Vergabe + Wettbewerbe
DAB 11-11: Neubau der Stadtbücherei und des Stadtarchivs Hofheim
Die heutige Stadtbücherei und das Stadtarchiv sind in einem Gebäudekomplex untergebracht, der ursprünglich als Büro- und Ausstellungsgebäude der Main Kraftwerke (heute Süwag) gebaut wurde. Die Erfordernisse einer Bücherei und eines Archivs waren von vornherein nur sehr bedingt erfüllt. Unter Berücksichtigung der mittelzentralen Funktion Hofheims als Kreisstadt des Main-Taunus-Kreises und der Bedeutung qualitativ hochwertiger Kultur- und Bildungseinrichtungen für die Zukunft entsprechen die heutigen räumlichen Gegebenheiten immer weniger den Anforderungen, so dass schon 2006 begonnen wurde, über einen Neubau nachzudenken.
Das Gebäude der heutigen Bücherei und des Archivs sowie das Grundstück, auf dem der Neubau geplant ist, befindet sich im Wettbewerbsgebiet eines ersten städtebaulichen Wettbewerbs, der 2006 ausgelobt wurde, der Wettbewerb „Kellereiplatz und Umgebung“.
An der Nordseite des Kellereiplatzes war damals im Vorfeld des Wettbewerbs jedoch zunächst eine andere Nutzung im Gespräch. Das Konzept des 1. Preisträgers des damaligen Wettbewerbs, des Büros Trojan und Trojan Architekten und Stadtplaner aus Darmstadt, sah dagegen hier den Neubau der Stadtbücherei vor.
Obwohl der Hauptfokus des damaligen Wettbewerbs auf der Platzgestaltung und der städtebauliche Einbindung eines geplanten innerstädtischen Fachmarktcenters und dabei insbesondere auf der Schaffung einer attraktiven Fußwegeverbindung vom Fachmarktcenter in die Hofheimer Altstadt lag, wurde der Vorschlag des Baus der Stadtbücherei an dieser Stelle von vornherein positiv aufgenommen und weiterverfolgt.
Inzwischen wurde das Fachmarktcenter „Chinoncenter“ eröffnet, der 1. Bauabschnitt der Umgestaltung von Kellerei- und Chinonplatz fertiggestellt und weitere städtebauliche Ergänzungen im vorgenannten Wettbewerbsgebiet realisiert.
Durch die Wahl des Standorts für die neue Bücherei gegenüber des Nordwesteingangs der Mall des Chinoncenters bestimmt sich eine wesentliche Anforderung, die die Teilnehmer des im Februar diesen Jahres ausgelobten Realisierungswettbewerbs „Neubau einer öffentlichen Stadtbücherei und eines Stadtarchivs in Hofheim am Taunus“ zu erfüllen hatten: Eine Formensprache und eine Bebauung zu entwickeln, die dieser Verbindungsfunktion zwischen historischer Altstadtbebauung und moderneren Neubauten gerecht wird und die im Übergang zwischen Fachmarktcenter und Altstadt einen neuen, interessanten Ort der Kommunikation schafft.
Der Wettbewerb wurde als nicht-offener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Teilnahmeverfahren durchgeführt. Die Firma BSMF, Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung aus Frankfurt, wurde mit der Steuerung des Wettbewerbsverfahrens beauftragt.
Insgesamt 243 Architekturbüros haben im Teilnahmeverfahren ihr Interesse bekundet. 26 wurden ausgewählt, von denen 22 Büros Wettbewerbsbeiträge eingereicht haben. Trotz der denkmalpflegerischen Vorgaben zu Gebäudehöhen und genau definierten Mindestabständen zum benachbarten Denkmal „Kellereigebäude“ wurden viele interessante, grundsätzlich unterschiedliche Lösungsansätze vorgelegt.
Die Preisgerichtssitzung fand am 16.08.2011 statt und wurde von Frau Prof. Anett-Maud Joppien geleitet. Weitere Fachpreisrichter waren Prof. Hellmut Raff, Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Gebhard Dick (Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt) und stellvertretend Sigrun Musa, freie Architektin. Als Sachpreisrichter haben Bürgermeisterin Gisela Stang, Stadtrat Wolfgang Winckler sowie Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Vater teilgenommen.
Das Preisgericht wurde durch Sachverständige unterstützt, u.a. aus den Bereichen Bibliotheks- und Archivwesen, Denkmalschutz sowie Vertretern der Fraktionen und der Bürgervereinigung Hofheimer Altstadt e.V.. Dadurch konnte zum einen sichergestellt werden, dass die speziellen funktionalen Gesichtspunkte des Betriebs einer Bücherei bzw. eines Stadtarchivs in die Beurteilung der Arbeiten mit einfließen. Zum anderen erfolgte so von vornherein die Einbindung der Politik.
Die konzentrierten Beratungen über die qualitativ überwiegend sehr hochwertigen Arbeiten dauerten den ganzen Tag über an, bevor das Preisgericht drei Preise und zwei Anerkennungen ausgezeichnete. Dabei konnte eine höchstmögliche Übereinstimmung sowohl unter den städtischen Vertretern im Preisgericht, als auch den hinzugezogenen externen Preisrichtern erzielt werden, alle Auszeichnungen wurden mit einstimmigem Votum vergeben. Der erste Preis ging an das Büro Henchion und Reuter Architekten, Berlin.
Als nächstes wird mit den drei Preisträgern ein Verhandlungsverfahren über die weiteren Architektenleistungen nach den Vorschriften der VOF durchgeführt. Aufgrund des sehr positiven Verlaufs des Wettbewerbs sind wir zuversichtlich und gespannt auf den weiteren Prozess der Realisierung der neuen Stadtbücherei und des Stadtarchivs für Hofheim.
Gisela Stang, Bürgermeisterin
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