Vergabe + Wettbewerbe
DAB 07-05: Der Sieger des Verfahrens ist die Fraport!
AKH Frau Prof. Jakubeit, wir gratulieren ganz herzlich zum Ergebnis des Wettbewerbs um das neue Flughafen-Terminal 3 und freuen uns natürlich sehr, dass noch dazu ein hessisches Büro, Prof. Christoph Mäckler Architekten, dieses anspruchsvolle Verfahren gegen internationale Konkurrenz für sich entscheiden konnte. Als Ziele des Wettbewerbs waren in der Auslobung ein schlüssiges städtebauliches Konzept, die Wirtschaftlichkeit der Gesamtmaßnahme sowie eine weitere flexible Entwicklung des Terminals formuliert worden. Ist dies mit dem nun vorliegenden Ergebnis erreicht worden?
Prof. Barbara Jakubeit Ganz und gar. Auch wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Für ein so komplexes und aufwändiges Bauvorhaben wie das neue Terminal ist es aus meiner Sicht unerlässlich, einen Architektenwettbewerb durchzuführen. Nur so ist gewährleistet, dass in der Konkurrenz der Ideen die unterschiedlichen Möglichkeiten und ihre Potenziale erkannt und weiterentwickelt werden.
AKH Nun hatte die Fraport ja in Abstimmung mit der AKH ein eher ungewöhnliches zweistufiges Verfahren gewählt: Dies nicht nur wegen der Länge des Verfahrens, das seit Herbst 2001 lief, sondern auch, weil nach Abschluss der ersten, anonymen Stufe die städtebauliche Struktur von Lord Norman Foster als Grundlage der weiteren Bearbeitung für alle verbindlich war. Hat sich diese Verfahrensweise bewährt?
Prof. Barbara Jakubeit Ja. Für ein solches Verfahren gab es gute Gründe: zum einen können Sie für ein solches Terminal ja nicht einfach einen Bauantrag stellen und dann bauen. Die Erfordernisse sind hochkomplex; ein Raumordnungsverfahren (ROV) und ein anschließendes Planfeststellungsverfahren (PFV) - quasi der Bebauungsplan - sind im Vorlauf gesetzlich vorgeschrieben. Und da für das PFV bereits die Form des Terminals weitgehend festgelegt werden muss, hat die Fraport entschieden, den Wettbewerb begleitend zu diesen Verfahren durchzuführen. Daher die lange Dauer. Und was die Zweistufigkeit angeht: Im Grunde ist ja nichts anderes passiert als bei zwei getrennten Wettbewerben. Klassischerweise veranstaltet man bei solch aufwändigen und großen Bauvorhaben einen Städtebaulichen Ideenwettbewerb und das Ergebnis wird dann Grundlage eines hochbaulichen Realisierungswettbewerbs. Nichts anderes haben wir getan. Nur haben wir diese beiden Schritte gekoppelt und hatten so in der Realisierungsstufe mit denselben Büros zu tun. So konnten wir nach der ersten Stufe, nach Offenlegung der Teilnehmer, optimieren. Wir konnten mit allen sprechen und gemeinsam Aspekte weiterentwickeln. Das hat sehr gut funktioniert.
AKH Nicht nur bei einem Flughafenterminal ist es so, dass während der Lebensdauer eines Gebäudes ein Vielfaches der ursprünglich für den Bau aufgewendeten Investitionen für Betriebskosten benötigt wird. Aber auch häufige betriebsbedingte Umbauten belasten Flughäfen nicht nur finanziell. Ist eine solche Kostenoptimierung durch Architektenwettbewerbe erreichbar?
Prof. Barbara Jakubeit Davon bin ich überzeugt. In den ersten internen Studien zum Terminal 3 ist die Fraport von einem wesentlich höheren Flächenbedarf ausgegangen, dieser konnte im Laufe des Verfahrens deutlich verkleinert werden. Auch die Betriebskosten konnten in der zweiten Stufe gut überprüft werden. Was aber am 1. Preis besonders überzeugte, war das additive System von unterschiedlichen funktionalen Bausteinen. D. h. bei Umbauten muss nicht die ganze Maschine Terminal 3 verändert werden, sondern nur der jeweilige Baustein. Ein Wettbewerb soll gute Lösungen bringen. Dazu muss der Bauherr die Aufgabe möglichst genau beschreiben. Das klärt den eigenen Blick und er bekommt, was er braucht: eine gute und kostengünstige Lösung. Das haben die Verantwortlichen hier im Hause erkannt.
Das nun abgeschlossene Wettbewerbsverfahren hat Christoph Mäckler gewonnen. Der Sieger ist die Fraport AG.
AKH Frau Prof. Jakubeit, wir danken für dieses Gespräch.
Das Gespräch mit Prof. Barbara Jakubeit führten Gesine Ludwig und Christof Bodenbach.
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