Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

PPP-Modelle

I. Vergabe aller Leistungen an einen Anbieter (Delegationsmodell)
In Verbindung mit PPP wird zurzeit nur das Modell der Vergabe aller Leistungen an einen privaten Investor diskutiert. Aus Sicht der Architektenkammern hat dieses Verfahren folgende Nachteile:

  • Es gibt keinen ausreichenden Wettbewerb zwischen den Investoren, da der Anbieterkreis auf­grund der hohen Vorlaufkosten des Verfahrens nur auf wenige und sehr große Anbieter be­schränkt ist
  • Die Trennung von Planung und Ausführung und die gewerkeweise Vergabe wird verhindert.
  • Die Angebote ergeben nur (reine) Kosten, keine vergleichbaren Kosten, da die Angebote unterschiedliche Grundlagen haben

II. Vergabe der Leistungen durch Kooperation (Kooperationsmodell)
Die Architektenkammern befürworten das Kooperationsmodell, bei dem die einzelnen Lebenszyklus­phasen vom Planen, Finanzieren, Bauen und Betreiben bis zum Verwerten einem Leistungs- und Preiswettbewerb unterzogen werden. Dieses Verfahren hat folgende Vor­teile:

  • Auf der Grundlage von Nutzungs-, Bau- und Gestaltungsqualitäten so­wie von Programm- und Geschossflächen sind Kostenvergleiche möglich
  • Die Trennung von Planung und Ausführung ist mittelstandsfreund­lich. Die kleinen und mittle­ren Unternehmen sowie die freien Berufe, die ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft sind, werden dadurch gestützt
  • Für alle Phasen ist ein transparenteres Vergabeverfahren ­möglich

III. Planungswettbewerbe und PPP- Qualität
Eine Kombination aus PPP-Verfahren und Planungswettbewerb ist die ideale Kombination für ein ganzheitlich op­timiertes Immobilienprojekt. Hierdurch kann die Verbindung von Ästhetik, Funktionali­tät und Rendite erreicht werden, und es können Projekte mit einem Qualitätsanspruch daraus hervor­gehen, die den künftigen Generatio­nen zugute kom­men. Solche Projekte vereinen die Ziele beider Verfahren:

  • Ziel eines PPP-Vergabeverfahren ist die immobilienwirtschaftliche Optimierung der Finanzie­rung, Erstellung und Bewirtschaftung über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie
  • Ziel eines Architektenwettbewerbs ist die gestalterische, funktionale und wirtschaftliche Opti­mierung des Entwurfs und die Ermittlung des besten Planers

IV. Ein Architektenwettbewerb wird dem PPP-Verfahren vorgeschaltet
Die Aufgabenstellung wird unter Hinzuziehung externer Spezialisten erarbeitet und in einer Auslobung formuliert, bei der die immobilienwirtschaftlichen Aspekte berücksichtigt werden. Aus einem breiten Spektrum von Lösungsansätzen werden die besten Entwürfe, besonders auch in wirtschaftli­cher Hin­sicht, mit Preisen ausgezeichnet. Je nach Besetzung des Preisgerichts und der Qualität der Vorprü­fung kann dabei auch nach immobilienwirtschaftlichen Kriterien entschieden werden. Bei einem Wett­bewerb werden in der Regel ca. fünf Preisträger ermittelt. Diese könnten, falls notwendig, ihre Entwürfe im weiteren Vergabe­prozess der PPP-Leistungen optimieren. Der beste Entwurf wird dann aus­ge­wählt.

Vorteile

  • Gestalterische, funktionale und wirtschaftliche Optimierung im Architektenwettbewerb
  • Transparentes, erprobtes und rechtssicheres Vergabeverfahren für den Entwurf
  • Fachlich und sachlich fundierte Entwurfsentscheidung
  • Beachtung der funktionalen Anforderungen der Nutzer in der Auslobung und bei der Entscheidung
  • Wirtschaftlicher Vergleich unterschiedlicher Entwürfe
  • Eindeutig definierte Vergabegrundlage für PPP-Vertrag

Nachteile

  • Der PPP-Partner ist nicht an der Erstellung der Entwurfsvorgaben beteiligt
  • Der PPP-Partner ist nicht bei der Auswahl des Entwurfs beteiligt
  • Eine wirtschaftliche Optimierung des Entwurfs aus Sicht des PPP-Partners kann erst nach dem Wettbewerb erfolgen

Die als erfolgreiches PPP-Projekt benannte Britische Botschaft in Berlin ist das Ergebnis eines sol­chen Verga­beverfahren mit vorgeschaltetem Architektenwettbewerb.

