Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Stadthaus am Markt

Preisträger

1. Preis: Martin Froh, Berlin mit Prof. Bernhard Winking Architekten, Berlin

€ 35.000

Mitarbeit: Michael Sägesser, Peter Seufert

2. Preis: Jan Kleihues, Berlin

€ 25.000

Mitarbeit: Johannes Kressner, Anna Liesicke, Stefan Märker, Soo-Jin Rim
Fachberater: Building Applications, Holger Krühne, Berlin (TGA)

3. Preis: Braun & Schlockermann und Partner GbR, Frankfurt/Main

€ 15.000

Helmut Braun, Martin Schlockermann
Mitarbeit: Moritz Kleisinger, Stefan Bach, Aydin Isik, Patricia Rogler, Katharina Schmelz, Aga Majczak

4. Preis: ARGE MEURER Architekten Stadtplaner Ing. PartG m. Christian Bauer & Associérs,(L)

€ 10.000

Mitarbeit: K. Meurer, J. Stein, Christian Bauer, Michael Feisthauer, Corentin Emprou, Frank Murawski, Achim Bursch

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 17.12.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt /Main
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Franz Pesch (Vorsitz), Dietrich Bangert, Michael Guntersdorf, Prof. Dr. Dr. Vittorio Lampugnani, Dieter von Lüpke, Florian Nagler, Felix Waechter, Dr. Heike Hambrock, Regina Fehler, Elke Sautner, Edwin Schwarz, Prof. Dr. Gerd Weiß, Klaus Vowinckel

Grundlagenforschung
Wettbewerb für das Frankfurter Stadthaus am Markt entschieden

Von "Eintracht" ist in Frankfurt in der Regel nur beim Fußball die Rede – und dort ist dann trotzdem eher "Zwietracht" gemeint. Nun kann Streitkultur etwas durchaus Positives sein. Bei Bauvorhaben ist mitunter einmal mehr kritisch nachhaken besser, als am Ende mit Stein gewordenen Tatsachen dazustehen. Zumal, wenn sie von zentraler Bedeutung für eine Stadt sind. So etwa im Falle des Stadthauses am Markt, wie der Arbeitstitel für die Neubebauung des Dom-Römer-Areals lautet.

Das Projekt der Überbauung des Archäologischen Gartens am Kaiserdom mit einem öffentlichen Gebäude, das die Mauerreste der ehemaligen karolingischen Königshalle museal präsentieren soll, wurde im Vorhinein stark diskutiert. Kaum lösbar die Aufgabenstellung, hieß es etwa, und in der Tat waren die Architekten ungewöhnlich gefordert: Das neue Gebäude muss – die mittelalterlicher Enge war Absicht – unmittelbar an eine kleinteilige, historisierende Giebelhausreihe anknüpfen, innerhalb derer zwei Fachwerkhäuser rekonstruiert werden sollen und die auf dem Gelände des Technischen Rathauses entstehen sollen, wenn dieses abgerissen ist. Das Ganze im Schatten des Doms, in unmittelbarer Nachbarschaft zur postmodernen Schirn und zum jüngst fertig gestellten "Haus am Dom". Insofern war zu erwarten, dass die Diskussion auch nach dem Wettbewerb nicht abebben würde.

Die Preisrichter kürten das Berliner Büro Prof. Bernhard Winking Architekten mit Martin Froh einstimmig zum Sieger, weil sie das dreistöckige Stadthaus aus der Aula Regia, der Königshalle entwickeln, es auf diesen Bereich durch ein reduziertes Raumprogramm beschränken und Platz lassen für eingelassene Bodenfenster mit Blick auf das überdeckte Denkmal. Das Gebäude fällt trotzdem stattlich und zeitgemäß aus, ist also in der Lage zwischen Schirn und den Bürgerhäusern zu vermitteln. Zur Schirn hin entstehen großzügige Platzräume, die vom Preisgericht mit Prof. Franz Pesch als Vorsitzendem kontrovers diskutiert wurden.

Beim zweitplatzierten Büro Jan Kleihues, gleichfalls Berlin, stach die Idee heraus, sich die Kleinteiligkeit der mittelalterlichen Strukturen mit ihren Versprüngen und Faltungen zunutze zu machen. Sie spiegeln diese in ihrem Baukörper und schaffen so einen korrespondieren Block zu der rekonstruierten Sechser-Zeile. Die Maßstäblichkeit der Bürgerhäuser greift auch der drittplatzierte Entwurf auf, den Braun & Schlockermann und Partner GbR aus Frankfurt vorlegten. Sie setzen wie der Siegerentwurf auf ein geringeres Bauvolumen bei ihrem langgezogenen Stadthaus und auf eine ausgeprägte Eingangssituation zum Domplatz hin, die viel Anklang fand.

Diesbezüglich konnte der Siegerentwurf nicht punkten. Hier mahnte das Preisgericht die versteckte Lage und Größe zur Überarbeitung an, ebenso wie die Überlegungen zur Situation an der Bendergasse mit Treppe, Rampe und Podest und eine räumliche und funktionale Optimierung des Inneren. Räume wie Foyer und Saal, die für die multifunktionale Begegnungsstätte bzw. das Besucherzentrum zentral sind, wertete das Preisgericht hingegen als gut proportioniert und vermerkte, dass sie attraktiv zu Dom bzw. Schirn orientiert seien. Reizvoll sind auch die ruhigen Lochfassaden, deren enge vertikale Teilung aufs mittelalterliche Fachwerk anspielt.

Wie man auch immer zu dem Projekt als Ganzem steht: Der nichtoffene Wettbewerb, an dem 30 Büros teilnahmen, darunter neun allein aus Berlin, hat für erste Klarheit geschaffen, was vor Ort bei eng gesteckten Bedingungen möglich ist.