Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 09-05: Wir haben ein wunderbares Gemeindezentrum bekommen!

AKH Frau Schultheis, wir gratulieren ganz herzlich zum neuen Gemeindezentrum, das ja das Ergebnis eines einstufigen, begrenzt offenen Wettbewerbs ist. Was hat Sie dazu bewogen, einen Architektenwettbewerb für das Bürgerzentrum Neuhof auszuloben?

Maria Schultheis Ich muss zugeben, anfangs waren wir skeptisch. Wir hatten keine Erfahrung mit Architektenwettbewerben und hegten eher die Befürchtung, dass so ein Verfahren nur Zeit und Geld kostet. Durch die Überschreitung des Schwellenwertes waren wir dann aber verpflichtet, ein ordentliches Vergabeverfahren durchzuführen. Die engagierte Beratung durch die AKH hat uns schließlich voll überzeugt. Heute kann ich sagen, dass wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind.

AKH Als gewünschtes Ergebnis war ein repräsentatives und einladend gestaltetes Sport- und Kulturzentrum formuliert worden, das sich gut in das städtebauliche Umfeld einfügt. Ist dies mit dem im Juni 2005 eingeweihten Gebäude geglückt?

Maria Schultheis Absolut. Erst durch die unterschiedlichen Beiträge sind wir uns über die Vor- und Nachteile einzelner Teillösungen klar geworden und haben diese optimale Lösung gefunden. Wir sehen, dass wir mit dem neuen Gemeindezentrum für Neuhof und die Neuhofer einen echten Qualitätszuwachs erreicht haben. Das Gebäude funktioniert und wird sehr gut angenommen. Und wir sind zuversichtlich, uns auch in der Konkurrenz mit anderen Veranstaltungsorten in der Region gut platzieren zu können.

AKH In den gültigen Wettbewerbsregeln (GRW 1995) ist der Zweck und das Ziel eines Wettbewerbes klar umrissen: Für die gestellte Aufgabe sollen durch alternative Vorschläge gute Lösungen entwickelt werden, die den unterschiedlichen Anforderungen insbesondere an Gestaltung, Wirtschaftlichkeit und Funktionalität in gleicher Weise gerecht werden. Es sind also Verfahren zur Optimierung von Qualität, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit. Entspricht das Ihren Erfahrungen mit dem Architektenwettbewerb?

Maria Schultheis Ja. Zu Qualität und Funktionalität habe ich ja schon etwas gesagt. Und was die Wirtschaftlichkeit angeht: wir haben die Kosten des Wettbewerbs durch Einsparungen bei der Ausführung mehr als kompensiert. Auch die ökologische Bauweise wird sich positiv auf die Betriebskosten auswirken. Beides haben wir der intelligenten Planung der Projektbeteiligten zu verdanken. Die Zusammenarbeit mit den Gewinnern des Wettbewerbs, den jungen Münchnern Löweneck und Schöfer, war übrigens sehr gut; die Entfernung war kein Problem.

AKH Sie haben den Architekten und den am Bau beteiligten Unternehmen bescheinigt, gute Arbeit geleistet zu haben. Die Kosten für das 5-Millionen-Euro-Projekt liegen voll im Kostenrahmen. Also ein gelungenes Bauvorhaben, wie Sie sagen. Würden Sie anderen Kommunen und Landkreisen vor Vergabe der Planungsleistungen ebenfalls einen Architektenwettbewerb empfehlen?

Maria Schultheis Für eine komplexe Aufgabe immer. Zudem können bei einem Wettbewerb viele Fragen vor Baubeginn geklärt werden. Wir haben die unterschiedlichen Interessengruppen einbezogen - auch im Preisgericht! - und so Entscheidungen vorverlagert, die sonst im Bauprozess mit entsprechend höherem Aufwand hätten gefällt werden müssen. Wir hatten schon einen breiten Konsens, bevor wir anfingen, zu bauen. Das wäre ohne Wettbewerb nicht gelungen.

AKH Frau Schultheis, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und freuen uns schon auf den nächsten Wettbewerb in Neuhof.

Das Gespräch mit Maria Schultheis führten Gesine Ludwig und Christof Bodenbach.

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.

Zur Suche