Vergabe + Wettbewerbe
Neubau des Parkhauses am Bahnhof in Bad Soden am Taunus
Seit einigen Jahren wird das Parkhaus regelmäßig untersucht, um sicherzustellen, dass die Tragfähigkeit noch gegeben ist. Kleinere Bereiche mussten bereits für Fahrzeuge gesperrt werden. Neben dem Beton sind jedoch auch sämtliche anderen Elemente des Parkhauses wie Zufahrtstechnik, Aufzug, Fassaden und ein kleiner gastronomischer Betrieb mit Toiletten „in die Jahre gekommen“. Das gleiche gilt für die Elektroausstattung mit Beleuchtung und die gesamte Entwässerung.
Nicht nur die Bauelemente befinden sich altersbedingt in schlechtem Zustand, auch die Zugänge und Erschließungen sind nicht mehr zeitgemäß. Die unteren Geschosse werden aufgrund ihrer Abgeschlossenheit und fehlenden Transparenz nur sehr ungern genutzt. Hinzu kommen die als Betonschächte konstruierten Treppenräume, enge Fahrgassen und ebenso enge Zugänge.
Städtebaulich besonders ungünstig ist der sehr verkehrstechnisch gestaltete vorhandene alte Busbahnhof zwischen dem alten Bahnhofsgebäude mit dem aktuellen Bahnsteig-Ausgang und dem Eingang ins Parkhaus. Eigentlich ein Personenverkehrsknotenpunkt wirkt der Busbahnhof stattdessen wie ein großes Hindernis.
Durch die angrenzenden Entwicklungen mit Wohnungsneubauten an der Salinenstraße und den Bau der neuen Zentrale der Firma Messer auf dem so genannten Gleiskopfgelände sind städtebauliche Rahmenbedingungen entstanden, denen das Parkhaus in der jetzigen Form entgegensteht. Hier ist insbesondere eine neue fußläufige Verbindung zwischen dem Neuen Kurpark und dem Bahnhofsvorplatz bzw. der Königsteiner Straße (Stadtmitte) zu nennen. Diese Verbindungsachse wurde durch die Kürzung eines Bahngleises möglich und verbindet die Stadtmitte mit nordwestlichen Stadtteilen. Auch hier wirkt der Busbahnhof störend, da wartende Busse direkt in der Sicht- und Erschließungsachse stehen.
Um diesen Bereich nachhaltig städtebaulich zu ordnen wurde beschlossen, das Parkhaus und den Busbahnhof zurückzubauen und mit dem Parkhausbau gleichzeitig den Busbahnhof so neu zu ordnen, dass alle jetzt städtebaulich möglichen Verbesserungen realisiert werden. Dazu gehören die Neugestaltung eines Bahnhofsvorplatzes, die bessere Gestaltung der Straße Am Bahnhof und der neuen Verbindung vom Zentrum zum Neuen Kurpark, die Optimierung der Busbahnhofnutzung durch Integration in das Erdgeschoss des neuen Parkhauses, besserer Zugang zu den Busbahnhofsteigen und eine Verbesserung der Erreichbarkeit der Parkhausebenen durch entsprechende Rampen und Treppen.
Um eine angemessene städtebauliche und architektonische Qualität sicherzustellen, schrieb die Stadt Bad Soden am Taunus einen Realisierungswettbewerb für das Parkhaus mit integriertem Busbahnhof aus. Für die Außenanlagen um den Neubau wurde gleichfalls eine hochwertige gestalterische Lösung gesucht. Hierfür wurde das Wettbewerbsgebiet um einen entsprechenden Ideenteil erweitert.
Das Verfahren wurde als nicht offener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil ausgelobt. Vorgeschaltet wurde ein qualifiziertes Auswahlverfahren gemäß RPW und VOF.
Aus dem Kreis der Bewerber wurden 20 Wettbewerbsteilnehmer ausgewählt. Zusätzlich wurden Leistungsfähigkeit und Teilnahmeberechtigung der Büros überprüft. Das Auswahlgremium bestand aus drei Vertretern der Stadt Bad Soden am Taunus und zwei unabhängigen Architekten. Diese wurden durch das betreuende Büro a:dk organisatorisch unterstützt.
Das Preisgericht trat am 29. August 2011 zusammen und wurde von Prof. Hans-Peter Achatzi geleitet. Weitere Fachpreisrichter waren Prof. Marc Grief, Prof. Kerstin Schulz, Karl Bauer, Landschaftsarchitekt, und stellvertretend Oliver Witan, Architekt, sowie Jan Schulz, Architekt. Als Sachpreisrichter haben Bürgermeister Norbert Altenkamp, Helmut Kern (Abteilungsleiter Gebäude und Liegenschaften) und Michael Henninger (Abteilungsleiter Stadtentwicklung und Bauberatung) teilgenommen. Das Preisgericht wurde durch Sachverständige unterstützt, unter anderem aus den Bereichen Verkehrsplanung sowie Vertretern der politischen Fraktionen. Dadurch konnte zum einen sichergestellt werden, dass die speziellen funktionalen Gesichtspunkte einfließen. Zum anderen erfolgte so von vornherein die Einbindung der lokalen Politik.
Die konzentrierten Beratungen über die qualitativ überwiegend sehr hochwertigen Arbeiten dauerten einen ganzen Tag, bevor das Preisgericht drei Preise und zwei Anerkennungen vergab. Dabei konnte eine höchstmögliche Übereinstimmung zwischen den städtischen Vertretern im Preisgericht und den hinzugezogenen externen Preisrichtern erzielt werden; alle Auszeichnungen wurden mit einstimmigem Votum vergeben. Der erste Preis ging an das Büro Birk und Heilmeyer Architekten BDA, Stuttgart, in Arbeitsgemeinschaft mit Gramazio & Kohler Architektur und Städtebau, Zürich.
Im nächsten Schritt wird mit den drei Preisträgern ein Verhandlungsverfahren über die weiteren Architektenleistungen nach den Vorschriften der VOF vorgenommen. Aufgrund des sehr positiven Verlaufs des Wettbewerbs sind alle Beteiligten überaus zuversichtlich und gespannt auf den weiteren Prozess der Realisierung des neuen Parkhauses im Herzen von Bad Soden am Taunus.
Norbert Altenkamp, Bürgermeister
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