Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kindertagesstätte Rotdornstraße in Bad Nauheim

Preisträger

1. Preis: hhp ObjektPlan (Hansmann, Heise, Partner), Frankfurt / Main

€ 8.000

Birka Heise, Rolf Hansmann
Mitarbeit: Peter Brändle, Yandry Pringadi, Nadja Brückner, Sinem Metin
Fachberater: EXTERN Garten- und Landschaftsarchitektur, Berlin
H. Kluth, F. Protzmann (Freiflächen)
Martin Schulz, Georgenborn (Statik)

2. Preis: Architekten Müller & Kölsch, Friedberg

€ 5.000

Matthias Kölsch, Claudia Kölsch, Peter A. Müller
Mitarbeit: Hans-Bernd Adolph, Martina Reitz
Fachberater: DUO Ingenieurbüro, Wiesbaden
Thilo Bauschke (Haustechnik)

3. Preis: architektei mey GmbH, Frankfurt / Main

€ 3.000

Bernd Mey
Mitarbeit: Peter Ritter, Adrienne Viertel, Anselm Baumann (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 05.08.2009
Ort Bad Nauheim
Auslober Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Nauheim
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Jürgen Patscha, Prof. Kerstin Schultz, Peter scheibel, Peter Krank, H.-Peter Schäfer, Bernd Witzel

Kita statt Reha
Neue Kindertagesstätte für Bad Nauheim

Bad Nauheim kennt man als Kurstadt, als Nobelort vor den Toren Frankfurts mit vielen prächtigen Jugendstil- und Gründerzeitbauten (Stichwort: Sprudelhof), dort hat ein international renommiertes Herzzentrum seinen Sitz – mit andern Worten, hier ist eher Reha angesagt als Kita. Damit tut man der Stadt mit ihren etwas über 30.000 Einwohnern zwar etwas Unrecht, zumal tatsächlich bereits ein Bedarf an Kindertagesplätzen besteht. Und der wird sich erhöhen, denn auf dem ehemals von den US-Amerikanern als „Housing Area“ genutzten Gelände östlich der Frankfurter Straße entsteht ein neues Wohngebiet. Und das bedeutet mehr junge Familien, also mehr Kinder.

Darauf – und auf die gesetzliche Verpflichtung, Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bereit zu halten – hat die Stadt reagiert und gemeinsam mit der Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH einen Einladungswettbewerb für eine Kita in der Rotdornstraße ausgelobt. Als Sieger ging unter den elf Teilnehmern das Frankfurter Büro hhp ObjektPlan (Hansmann, Heise, Partner) hervor. Die Entscheidung der Preisrichter unter Vorsitz von Joachim Klie fiel einstimmig. Der Entwurf nimmt die Bauflucht der bestehenden Schule auf, mit der auch an den Außenflächen ein Kontakt möglich ist. Zu den erschließenden Straßen (neben der Rotdornstraße zählt dazu die Blumenstraße) hingegen erfolgt ein klarer Abschluss. Auf den zweiten Platz kam der Entwurf der Architekten Müller & Kölsch aus dem benachbarten Friedberg. Auch ihnen gelingt die Verknüpfung mit dem Schulhof, die Zweigeschossigkeit ist gut gelöst, die Gruppenräume sind alle ebenerdig angelegt, doch an der Frage „Ein oder zwei Geschosse?“ scheiden sich die Kita-Geister immer. Die drittplatzierte architektei mey GmbH aus Frankfurt orientiert sich mit ihrem Gebäude längsseitig vollständig an der Blumenstraße, die Gruppenräume reichen als kleine Einzelhäuser in einen großzügigen Freibereich.

Die etwa 100 Kinder (geplant sind drei Gruppen à 25 Kinder und zwei Kleinkindgruppen à 10 Kinder), für die die Kita angelegt sein soll, werden beim Siegerentwurf den großen Spielflur lieben (ErzieherInnen mögen’s meist kleiner, dann fällt der Aktionsradius durch die Gegend rutschender Kids etwas kürzer aus), von dort gibt es auch einen direkten Zugang zum Mehrzweck- und Speiseraum. Das Gebäude geht, die abfallende Topographie ausnutzend, räumlich in die Tiefe, lässt aber genügend Außenbereich, bei dem es dann noch mehr zum Toben geben wird, Klettermöglichkeiten vor allem.

Wichtiger aber ist, dass die geforderte räumliche Flexibilität vorhanden ist, dass also Gruppenräume unterschiedlich aufgeteilt werden können, ohne die laufende Betreuung zu stören. Das wiederum ist dank der Eingeschossigkeit möglich sowie durch die Anordnung der zwei Eingänge. Ein Eingang wird durch die Torgeste besonders hervorgehoben. Zu einem „Hervorragend gelöst“ ließ sich das Preisgericht angesichts der Erschließung von beiden Straßen sowie der Überlegung hinreißen, dass man den Innenbereich über einen Nebeneingang separat erreichen kann. Dass der Entwurf schließlich auch noch zu den kostengünstigen Beiträgen des Wettbewerbs zählt, dürfte das Zünglein an der Waage gewesen sein.