V. Kombiniertes PPP- Verfahren mit Wettbewerbselementen
In einem Vergabeverfahren werden die Anbieter aufgefordert, ein Konzept zur Errichtung, zur Finanzierung und zum Betrieb der Immobilie einzureichen. Darin einbezogen ist auch der architektonische Entwurf zum Projekt. Anbieter sind also Unternehmen mit eigener Entwurfsabteilung oder in Arbeitsgemeinschaft mit einem Architekturbüro.

Vorteile

  • Zeitgewinn durch die gleichzeitige Vergabe von PPP-Leistungen und Entwurf
  • Wirtschaftlicher Vergleich unterschiedlicher Entwürfe im Entscheidungsprozess

Nachteile

  • Bedingt transparentes Vergabeverfahren durch die Kombination unterschiedlicher Leistungspakete
  • Die Verbindung der Entscheidungen über die Entwurfsqualität und die Finanzierungs- und Betreiberkonzepte ist problematisch. Wie entscheidet man bei einem Anbieter mit bestem Entwurf, aber schlechtem Finanzierungs- bzw. Betreiberkonzept?

VI. Architektenwettbewerb nach Festlegung des PPP-Partners
Der PPP-Partner wird vertraglich verpflichtet, zur Erarbeitung des Entwurfs und zur Vergabe der Architektenleistungen einen Architektenwettbewerb durchzuführen. Bei der Erstellung der Wettbewerbsunterlagen und bei der Entscheidung über die Entwürfe werden der Auftraggeber, der Nutzer und Architekten als Fachleute beteiligt.

Vorteile

  • Erstellung der Entwurfsvorgaben unter Berücksichtigung der Anforderungen und Innovationsansätze des PPP-Partners
  • Definition der funktionalen, gestalterischen und wirtschaftlichen Anforderungen in der Wettbewerbsauslobung
  • Berücksichtigung der Nutzeranforderungen bei der Erarbeitung der Entwurfsvorgaben und der Entscheidung über den Entwurf
  • Transparentes Vergabeverfahren für den Entwurf
  • Wirtschaftlicher Vergleich unterschiedlicher Entwürfe

Nachteile

  • Die Vergabe der PPP-Leistungen erfolgt nur auf der Basis einer funktionalen Leistungsbeschreibung und nicht eines definierten Vorentwurfs

VII. Ergebnis

  • Lebenszyklusgerechte Architektur wird unsere Bauweise und unsere Gebäudetechnik verän­dern.
  • Nachhaltiges Bauen bedeutet, ein Gebäude mit einem Potenzial für eine möglichst lange Lebens­dauer auszustatten, den Ressourcenaufwand zu reduzieren und diesen in ein sinnvol­les Verhältnis zur geplanten Lebensdauer zu bringen. Integrale Planungsansätze und eine in­tensive Zusammenarbeit werden dabei immer notwendiger. Gute Planung durch Ar­chitekten wird in diesem Zusammenhang wichtiger denn je.
  • Qualitativ hochwertige Architektur in Verbindung mit einer längeren Lebensdauer erhöht die Att­raktivität des Gebäudes. Das Gebäude wird so zu einer Bereicherung einer Straße, eines Viertels, einer Stadt, der gebauten Umwelt.
  • Der Architektenwettbewerb ermöglicht frühzeitig die angestrebte Verbindung von wirtschaftli­chen Interessen und gestalterischen Ideen. Durch die Diskussion qualitätvoller alternativer Lö­sungsvorschläge ist ein breiter Konsens über die Planung in der Öffentlichkeit möglich. Ar­chi­tektonischer Mehrwert entsteht, wenn von allen Beteiligten die Herausforderung ange­nommen wird, architektonisch wertvolle und vermarktungsfähige Projekte zu realisieren.

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.

Zur Suche