Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Parkhaus Coulinstraße, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: BHSF Architekten GmbH, Zürich mit Claus en Kaan Architekten, Amsterdam (NL)

€ 24.000

Benedict Boucsein, Axel Humpert, Felix Claus, Tim Seidel
Mitarbeit: Beatrice Dornseifer, Adrian Knöpfel, Teresa Maree
Fachberater: Bänziger Partner AG, Stefan Köppel, Buch (CH) (Statik)
IBV Hüsler AG, Luca Urbani, Zürich (CH) (Verkehrsplanung)
Nemanja Zimonjic, Zürich (CH) (Visualisierung)

2. Preis: Meyer & Partner, Bayreuth

€ 16.000

Gerhardt Meyer

Mitarbeit: Petra Bittrich, Marina Fischer, Sonja Lemke

3. Preis: Kissler + Effgen, Wiesbaden

€ 11.000

Hans-Peter Kissler
Mitarbeit: Stanco Galic
Fachberater: IHM Ingenieurplanung GmbH, Wiesbaden (Tragwerksplanung)

4. Preis: Wittfoht Architekten, Stuttgart

€ 7.500

Prof. Jens Wittfoht
Mitarbeit: Andres Pena Gomez, Manuel Michalski, Apostolos Michailidis, Nester Campos Martin, Florian Hoffmann, Julia Beierbach, Nicolas Reinke, Johannes Geiß

Fachberater: Breinlinger Ingenieure, Tuttlingen

5. Preis: Peter Haimerl Architektur, München

€ 4.500

Peter Haimerl
Mitarbeit: Tomohide Ichikawa, Jutta Görlich, Jonas Bloch, Harald Bruder, Bennet Kaiser

Fachberater: Hautum Infrastruktur GmbH, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb unter Ausschluss eines Dienstleistungsauftrages nach RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 18.02.2011
Ort Wiesbaden
Auslober Magistrat der Stadt Wiesbaden
Betreuung WerkStadt Architekten und Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Peter Bitsch, Ferdinand Heide (Vorsitz), Prof. Andreas Theilig, Prof. Zvonko Turkali, Wolfgang Voegele, Peter Maurer, Hans-Martin Kessler, Prof. Dr. Joachim Pös, Maria Seibert-Gölz, Andreas Waldeck, Cornelia Zuschke

Diskret elegant oder extravagant
Wettbewerb für den Neubau eines Parkhauses in Wiesbaden

Großer Andrang herrschte bei der Bewerbung für die Teilnahme zum nichtoffenen Wettbewerb unter Ausschluss eines Dienstleistungsauftrages für den Neubau eines „Premium-Parkhauses“ in Wiesbaden. Über 90 Architekturbüros wollten ihre Ideen einbringen. Das dürfte vor allem am exponierten Standort gelegen haben: Wurde doch ein Ersatz für das baufällige Parkhaus Coulinstraße gesucht, dass in unmittelbarer Nähe der Wiesbadener Haupteinkaufsmeile in der Altstadt und der historischen Kaiser-Friedrich-Therme steht. Die Baufälligkeit des vor mehr als 30 Jahren erbauten Parkhauses hat derzeit zur Folge, dass 100 der insgesamt 450 Stellplätze bereits gesperrt sind. Der Neubau soll dann innenstadtnah Platz für mindestens 420 Parker bieten.

20 der Bewerber wurden für das vom Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgelobte und vom Darmstädter Büro WerkStadt Architekten betreute Verfahren ausgewählt, 18 von ihnen reichten einen Entwurf ein. Das Preisgericht unter dem Vorsitz des Frankfurter Architekten Ferdinand Heide bewertete sämtliche Arbeiten als „qualitativ sehr anspruchsvoll“ und vergab letztendlich fünf Preise. Hauptaugenmerk der Preisrichter lag unter anderem auf der Wirtschaftlichkeit und der Fassadengestaltung.

Den ersten Preis errang die Arbeitsgemeinschaft BHSF Architekten GmbH aus Zürich mit Claus en Kaan Architekten aus Amsterdam, deren Entwurf die Preisrichter für seine „städtebauliche Sensibilität“ lobten. Die Architekten sehen für das „gut proportionierte und raffiniert anmutende“ Parkhaus eine Fassade in Form eines großmaschigen Aluminium-Netzes vor. Ob dieses jedoch tatsächlich „diskret elegant“ wirken werde, müsse nach Ansicht der Preisrichter noch erwiesen werden.

Der Entwurf von Meyer & Partner aus Bayreuth, der „konsequent Blockrand und Stadtkante“ entlang der Zufahrtsstraße schließe, kam auf Platz zwei. Die mehr als 450 angebotenen Stellflächen stellten eine wirtschaftliche Lösung dar, so die Preisrichter. Zudem versprächen die vorgeschlagenen Ladengeschäfte im der Fußgängerzone nahe liegende Erdgeschoss eine gute Qualität.

Die Wiesbadener Architekten Kissler + Effgen wurden für ihre Arbeit, die sich mit jeweils unterschiedlichen Fassaden in Richtung der ankommenden Fahrzeuge und zur Fußgängerzone hin präsentiert, mit dem dritten Preis belohnt. Das Preisgericht lobte den Umgang mit der städtebaulich sensiblen Lage sowie die Übersichtlichkeit und den Komfort im Inneren des Parkhauses.

Rang vier ging an das Stuttgarter Büro Wittfoht Architekten, das – wie auch die vor ihnen platzierten Preisträger – die Stellflächen als Split-Level organisiert. Die Architekten legten besonderen Wert auf die Einfügung des Parkhauses in die spezielle städtebauliche Situation. Nicht völlig überzeugt zeigten sich die Preisrichter jedoch vom Vorschlag eines Sockelgebäudes entlang der Zufahrtstraße sowie eines abgesetzten Kubus.

Für ihren extravaganten und aufwendigen Entwurf – ein mit einer goldenen Fassade verkleidetes Rampenparkhaus, das das Thema Rampe als entwurfsbestimmendes Element behandelt – erhielt das Büro Peter Haimerl Architektur aus München den fünften Preis. Bei dieser Arbeit sahen die Preisrichter indes den größten Anpassungsbedarf und bewerteten die nur 384 Stellplätze als nicht ausreichend.

Alle fünf prämierten Entwürfe werden nun auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft und im Juni 2011 entscheiden die Stadtverordneten endgültig über das Projekt: Erst dann will die Stadt Wiesbaden mit der Suche nach einem Investor für den Neubau beginnen.

Katja Klenz