec, Stefan Hirschfelder
Fachberater: Krebs und Kiefer, Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH, Franz Stranzky, Darmstadt

3. Preis: (Audimax) Kister Scheithauer Gross, Köln

€ 4.913

Prof. Susanne Gross
Mitarbeit: Paul Youk, Fritz Keuthen, Javier Torrens, Eric Mertens
Fachberater: Pirlet und Partner, Alexander Pirlet, Köln (Statik)
Zibell Wilner & Partner, Thomas Bühl-Nebel, Köln (Haustechnik)
Latz + Partner GbR, Burkhard Krüpe, Kranzberg (Freiraumplanung)
BFT Congos GmbH, Guido Müller, Aachen (Brandschutz)

Ankauf: (Audimax) HENN ARCHITEKTEN, München

€ 3.275

Prof. Dr. Gunter Henn

Mitarbeit: Fredrik Werner, Andreas Petzhold, Karolin Do
Fachberater: bwp Burggraf + Reiminger Beratender Ingenieure GmbH, Herr Kraus, München
Ingenieurbüro Mayer AG, Herr Mayer, Ottobeuren

Ankauf: (Audimax) lamott + lamott, Stuttgart

€ 3.275

Caterina Lamott, Prof. Ansgar Lamott
Mitarbeit: Heinz Stadler, Irene Kaul, Cand. Arch. Emil Iliev, Cand. Ing. Eileen Glaschick
Fachberater: Schreiber Ingenieure Stuttgart, Stuttgart (Tragwerk/ Hls/ Elektro/ Energieberatung)
Bobran Ingenieure Akustik und Bauphysik, Stuttgart (Bauphysik)
Möhrle + Partner, Prof. Hubert Möhrle, Stuttgart (Landschaftsarchitektur)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger beschränkt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem EU-weitem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 20.10.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober Land Hessen
Betreuung FSW Düsseldorf GmbH, Faltin + Sattler, Düsseldorf
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Rainer Mertes, Prof. Hans Nickl, Prof. Ivan Reiman, Inge Laste, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, Prof. Dr. Josef M. Pfeilschifter, Irene Bauerfeind-Roßmann, Guido Brennert

Audimax und Medicum
Das Frankfurter Klinikum wächst

Eigentlich war es ein Wettbewerb für zwei Gebäude. Das Klinikum auf dem Campus Niederrad der Goethe-Universität Frankfurt bekommt zum einen ein Audimax, einen Hörsaal mit 550 Plätzen. Zum anderen ist ein Lehr-, Lern- und Prüfungszentrum geplant, das Medicum. Räumlich liegen beide weit auseinander, und am Ende galt das auch inhaltlich für den beschränkt offenen Realisierungswettbewerb; auch er wurde gesplittet. Denn die Entwürfe der 21 Wettbewerber zu den zwei Gebäuden hatten jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen, sodass es sich anbot, die Arbeiten getrennt zu beurteilen.

Anschaulich dafür ist das Kaiserslauterer Büro AV1 Architekten Butz Dujmovic Schanné Urig. Sie erhielten den ersten Preis für ihren Audimax-Entwurf, beim Medicum hatten andere die Nase vorn. Immerhin wurde ihr Medicum-Vorschlag mit einem Ankauf gewürdigt. Was nun den Hörsaal anbelangt, so öffnet er sich nach Ihren Vorstellungen mit einer großen Glasfassade hin zum zentralen Platz des Klinikumsgeländes. Er ragt spielerisch über das große Foyer hinweg und fußt auf den Nebenraumzone der Rückseite des Foyers. Die architektonische Gestaltung an der Campusecke erhielt von den Preisrichtern, die unter dem Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali tagten und mit sieben zu zwei Stimmen für den Entwurf votierten, großes Lob, ebenso die Proportion des Hörsaals in der Gebäudekomposition, doch die Form des Saals wurde mit Blick auf den Lehrbetrieb als zu länglich eingeschätzt. Auch die Verkehrsflächen sollten bei der Überarbeitung verringert werden, und der Wunsch des Auslobers, des Landes Hessen, ist es, aus dem Hörsaalinneren eine Sichtbeziehung nach Außen herzustellen. Der zweite Audimax-Preis ging an Ferdinand Heide aus Frankfurt. Auch hier ist Glas Trumpf, die Sitze sind radial angeordnet, die Sichtbeziehung zur Stadt besteht, und der Bau orientiert sich zwar an dem vorhandenen Hörsaalgebäude, formuliert aber gleichzeitig selbst einen markanten „Drehpunkt“. Den dritten Preis ging an das Kölner Büro Kister Scheithauer Gross. Sie haben einen klaren, quadratischen Baukörper konzipiert, mit einem großzügigen Foyer als Eingangsgeste. Doch auch hier waren die Preisrichter nicht mit dem Hörsaal einverstanden, der ihnen wie beim Siegerentwurf zu lang gestreckt angelegt war.

Beim Lehr- und Prüfungszentrum am Rosengarten entscheid sich das Preisgericht einstimmig für den Entwurf der Stuttgarter Architekten wulf & partner. Sie schlagen angesichts der kleinteiligen Baukörperstruktur aus der Gründerzeit zwei unterschiedlich hohe Baukörper vor, die durch einen einfachen Versatz die Raumkanten der Nachbargebäude aufnehmen und den Eingang klar definieren. Die Fassade ist ebenfalls anspielend auf die Umgebung eingefärbt. Im Inneren ist der große Prüfungssaal fernab des Hauptbetriebes im Untergeschoss untergebracht und wird über einen Lichthof belichtet. Auch sonst zollte das Preisgericht den Ideen, wie die Nutzungsanforderungen umgesetzt wurden, großes Lob. Etwa dem Wechsel von 1- und 2- Fluranordnungen.

Ein zweiter Preis wurde für das Medicum nicht vergeben, dafür zwei dritte Preise. Zum einen an lamott + lamott aus Stuttgart, deren Audimax-Konzept auch mit einem Ankauf gewürdigt wurde. Sie gehen mit fünf Geschossen Richtung Rosengarten ziemlich in die Höhe, mit einem zurückgesetzten Erdgeschoss und klar gegliederten Obergeschossen, wahren aber mit nur drei Geschossen im rückwärtigen Bereich noch die Maßstäblichkeit. Beim ebenfalls drittplatzierten Berliner Architekten Max Dudler weist das Volumen einen Versatz auf und passt sich mit einer Natursteinfassade und dem Charakter eines Stadthauses gut in die Umgebung ein. Markant ist ein Lichthof, der sich vom Foyer durch den ganzen Baukörper zieht.

Das Projekt für Audimax und Medicum entsteht im Rahmen des Hochschulbauprogramms HEUREKA und soll 2011 an den Start gehen. Bis 2013 sollen dann die rund 3.500 Medizinstudenten, das sind etwa zehn Prozent aller Studenten der Goethe-Universität, von dem verbesserten Lehr-, Lern- und Prüfungsraumangebot profitieren.