Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Gartenbetriebshof der Parkpflege im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel

Preisträger

1. Preis: Prof. Claus Anderhalten, Berlin

€ 15.000

Mitarbeit: Roberto Aruta, Jan Kamprolf, Luisa Managò, Philip Stalbohm

Fachberater: Dipl.-Ing. Stefan Domann, Berlin (TGA)

2. Preis: Atelier 30 Architekten GmbH Fischer – Creutzig, Kassel

€ 10.000

Mitarbeiter: Thomas Fischer, Ole Creutzig, Timo Gundelach, Robin Schüler, Anna

Rintz, Maria Jakobshagen, Vanessa Thömen, Christian Stürmer

Anerkennung: Tore Pape (Pool 2), Kassel

€ 2.500

Fachberater: Michael Triebswetter (GTL), Kassel  (Landschaftsarchitektur)

Anerkennung: atelier st Gesellschaft von Architekten mbH, Leipzig

€ 2.500

Sebastian Thaut, Silvia Schellenberg-Thaut

Mitarbeit: Meike Winter, Sebastian Böhme, Robert

Petrak, Nadine Lehmann

Fachberater: Fachrichtung: Freiraumplanung

Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Till Rehwaldt, Dresden

Mitarbeit: Tilman Gebhardt

mvd-plan Mayer-Vorfelder-Dinkelacker, Lars Voigtländer (Statik)

GW Plan – Ingenieurgesellschaft Gebäudetechnik GbR, Karsten Wiedemuth (Energie)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb nach RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 14.03.2012
Ort Kassel
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Rainer Hascher, Ferdinand Heide, Ralf Kruse, Inge Laste, Peter Sichau, Prof. Volker Staab, Christof Nolda, Guido Brennert, Prof. Bernd Küster, Thomas Platte, Dr. Micha Röhring, Kirsten Worms

Neubau für Parkpflege in Kassel

Wettbewerb für den Gartenbetriebshof der Parkpflege im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel
Der Neubau eines Gartenbetriebshofs ist normalerweise eine wenig spektakuläre Bauaufgabe für Architekten. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um irgendein Gebäude für Gartenbaugeräte und Werkstätten, sondern um den Gartenbetriebshof für die Museumslandschaft Kassel. Diese liegt am Rande des Bergparks Wilhelmshöhe und für den Park läuft derzeit bei der Unesco der Antrag für die Aufnahme in die Liste der Welterbe. Das zu bebauende Grundstück an der Ochsenallee liegt in der Pufferzone des zukünftigen Welterbe-Areals. Damit ist der Gartenbetriebshof ein äußerst prestigeträchtiges Projekt im Rahmen der Neuordnung der Museumslandschaft Kassel.
Der bisherige Standort am Marstall auf dem Schlossplateau hatte den Ansprüchen nicht mehr genügt, denn die mitunter schweren Gartenbaumaschinen setzen den denkmalgeschützten Gebäuden arg zu. Ein Umbau ließe sich jedoch ohne gravierende Eingriffe in die historische Substanz nicht realisieren.
Von den 90 Bewerbern für die Teilnahme am nichtoffenen Realisierungswettbewerb, waren 24 Architekturbüros zum Verfahren zugelassen worden. Den Wettbewerb hatte ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel betreut. Unter den eingereichten Entwürfen vergab das Preisgericht, dem der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, einen ersten und einen zweiten Preis sowie zwei Anerkennungen. Dabei zeigten die beiden platzierten Arbeiten zwei sehr unterschiedliche Lösungsansätze.
Dem mit dem ersten Preis ausgezeichneten, in Berlin ansässigen Büro Anderhalten Architekten ist es nach Ansicht der Preisrichter gelungen, auf „überraschend plausible Weise“, die „komplexen Funktionsabläufe des neuen Gartenbetriebshofs in eine skulpturalen Großform zu organisieren“. Das zweitplatzierte Kassler Büro Atelier 30 Architekten GmbH hingegen gliedert das Gesamtvolumen in mehrere Baukörper. Die Preisrichter lobten hier die „klare Komposition“, „hohe Selbstverständlichkeit“ und die unprätentiöse Einordnung in den Bergpark Wilhelmshöhe.
Der Siegerentwurf von Anderhalten Architekten sieht einen dunklen Holzbau auf einem Stahlbetonsockel vor. Durch eine „geschickte polygonale Brechung“ erhalte eine „angemessene Maßstäblichkeit“, so die Preisrichter. Die geschickte Höhenschichtung einzelner Bereiche nutze die vorhandene Topografie sinnvoll aus und optimiere die inneren Funktionsabläufe. Überarbeitungspotential sahen die Preisrichter in der Anordnung der Fassadenöffnungen, da diese nicht überall mit den dahinterliegenden Funktionen übereinstimmten. Zudem regten sie eine Entflechtung der  Mitarbeiterparkplätze und der Rangierzone für die Anlieferung an.
Die zweitplatzierten Atelier 30 Architekten verlegen die große Fahrzeughalle überwiegend unter die Erde. Zwei klare, schlichte Baukörper bilden einen winkelförmigen Betriebshof. Für den gemeinsamen Sockel der Gebäude schlagen sie Sichtbeton vor, für die beiden darüber liegenden Geschosse eine Bekleidung mit einer Lärchenholzfassade. Die Preisrichter lobten die Zurückhaltung und die geschickte Gliederung des Gesamtvolumens und bewerteten die interne Erschließung mit kurzen Wegebeziehungen und die gut proportionierten Verwaltungs- und Werkstattbereiche positiv. Den Betriebshof beurteilten sie als zu eng und die langgestreckten Fensterbänder als nicht übereinstimmend mit den teilweise dahinterliegenden, kleinteiligeren Funktionen.
Für ihren „typologisch und städtebaulich einleuchtenden und stringenten Ansatz“ eines aus dem Gelände herausragenden massiven Gebäudesockels mit einem aufgesetzten quadratischen Obergeschoss erhielt das Leipziger Architekturbüro atelier st eine Anerkennung. Eine weitere Anerkennung vergaben die Preisrichter an den Architekten Tore Pape aus Kassel, der den Baukörper des Gartenbauhofs als „topografische Fortführung des vorhandenen Grünzuges“ entwickelt hatte.
Für den Bau des Gartenbetriebshofs sind rund 4.9 Millionen Euro vorgesehen. 2015 soll das Gebäude mit Büros, Sozialräumen, Werkstätten und Fahrzeughalle sowie Betriebshof mit Tankstelle in Betrieb genommen werden. Das Preisgericht empfahl, den Entwurf von Anderhalten Architekten umzusetzen. Welcher der beiden so unterschiedlichen Entwürfe jedoch realisiert werden wird, darüber entscheiden die weiteren Verhandlungen.

Katja Klenz