Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Fassadenwettbewerb Königsplatz, Kassel

Preisträger

1. Preis: ANP Architektur & Planungsges. mbH, Kassel

€ 6.000

Michael Bergholter
Mitarbeit: Robin Mai, Laura Bachsleitner, Farshad Ansari, Harald Pinper
Fachberater: Reitz und Pristl Ing.-Ges.mbH, Dieter Pristl, Kassel

2. Preis: Bieling u. Partner Architekten, Kassel

€ 4.000

Prof. Thomas Bieling, Kurt Bieling
Mitarbeit: Guido Roth, Katrin Kappes

3. Preis: Schultze + Schulze Architekten, Kassel

€ 2.000

Prof. Wolfgang Schulze, Hans-Uwe Schultze Mitarbeit: Sven Rühlmann, Heinz-Josef Geissen, Klaus Nörtemann, Murat Mulayimoglu
Fachberater: HAZ Beratende Ingenieure GmbH, Thomas Zimmermann, Kassel

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 26.11.2009
Ort Kassel
Auslober Grundinvest Kö GmbH, Göttingen
Betreuung Stadtprojekt 24 GmbH, Leipzig
Preisrichter Prof. Berthold Penkhues (Vorsitz), Reinhard Paulun, Alexander Reichel, Tobias Lemensiek, Prof. Hans Joachim Neukäter

Besondere Torsituation
Eine neue Fassade für den Kasseler Königsplatz

Am Kasseler Königsplatz geht es architektonisch derzeit buchstäblich rund. An dem 1767 angelegten, kreisrunden Zentrum der documenta-Stadt wurde das Gebäude City-Point mit vielen neuen Läden gerade umgebaut, die Zukunft des denkmalgeschützten Henschelshauses wird heiß diskutiert, und das ehemalige Overmeyer-Haus bekommt eine neue Fassade.

Was letzteres Gebäude anbelangt, so hat die neue Besitzerin, die Göttinger Grundinvest Kö GmbH, einen Wettbewerb zur Gestaltung der Fassade des Hauses an der Ecke Königsplatz/Untere Königsstraße ausgelobt. Sie entspricht damit dem Wunsch der Stadt, die großes Interesse an der Aufwertung des Platzes hat.

Sieben Büros hatten an dem nichtoffenen Wettbewerb teilgenommen, darunter fünf aus Kassel. So auch die ANP Architektur & Planungsgesellschaft mbH, die den Siegerentwurf plante. Ihre Leitidee zielt auf das klassisch-zurückgenommene Büro- und Geschäftshaus ab, das vor allem Ruhe ausstrahlt, im Idealfall gar Noblesse. Angesichts der Werbefronten, die den benachbarten City-Point, aber auch andere Gebäude am Platz prägen, eine durchaus nachvollziehbare Akzentsetzung. Denn wenn Fassadenwerbung hier wirken soll, wenn das ganze Gebäude auf sich aufmerksam machen soll, dann nicht, indem man Neon-Buntes zu toppen versucht, sondern durch Wertigkeit.

Vergleichbares, was die Qualität anbelangt, gilt auch für den zweitplatzierten Entwurf, eingereicht von Bieling und Partner Architekten, gleichfalls aus Kassel. Sie übernehmen die vorhandene Kubatur, übertragen sie in einen monolithischen Baukörper mit einheitlicher Natursteinverkleidung und beziehen die Gestaltung auf das Bankgebäude an der gegenüberliegenden Platzecke. Das Fehlen eines Werbekonzepts merkte das Preisgericht, dem Prof. Berthold Penkhues vorstand an, lobte aber Stimmigkeit und Individualität. Die gekonnte Verwendung von Material und Konstruktion beim drittplatzierten Kasseler Büro, Schultze + Schulze Architekten, fand ebenfalls Anklang. Allerdings zeigten sich die Preisrichter skeptisch, was die Verwendung der am Königsplatz zwar vorhandenen „Vitrinenelemente“ anbelangte. Diese würden jedoch den Ausdruck eines zweigeschossigen Handelshauses einschränken.

In dieser Hinsicht hatte hingegen der Siegerentwurf seine Stärke. Die Fassade wird klar und regelmäßig in offene und geschlossene Flächen gegliedert, als Material wird eine helle Muschelkalkverkleidung vorgeschlagen mit langen horizontalen Platten, die mit dem Rund des Platzes korrespondieren. Bei einer weiteren Bearbeitung sei allerdings zu prüfen, ob man nicht doch eine echte Natursteinfassade verwenden solle. Das würde dann auch der Überlegung der Gewinner, nämlich eine Raumkante mit einem Haus „aus Stein gebaut“ zu erzeugen, näher kommen. Noblesse oblige also.

Aufgehen dürfte aber in jedem Fall das Vorhaben, in ein Wechselspiel und in Kontrast zum gläsernen City-Point zu treten, um so eine besondere Torsituation an diesem besonderen Ort herzustellen.