Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Gymnasium Riedberg, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Ackermann & Raff, Stuttgart mit Pfrommer + Roeder, Stuttgart

€ 56.700

Ulf Roeder
Mitarbeit: Alex Lange, Oliver Braun, Carmen Becker, Sarah Schröder, Hendrik Scholz

2. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt am Main mit Hanke.Kappes + Kollegen GmbH, Sulzbach

€ 37.800

Mitarbeit: Sandrina Schliemann, Marie Geisel, Margarete Schimmelpfeng

3. Preis: Auer + Weber + Assoziierte, München mit Jörg Stötzer, Stuttgart

€ 25.800

Philip Auer
Mitarbeit: Martin Janik, Christian Richardt, Luisa Jünger
Fachberater: CBP, München (Tragwerksplanung/Haustechnik)
Rainer Sonntag, München (Brandschutz)

4. Preis: Hausmann Architekten GmbH, Aachen mit Club L94, Köln

€ 17.200

Prof. Frank Hausmann
Fachberater: PG3, Norbert Stärz, Pfungstadt (Gebäudetechnik)
Kempen Krause Ingenieure, Aachen (Brandschutz)
Rendertaxi, Aachen (Visualisierung)

Anerkennung: Glaser Architekten GmbH, München mit Freiraumplanung Kübert, München

€ 8.625

Wolfgang Glaser, Horst Kübert
Mitarbeit: Bettina Kirchner
Fachberater: Dr. Rausch, Germering(Tragwerk)
IB Hausladen, Kirchheim (Haustechnik)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 09.07.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober HA Hessen Agentur GmbH
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien, Jochen Krehbiel, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Prof. Ariane Röntz, Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Ludwig Wappner, Jutta Ebeling, Dierk Hausmann, Norbert Landshut, Joachim Lenz, Ute Sauer

Gut gegliedert
Das neue Gymnasium in Frankfurt Riedberg

Ganztagsschule – klingt gut, doch nicht immer halten traditionelle Schulen, die in diese Richtung umstrukturiert worden sind, was der Begriff verspricht. Dabei geht es gar nicht um fehlendes Personal oder ausreichende Angebote einer Nachmittagsbetreuung. Es geht um Grundsätzliches – um Raum. Für Küche, Kantine, Freizeit. Wie soll das auch gehen, wenn zum Beispiel eine Schule bei laufendem Betrieb mit 1.500 Schülern auf einmal ein Mittagessen für alle anbieten soll, aber nur zwei, drei alte Klassenräume umnutzen kann, in denen gekocht wird und in denen vielleicht gerade mal 50, 60 Kinder gleichzeitig essen können? Ein Schiff kann man nur zum Teil bei voller Fahrt auf hoher See umbauen. Wer mehr will, braucht ein Trockendock.

Im Idealfall ist das Trockendock ein Neubau, bei dem alle Faktoren für eine Ganztagschule vorher feststehen. Wie etwa in Frankfurt. Dort reagiert man auf die wachsende Zahl an Gymnasiasten. Die übersteigt das Angebot bei weitem, was auch nicht mehr durch zusätzliche Klassen an anderen Schulen kompensiert werden kann. Und so baut Frankfurt – zum ersten Mal seit 100 Jahren –am Riedberg ein neues, ganztagsschultaugliches Gymnasium. Es wird das größte Gymnasium der Mainmetropole sein: für 1.350 Schüler. Das 48-Millionen-Projekt soll bis 2011/2012 realisiert werden.

Den von der HA Hessen Agentur GmbH ausgelobten, nichtoffenen Wettbewerb mit 22 Teilnehmern hat das Stuttgarter Büro Ackermann & Raff gewonnen. Ihr Vorschlag (in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten Pfrommer + Roeder, ebenfalls Stuttgart) für Gymnasium, Jugendhaus und Dreifeld-Sporthalle überzeugte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali durch seine einfache, aber wirkungsvolle Gestaltung. Das Ensemble wird von einer zentralen Schulstraße geprägt, die einzelnen Schulbereiche sind zueinander kammartig verschachtelt. Großes Lob seitens des Preisgerichts erhielten auch die Beiträge von Ferdinand Heide, Frankfurt, mit Hanke.Kappes + Kollegen GmbH, Sulzbach (Platz zwei) sowie Auer + Weber + Assoziierte, München, mit Jörg Stötzer, Stuttgart (Platz drei). So sahen die Lokalmatadoren aus Frankfurt vor, die Stadtstruktur fortzuschreiben – mit zwei kompakten Blockelementen, die zugleich Straßen, Plätze und Parkanlagen fassen. Und die Überlegungen aus München zielten auf ein kompaktes, skulptural gegliedertes Gebäude mit einer daran anschließenden halb eingegrabenen Sporthalle ab.

Im Laufe der Preisgerichtssitzung zeichnete sich ab, dass vor allem die städtebauliche Einbindung wichtig war. Das ist insofern relevant, als der Schwerpunkt des Gymnasiums im naturwissenschaftlichen Bereich liegt – passend zum Campus Riedberg, wo die naturwissenschaftlichen Institute der Goethe-Universität, das Max-Planck-Institut für Hirnforschung sowie das Frankfurter Innovationszentrums Biotechnologie beheimatet sind. Eine Verzahnung mit der Uni ist inhaltlich ohnehin angedacht, nun wird es sie auch architektonisch geben: Denn hier punktete der Siegerentwurf, ebenso wie durch die offenen freiräumlichen Bezüge zum Kätcheslachpark hin und zudem mit dem Jugendhaus, das am Quartiersplatz liegt. Nur wenigen Entwürfen gelang der Spagat, das Jugendhaus von der Schule unabhängig zu konzipieren, es aber zugleich ins Ensemble so zu integrieren, das man das Areal als gemeinsamen Lern- und Bildungsort versteht. Und natürlich standen die Aufenthaltsqualitäten im Fokus: Da bieten Ackermann & Raff einerseits einen gelungenen Raumverbund aus Eingang, Cafeteria, Aula sowie den Räumen für den Ganztagsbereich. Andererseits bieten der Quartiersplatz und der Wechsel von Bau- und Freiflächen ein breites Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten, wenngleich die Juroren die Gefahr sahen, dass sich bei der Nutzung einiger Freiräume bei gleichzeitigem Unterricht Lärmprobleme einstellen können.

Gut proportioniert und aufgeteilt sind auch die Unterrichtsräume. Die einzelnen Jahrgangsstufen befinden sich in drei Häusern, sodass nicht der zweifelhafte Charme einer Massenschule entsteht, sondern Einheiten von angenehmer Größe, inklusiver separater Differenzierungsräume. Das zieht allerdings erschließungstechnisch ein Mehr an Aufzügen nach sich. Die Fassade mit Klinker und breiten Fensterbändern ist einfach gehalten, laute Gesten werden vermieden. Abschließend überzeugte noch der Einfall, zwei Eingänge für die dreigeschossige Schule vorzusehen. Dadurch erhält die Schule eine Adresse entlang der Altenhöferallee, und der zweite Eingang fasst quasi beiläufig den Quartiersplatz.

Von Schulseite ist man gleichfalls mit dem Ausgang des Wettbewerbs zufrieden, Architektur und pädagogisches Konzept gehen gerade mit der differenzierten Aufteilung und der Schaffung von Binnenräumen in eins, insbesondere weil der Entwurf den Begriff „Ganztagsschule“ ernst nimmt – der die Schule vom Lern- zum Lebensraum macht.