Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Die Rolle des Architekten als Berater der öffentlichen Hand im PPP-Verfahren

Die Grundidee von PPP ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Projekts, nämlich Planen, Bauen, Finanzieren und Betreiben, über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Diese Ganzheitlichkeit bedeutet aber auch eine besondere Komplexität dieser Beschaffungsvariante, was sich besonders augenfällig in der Dauer der Verfahren und den umfangreichen Vertragswerken niederschlägt.

Öffentliche Auftraggeber, die ins Auge fassen, ein PPP-Verfahren durchzuführen, brauchen Beratung. Das gilt insbesondere für kleinere Kommunen ohne Bauverwaltung. Architekten, denen das ganzheitliche Denken vertraut ist, sind für solche Verfahren die prädestinierten Begleiter: Die Begleitung kann bei der Entwicklung einer Baumaßnahme beginnen.

Gibt es bereits eine konkrete Baumaßnahme, ist der kommunale Entscheidungsträger zu beraten, unter welchen Voraussetzungen die Durchführung eines PPP-Verfahrens sinnvoll sein kann. Eignet sich das Vorhaben überhaupt für PPP? Sind möglicherweise andere Finanzierungsinstrumente, wie z.B. die Finanzierung über einen Kommunalkredit, günstiger? Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich ist für die Beantwortung dieser Frage zwingend. Der Architekt als Berater klärt darüber auf, was ein Wirtschaftlichkeitsvergleich beinhaltet und wer diesen gegebenenfalls erbringen kann.

Wichtiger als bei anderen Beschaffungsvarianten ist im Hinblick auf das nachfolgende langjährige Vertragsverhältnis mit dem Bieter die frühe richtige Weichenstellung. Da die öffentliche Hand nicht als Bauherr auftritt, sondern lediglich die Gestaltungs- und Nutzungsanforderungen definiert, müssen frühzeitig sämtliche Rahmenbedingungen genauestens festgelegt werden. Dabei ist Dreh- und Angelpunkt die Berücksichtigung der Lebenszykluskosten des Gebäudes.

Im Interesse des öffentlichen Auftraggebers erstellt der Architekt als Berater Machbarkeitsstudien, Bedarfsanalysen, definiert die Aufgabenstellung im Sinne eines Pflichtenheftes und erstellt das Raumprogramm. Im Rahmen der Definition der Projektziele werden die Qualitäten festgelegt, die Funktion, Wirtschaftlichkeit und soziokulturelle Aspekte umfassen.

Die Vergabeentscheidung im PPP-Verfahren wird in aller Regel vorrangig nach wirtschaftlichen Kenndaten getroffen. Deshalb kommt dem beratenden Architekten die wichtige Rolle zu, dem öffentlichen Auftraggeber einen Weg aufzuzeigen, wie er auch im PPP-Verfahren für seine individuelle Bauaufgabe die qualitativ beste bauliche Lösung findet. Dies ist keine leichte Aufgabe, weil die Kombination von Architektenentwurf und Komplettangebot für Planen, Bauen und Betreiben Kompromisslösungen geradezu provoziert. Es wäre Zufall, wenn der günstigste Bieter auch das beste Architekturkonzept entwickelt hätte. Deshalb sollte ein Architektenwettbewerb integriert werden.

Es muss ferner das Ziel des Beraters sein, Verfahrensabläufe vorzuschlagen, bei denen der Bewerberaufwand verringert, eine schrittweise Verfeinerung der Planungstiefe gewährleistet und die Planungsleistung angemessen honoriert werden. Es lässt sich absehen, dass die Zukunft von PPP-Verfahren entscheidend davon abhängt, ob es gelingt, den finanziellen und zeitlichen Aufwand für alle Beteiligten in einem vertretbaren Umfang zu halten.

Planung, Finanzierung, Steuern, Vergabe- und Vertragsrecht, Betrieb und Unterhaltung, um alles dies und vieles andere geht es im PPP-Verfahren. Der gesamte Strauß des notwendigen Fach- und Managementwissens ist nur mit einem interdisziplinären Team zu bewältigen. Der Architekt als Berater gibt Hilfestellung bei der Zusammenstellung des Teams. Als Sachwalter des öffentlichen Auftraggebers moderiert er den Ablauf des Verfahrens und sichert dabei die Qualität des Projekts im Sinne des öffentlichen Partners.

Es ist offensichtlich, dass diese Beraterfunktion hohe Anforderungen stellt. Nicht jeder Architekt kann eine solche Beratung ohne Weiteres erbringen. Die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen bietet in unregelmäßigen Abständen hierzu einen Zertifikatslehrgang "PPP-Kompetenzen für Architekten" an. Ziel dieses Lehrgangs ist es, Architekten zum kompetenten Ansprechpartner in Sachen PPP auszubilden. Der Lehrgang richtet sich an alle, die Verfahrens- und Steuerungsaufgaben bei PPP-Projekten erbringen wollen.

Dr. Evelin Portz, Hauptgeschäftsführerin

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