Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau eines Büro-Passivhauses in Cölbe

Preisträger

1. Preis: Freitag Hartmann Sinz Architekten, Berlin

€ 19.000

Christian Hartmann, Reiner Sinz
Mitarbeit: Vanessa Mader
Fachberater: Prof. Friedrich Sick (Energiekonzept)
Prof. Michael Staffa (Tragwerksplanung)

2. Preis: HHS Planer + Architekten AG, Kassel

€ 14.000

Günter Schleiff
Mitarbeit: Andreas Schöner, Andreas Wiege
Fachberater: energydesign braunschweig GmbH, Mathias Schlosser, Thomas Wilken, Braunschweig (Energiekonzept)
Latz- Riehl- Partner, Alexander Gössel, Kassel (Landschaftsplanung)

3. Preis: Benthem Crouwel GmbH, Aachen

€ 9.000

Markus Sporer
Mitarbeit: Anna Gerlach, Daniel Vlasveld, Daniel Jongtien, Amir Farokhian, Carel Weber, Benedikt Krienen
Fachberater: Bähr Ingenieure GmbH, Harald Kees, Köln (technische Planung)
ISRW Dr.- Ing. Klapdor GmbH, Gernot Kubanek, Düsseldorf (Bauphysik)

4. Preis: Michaelsen ∙ Hermet Partnerschaft Freie Architekten, Stuttgart

€ 6.000

Ute Michaelsen, Joachim Hermet
Mitarbeit: Felix Althanns, Till Herrmann, Bettina Lachenmaier
Fachberater: Stahl und Weiß Büro für Sonnenergie, Wilhelm Stahl, Freiburg (Energiekonzept)
Gauger und Partner Beratende Ingenieure, Ulrich Metzger, Filderstadt (Tragwerksplanung)
Dmitry Boykov, Stuttgart (Visualisierung)

Anerkennung: dk architekten, Stuttgart

€ 4.500

Axel Dorner, Elmar König
Mitarbeit: Marco Tschöp

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 08.09.2009
Ort Cölbe
Auslober Wagner & Co. Immobilien GmbH, Cölbe
Betreuung Drees & Huesmann . Planer, Bielefeld
Preisrichter Prof. Georg Seegräber, Prof. Carlo Weber (Vorsitz), Jörg Weinbrenner, Christoph Biba, Klaus Schweitzer , Ulrich Rustige

Die Sonnenscheibe von Cölbe
Neues Passivhaus-Bürogebäude für Solartechnikfirma

„Immer Sonnenschein macht die Wüste“, lautet ein arabisches Sprichwort. Im nordhessischen Cölbe, nahe bei Marburg gelegen, ist das hingegen die Grundlage für eine ziemlich blühende „Wüste“. Denn dort hat sich die Firma Wagner ganz der Sonne verschrieben. Der Hersteller von Solarsystemen ist mittlerweile einer der größten deutschen Anbieter solcher Systeme. Was an sich noch nicht erwähnenswert wäre, wäre nicht das Ungewöhnliche seit je so etwas wie das Prinzip des Unternehmens: Angefangen bei den Marburger Studenten, die das Unternehmen vor dem Hintergrund der Anti-AKW-Bewegung 1979 gründeten – und bei denen noch Vollbärte dominierten, die nahtlos in Wollpullis übergingen, bis hin zu den flachen Hierarchien, die das Unternehmen bis heute prägen: Wagner & Co ist qua Selbstbeteiligungsmodell fest in Mitarbeiterhand.

Entsprechend ungewöhnlich sollte der Neubau für rund 100 Büroarbeitsplätze ausfallen, geplant auf einem Terrain, das unweit desjenigen liegt, auf dem sich das bestehende Hauptverwaltungsgebäude befindet – vor etwas über zehn Jahren das erste Passiv-Bürogebäude in Europa. Das neue Haus muss die Firmenphilosophie widerspiegeln und soll innovativ gebaut sein – natürlich auch als Passivhaus mit aktiver Solarnutzung. Und das Ganze soll im Rahmen einen Architektenwettbewerbs stattfinden – was wiederum erwähnenswert ist, ist dies doch im privatwirtschaftlichen Bereich nicht selbstverständlich.

Gelöst hat die Aufgabe das Berliner Büro Freitag Hartmann Sinz. Sie belegten unter den 18 Teilnehmern des nichtoffenen Wettbewerbs den ersten Platz für einen zweigeschossigen Rundbau, der im Inneren auf kurze Wege setzt und in der Raumanordnung auf Hierarchien verzichtet. Auf den zweiten Platz kam die HHS Planer + Architekten AG aus Kassel, die mit einem kammartig angeordneten dreiteiligen Gebäude aufwartete. Es zeichnet sich durch den Gestus großer Leichtigkeit und eine geschickte Verknüpfung mit dem „Bauer-Tower“ aus – einem Altbestandsbürogebäude, für das auch ein neues Fassadenkonzept Bestandteil der Wettbewerbsaufgabe war. Der Entwurf des dritten Preisträgers, die Aachener Benthem Crouwel GmbH, ging klassischere Wege: Der Neubau lehnt sich an die klare Kubatur des „Bauer-Towers“ an, variiert sie aber durch eine „Drehung“ in der eigenen, quadratischen Form.

Was für den Rundbau-Siegerentwurf spricht, ist der Anklang an das eigentliche Wagner-Hauptgebäude, dessen langgezogene Form mit einem halbkreisförmigen Vorbau beginnt. Und natürlich waren firmenrelevante Assoziationen wie „Sonnenscheibe“ oder „Kreis = enge Gemeinschaft“ durchaus erwünscht. Die Arbeits- und Besprechungsräume liegen außen, es folgt ein Zwischenring mit Nebenräumen, und alles zentriert sich um einen großzügigen und öffentlich zugänglichen Innenbereich, der über beide Stockwerke hinweg offen ist und über den die Belichtung erfolgt. Als Baustoffe werden vor allem Lehm und Holz verwendet.

Die Preisrichter unter dem Vorsitz von Prof. Carlo Weber lobten das trotz des großen Atriums günstige Verhältnis von Raum- und Nutzfläche, sahen den Passivhausstandard als unproblematisch umsetzbar an und schätzten die aktive Solarenergienutzung als innovativ, wenngleich von außen schlecht ablesbar ein.

Vor allem aber die Erweiterungsoptionen des Gebäudes sehen vielversprechend aus. Noch zwei weitere Rundbauten gleichen Typs sind avisiert, verbunden würden sie durch eine Fahrradüberdachung von geometrische Strenge, die gut zu den runden Formen passt und die zudem mit Testflächen zur Forschung ausgestattet ist. Das Ensemble bekommt als Ganzes trotz materialbedingter Bodenständigkeit etwas Futuristisches – was immer noch zu Solarenergie passt, die auch nach dreißig Jahren vielerorts in den Köpfen noch nicht angekommen ist.