Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 06-09: Wie ist es in der Praxis: Werden nach dem Architektenwettbewerb regelmäßig der/die erste/n Preisträger beauftragt?

Nachdem sie bereits zwei Runden der Auswahl und Beurteilungen - Bewerbungsverfahren und Preisgericht - siegreich bewältigt haben, sollen sie nun weiter mit den jeweils anderen Preis­trägern konkurrieren, um die begehrte Beauftragung zu er­halten.In einem anonymen Pla­nungswettbewerb werden üblicher­weise Bewertungskriterien wie Funktionalität, Zweckmäßigkeit, Äs­thetik und Wirtschaft­lichkeit beurteilt. Die Leistungskriterien sind dabei in Ab­hängigkeit von ihrer Bedeutung für die jeweilige Aufgabe definiert worden. Diese umfassende Qua­lität bestimmt also das Wettbe­werbsergeb­nis und sollte demnach bei der Auftrags­vergabe auch ein we­sentlicher Faktor sein. Wozu, wird oft gefragt, dient denn sonst das ganze Verfahren?Es gibt jedoch noch weitere Auftragskriterien nach der VOF, die im Wettbewerb keine Rolle spielen, aber für den projektbezogenen Auftrag und Zuschlag bedeutsam sind: zum Beispiel der Zeitpunkt der Leistungserbringung, die Verfüg­barkeit der Mitarbeiter, Qualitätssiche­run­gsmaßnahmen, Termin- und Kostenplanung oder die Wirtschaftlichkeit des Angebots – in­nerhalb der Grenzen der HOAI.Der Auslober ist, auch bei einstimmigen Empfehlungen des Preisge­richts, im Regelfall rechtlich nur verpflichtet, einen der Preisträger zur beauftragen. Dies lässt viele befürchten, dass der Auslober (zu) viel Spielraum für die Entscheidung haben könnte, welcher Preisträger den Auftrag nach dem Wettbewerb erhalten soll. Oder ist es nicht doch so, dass zum einen die öffentlichen Auftraggeber sich an das meist eindeutig gefun­dene und veröffentlichte Ergebnis des Wettbewerbs gebunden fühlen und zum anderen die ersten Preisträger auch in den Verhandlungen überzeugen?

Um die Praxis der Auftragsvergaben der letzten Zeit genauer zu erkunden, hat das Referat Vergabe + Wett­be­werbe der AKH die Wettbewerbs­entscheidungen in Hessen, die im Jahr 2006 und 2007 nach der VOF durchgeführt wurden, recherchiert. Das Ergebnis zeigt, dass 90 Prozent der vergebenen Aufträge in beiden Jahren jeweils an den/die ersten Preisträger gegangen ist/sind. Es gab nur jeweils ein Ver­fahren pro Jahr, bei dem der Auf­trag einmal an den 2. Preisträger und einmal an den 3. Preisträger erteilt wurde. Deshalb kann man die positive Bilanz ziehen: Im Regelfall erhält der erste Preisträger den ge­wünschten Auftrag. So ist erfreulicherweise die Praxis!

Gesine Ludwig, AKH

Architektensuche

Finden Sie für Ihr Bauvorhaben
das passende Architekturbüro.

Zur Suche