Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 12-03: Ideenwettbewerb in Frankenberg

Nicht eingeflossen in die damalige Altstadtsanierung sind jedoch große Teile der Neustadt. Ein gravierender Schwachpunkt in der Frankenberger Stadtentwicklung: das Bahnhofsgelände. Die Stadt Frankenberg entschloss sich deshalb, einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszuloben. Der Wettbewerb orientierte sich an der Initiative des Hessischen Ministeriums unter dem Motto "Ab in die Mitte! - Die Innenstadtoffensive Hessen". Ziel dieser Initiative ist eine Profilierung und Funktionsstärkung der Innenstädte. Das vom Wettbewerb unter die Lupe genommene Gebiet in Frankenberg entspricht nicht mehr in allen Bereichen den Anforderungen an eine heutige und zukünftig lebendige Stadt als Mittelzentrum. Gegenstand des städtebaulichen Ideenwettbewerbs war daher eine städtebauliche Planung und eine Freiraumplanung für die sogenannte 'Neustadt', das Gebiet um die Bahnhofstraße mit dem ehemaligen Kloster St. Georgenberg sowie das Bahnhofgelände. Denn die Zukunft der Innenstädte hängt entscheidend von der baulichen Vielfalt, vom Einzelhandel und ihrer Kultur ab.

Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekten, Architekten und Stadtplaner. 279 Bewerbungen, eine davon von einem Büro in Barcelona, lagen vor. Unter notarieller Aufsicht fand Mitte Februar 2003 das Losverfahren zur Auswahl von 33 Wettbewerbsteilnehmern sowie 10 Nachrückern statt. Die Wettbewerbsunterlagen wurden Mitte März vom betreuenden Architekturbüro Bölle aus Marburg an die 33 gelosten und sieben gesetzten Arbeitsgemeinschaften versandt. Im Rahmen des Kolloquiums wurde darauf hingewiesen, dass keine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vorgesehen sei, sondern dass vielmehr durch Ideen überzeugt werden solle. 34 Vorschläge wurden letztlich eingereicht. Im Juni 2003 tagte das Preisgericht, das sich aus freien Architekten, Vertretern der Stadt sowie des Kaufmännischen Vereins Frankenberg zusammensetzte. Acht Preisträger wurden vom Preisgericht ausgewählt.

Allen Ideen gemeinsam war die Öffnung der Stadt hin zu dem Fluss Eder. Mehrere Entwürfe betrachteten die "blaue" Eder als Lebensader und betonten die Ausrichtung der Stadt Frankenberg zum Fluss. Viele Beiträge beinhalteten auch die Öffnung des Flüsschens Nemphe, die Schaffung kleinerer Bäche und Wasserflächen in der Neustadt. Für die Umgestaltung des Bahnhofgeländes wurde u.a. vorgeschlagen, ein Kulturzentrum oder gar einen großen Badesee mit dem Bahnhofgebäude als Seehotel zu errichten. Dabei hatten die von den teilnehmenden Arbeitsgemeinschaften vorgelegten Entwürfe sich auch mit einer zusätzlichen Verkehrsplanung beschäftigt. Den ersten Preis erhielt der Entwurf der Architekten Meurer aus Frankfurt/Main in Zusammenarbeit mit Bielefeld, Gillich, Heckel Landschaftsarchitekten aus Trier. Dieser erschien dem Preisgericht am ausgewogensten und wies die meisten umsetzbaren Teilbereiche auf. Insbesondere die Öffnung der Neustadt hin zum Fluss überzeugte das Preisgericht, da dies auch durch einzelne Maßnahmen in einem relativ überschaubaren Zeitraum umgesetzt werden könnte. Insgesamt sprach man sich für eine langfristige Planung mit einem städtebaulichen Rahmenplan aus.

Die Stadt sollte sich nicht auf einen einzigen Entwurf konzentrieren, sondern gute und machbare Vorschläge aus allen vorgelegten Arbeiten mit ins Auge fassen. Dabei besteht noch immer mit der Deutschen Bahn Klärungsbedarf im Hinblick auf die Zukunft des Bahnhofsareals. Die Frankenberger Entscheidungsträger stellen sich weiter eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit vor und wollen deshalb keinesfalls die vielen guten Vorschläge und Ideen in der Schublade verschwinden lassen

Rüdiger Heß, Bürgermeister der Stadt Frankenberg/Eder

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