Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Tagungshotel Kloster Haydau, Morschen

Preisträger

1. Preis: Jan Störmer Partner GbR, Hamburg

€ 17.500

Jan Störmer
Mitarbeit: Matthias Latzke, Jan Schiemann, Birgit Brandegger, Christine Fuhrmann
Fachberater: Ingenieurbüro Dr. Binnewies Ingenieurges. mbH,
Dr. Christian Böttcher, Hamburg (Tragwerksplanung)
relais Landschaftsarchitekten BDLA, Gero Heck, Marianne Mommsen, Berlin

2. Preis: Tore Pape (POOL 2 Architekten), Kassel

€ 12.000

Pool 2 Architekten
Fachberater: Reitz + Pristl, Kassel (Tragwerksplanung)

3. Preis: Oskar Leo Kaufmann│Albert Rüf Ziviltechniker GmbH, Dornbirn (A)

€ 9.000

Oskar Leo Kaufmann
Mitarbeit: Johannes Staudt

4. Preis: Staab Architekten GvAmbH / Levin Monsigny Ges. von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

€ 6.500

Volker Staab, Axel Hermening
Mitarbeit: Antje Bittorf, Lukas Oelmüller, Veit Eckelt, Bettina Schriewer, Annette Leber, Lisa Tiedje

Anerkennung: Ortner & Ortner, Gesellschaft von Architekten mbH, Köln

€ 5.000

Prof. Laurids Ortner
Mitarbeit: Christian Heuchel, Sebastian Wiswedel, Tobias Eneytag
Fachberater: FSW, Düsseldorf (Freiraum)
imagine envelope, Delft (Fassade)
Transsolar, Stuttgart (Haustechnik)
imagine structure, Frankfurt (Tragwerk)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 05.10.2009
Ort Morschen
Auslober B. Braun Medical AG, Melsungen
Betreuung Planungsgruppe Bau + Energie, Kassel
Preisrichter Prof. Carlo Weber (Vorsitz), Manuel Schupp, Prof. Ulrike Lauber, Karl Frey, Tobias Mann, Prof. Dr. h.c. Ludwig Georg Braun / Prof. Alexander Eichenlaub, Dr. rer. pol. Heinz-Walter Große, Martin Lüdicke, Herbert Wohlgemuth, Dr. Bernd Zimmermann

Im 4-Sterne-Kloster
Kloster Haydau bekommt ein neues Tagungshotel

Von unruhigen Zeiten profitieren ruhige Orte. Es ist noch nicht lange her, dass in der Spaßdekade nach dem Mauerfall Tagungsorte gar nicht ausgefallen genug sein konnten und spektakuläre Incentives der Bonus für jedermann waren. Klöster büssten zwar ihre Beliebtheit als Treffpunkt nicht wirklich ein, aber Kontemplation, Integrität und Geschichtlichkeit standen nicht an erster Stelle bei Unternehmen, unter denen sich selbst solche mit nur zehn Mitarbeitern schon auf dem Weg zur Welt-AG sahen. Heute ist, wenn es sich nicht gerade um eine Bank handelt, Bodenhaftung auch in höchsten Etagen wieder Trumpf, global und regional werden nicht mehr gegeneinander ausgespielt.

Letzteres war bei der B. Braun Medical AG im nordhessischen Melsungen ohnehin nie der Fall. Die soliden Nordhessen, weltweit führend bei Medizinbedarf (Stichwort: die „Braunüle“), folgen dem Prinzip „global denken, lokal handeln“. Jüngstes Beispiel: das geplante Seminarzentrum unweit des in Altmorschen gelegenen Klosters Haydau. Das erklärte Ziel des Familienunternehmens mit über 38.000 Mitarbeitern: Weiterbildungskapazitäten sollen nahe der Konzernzentrale gebündelt, die Kultur und Identität des Unternehmens erlebbar gemacht werden.

Ein nichtoffener Realisierungswettbewerb hat nun den Entwurf für das geplante Tagungshotel mit rund 130 Gästezimmern, Restaurant und Spa erbracht. Bei den Überlegungen der 19 Teilnehmer zeichneten sich zwei grundsätzliche Lösungsvorschläge ab: Zum einen wurden lineare Baukörper längs der Nordgrenze des Klosterareals favorisiert oder aber eine kompaktere Bebauung näher am Klostergebäude – verbunden mit dem Risiko, der Kirche buchstäblich zu nahe zu treten. Der Siegerentwurf fällt in die erste Kategorie. Das Hamburger Büro Jan Störmer Partner GbR adaptiert mit seinem lang gezogenen Baukörper und seiner markanten Fassade und der frei komponierten Fenstersetzung, den Charakter der Klostermauer bzw. scheint über ihr zu schweben und setzt diese strukturell fort. Das Ensemble wird zur harmonisch abgeschlossenen Einheit. Platz zwei ging an Tore Pape aus Kassel. Sein stärker auf Symmetrien setzendes Gebäude deckt nicht die ganze Nordseite ab, geht dafür mehr in die Breite. Der kompakte Bau fügt sich in die Geometrie des Areals, schafft außen schöne Blickachsen, während er innen klösterliche Strenge walten lässt. Den dritten Preis verliehen die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Carlo Weber an Oskar Leo Kaufmann/Albert Rüf Ziviltechniker GmbH aus dem österreichischen Dornbirn. Auch sie entwickeln ein „schwebendes“ Gebäude entlang der historischen Klostermauer, die durch das verglaste Erdgeschoss sichtbar bleibt.

Der Gewinnerentwurf stellt Kloster und Kirche mit seiner modernen Form kontrapunktisch in den Mittelpunkt und schafft mit dem Freiraum zwischen Kirche und Hotel einen neuen öffentlichen Raum. Der Zugang erfolgt konsequent über das historische Tor. Im Hotel sind die Suiten im Staffelgeschoss angeordnet, mit Dachterrasse, und das Gebäude erscheint dadurch niedriger. Im Erdgeschoss wird der Geländesprung gut genutzt. Dort befinden sich Aufzüge und eine großzügige Haupttreppe. Die Mauer ist ebenfalls gut integriert, trennt beispielsweise mit ihrem bestehenden Durchgang Foyer und Spa. Der Spa-Bereich allerdings ist knapp bemessen, und auch bei der Raumaufteilung und dem funktionalen Zusammenspiel zwischen Hotel und Kloster wird es noch weiteren Feinschliffs bedürfen.

Wenn das Hotel und die historischen Wirtschaftsgebäude des Klosters, die noch restauriert und zu Seminarräumen umgebaut werden, zu einem Seminarzentrum verschmelzen, sind architektonisch alle Bedingungen gegeben, um den Spagat zwischen Traditionsunternehmen und Global Playertum anschaulich zu machen, zwischen sinnlicher Kontemplation und ökonomischer Konzentration. Übrigens ein sehr angenehmer Spagat: Das Hotel wird einen 4-Sterne-Standard haben.