Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Altenpflegeeinrichtung in Hausgemeinschaften, Kassel-Unterneustadt

Preisträger

1. Preis: h4a Gessert + Randecker Architekten, Stuttgart

€ 16.000

Martin Gessert, Albrecht Randecker
Mitarbeit: Martin Maxa, Frank Trefzer, Jiulie Scheffler

2. Preis: ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart GbR, Stuttgart

€ 10.000

Ralf Horn
Mitarbeit: Brigitte Mandt, Christian Pälmke

3. Preis: foundation 5+ architekten, Kassel mit Claus Wienke (SPRENGWERK, Kassel)

€ 6.000

Mitarbeit: Matthias Foitzik, Daniel Spies, Ulli Rüsing

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 13.11.2009
Ort Kassel-Unterneustadt
Auslober Sozialgruppe Kassel e.V.
Betreuung NH ProjektStadt, Kassel
Preisrichter Hans-Uwe Schultze (Vorsitz), Prof. Maya Reiner, , Felix Waechter, Ilona Caroli, Petra Röken

Den Alltag erleichtern
Die Sozialgruppe Kassel e.V. baut ein neues Altenpflegehaus

Im Renthof, Kassels ältestem noch bewohnten Gebäude, betreibt die Sozialgruppe Kassel e.V. seit 70 Jahren ein Seniorenzentrum. Doch da der Unterhalt zu teuer ist und das historische Gebäude keine Entwicklungsmöglichkeiten bietet, will der Verein umziehen. Auf einem der letzten unbebauten Grundstücke am Unterneustädter Kirchplatz soll die neue Heimat entstehen: ein Wohn- und Pflegeheim für etwa 80 Bewohner in sechs bis sieben Hausgemeinschaften und zehn Einzelappartments. Die Lage des 1.600 qm großen Areals am städtebaulich markanten ovalen Platzes ist reizvoll. Und auch wenn Höhe und Kontur des neuen Gebäudes durch den Bebauungsplan weitestgehend vorgegeben waren, so verlangt das im Krieg zerstörte Gebiet durch die Wiederbebauung gestalterisch hohe Anforderungen.

Um die ging es beim Realisierungswettbewerb, den die Sozialgruppe Kassel ausgelobt hatte. Erfüllt hat sie unter den zwölf Teilnehmern vor allem das Stuttgarter Büro h4a Gessert + Randecker Architekten. Die Idee: Das neue Gebäude bildet zum Unterneustädter Kirchplatz mit einem fast über die ganze Front zurückgenommenen Erdgeschoss und der „Stadtloggia“ in den Obergeschossen einen signifikanten Stadtbaustein. Hinzu kommen gestaffelte Gärten und Balkone nach Westen, die ebenso die Identität des Gebäudes prägen. Der zweite Preis ging ebenfalls in die Baden-Württembergische Hauptstadt, an die ARP Architektenpartnerschaft Stuttgart GbR. Sie setzen auf zwei gleichwertige Zugänge vom Stadtplatz aus, auf Dach- und Wintergärten und bieten vor allem bei den Aufenthaltsbreichen mit Quartiersbezug eine hohe Qualität. Platz drei ging an foundation 5+ architekten mit Claus Wienke, Kassel. Sie schlagen einen Schlussstein mit klar strukturierter Fassade zum Platz vor, dessen geneigtes Pultdach zwischen den unterschiedlichen Geschosshöhen zum Quartier hin vermittelt.

Der Siegerentwurf punktete mit seiner klaren inneren Gliederung, mit dem Kombinieren verschiedener Nutz- und Wohnformen und vielfältigen Blickbezügen. Im Erdgeschoss befinden sich die zentralen Einrichtungen (Empfang, Verwaltung, großer Saal) sowie eine Bäckerei mit Straßenverkauf – letzteres war auch eine Ausschreibungsbedingung, um den Bewohnern so viel Alltag wie möglich zu bieten. Die Zustimmung der Preisrichter unter Vorsitz von Hans-Uwe Schultze fand zudem das zweigeschossige Foyer und die Aufteilung von je zwei Hausgemeinschaften pro Geschoss auf die Gebäudeflügel, während sich im Mittelbereich eine großzügige Erschließung mit Bezug zur Stadtloggia findet. Die Wohngruppen haben Wohnzimmer mit gut proportionierten und differenzierten Aufenthaltsbereichen, etwa den Essbereich mit Bezug zu vorgelagerten Wohnloggien oder die Kaminzimmer mit Blick auf den Platz. Die Kommunikation, wichtigstes Lebens-Mittel älterer Menschen, wird allerorten begünstigt, der Alltag strukturell erleichtert.

Das Projekt soll 2011 an den Start gehen. Und es wird alte Menschen weiter aktiv am Leben teilhaben lassen. Dafür ist gesorgt – mit guten Vernetzungen nach innen wie nach außen.