Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 03-06: Zur Nachahmung empfohlen

Die Stadt Hattersheim am Main besteht aus den drei Ortsteilen Hattersheim, Okriftel und Eddersheim. Im Ortsteil Hattersheim wurde im Südwesten des Stadtgebietes ein großes neues Baugebiet entwickelt, das zurzeit bebaut wird und Platz für ca. 2500 neue Einwohner schaffen wird. Zu diesem Baugebiet gehört auch eine neue Kindertagestätte, die im Auftrag der Stadt erstellt und betrieben werden soll und nicht zuletzt ein hohes Maß an Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und gestalterischer Qualität gewährleisten soll.
In den 1990er Jahren wurden drei baugleiche Kindertagesstätten von einem Systemanbieter in Holzständerbauweise erstellt, um zeitnah den Anspruch auf einen Kindergartenplatz realisieren zu können. Für die neue Kindertagesstätte hat das Fachreferat Kinder, Jugend, Senioren und Soziales ein Raumprogramm erstellt, das sich sowohl auf die bisherigen Erfahrungen mit dem pädagogischen Konzept der teiloffenen Arbeit als auch auf eine flexible Nutzung durch unterschiedliche Altersgruppen bezieht.
Städte der Größenordnung wie Hattersheim am Main verfügen in der Regel nicht über die personelle Ausstattung, ein solches Bauprojekt in seiner ganzen Komplexität selbst abzuwickeln. Also stellte sich die Frage, wie man einem hohen Anspruch an Gestaltung, Wirtschaftlichkeit und Funktionalität gerecht werden könnte. So wurde die Idee geboren, mehrere Architekten mit der Entwicklung eines ersten Konzeptes zu beauftragen, um aus verschiedenen Ansätzen auswählen zu können.

Zunächst erschien diese Vorgehensweise sinnvoll, bis sich nach kompetenter Beratung durch die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen ein Wettbewerbsverfahren in Form eines beschränkten Einladungswettbewerbes nach GRW als sinnvolles Verfahren herausstellte. Die andere Herangehensweise hätte bedeutet, jeden Planer nach HOAI bis zur Leistungsphase II zu bezahlen. Ein Wettbewerb kann, neben anderen Vorteilen, nachweislich kostengünstiger durchgeführt werden, als es bei einer Mehrfachbeauftragung der Fall ist. Das Preisgeld, welches der Sieger erhält, wird direkt auf sein weiteres Honorar angerechnet, so dass sich die reinen Kosten des Verfahrens deutlich besser darstellen lassen, als die Einzelaufträge, die der Stadt obendrein keine vergleichbare Bearbeitungstiefe garantiert hätten.
Nachdem der Entschluss zur Durchführung des Wettbewerbs feststand, galt es ein kompetentes Büro zu finden, das mit der Durchführung des Wettbewerbes nach GRW-Richtlinien betraut werden konnte. Der Magistrat entschied sich für das Büro „Bauwert Projekt Consult GmbH“ aus Dillenburg, das ähnliche Verfahren schon erfolgreich begleitet hat und auch in Hattersheim am Main seine gute Erfahrung unter Beweis stellen konnte – mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten sich gut betreut fühlten und die Stadt mit einem gut dokumentierten transparenten Prozess ihre Entscheidung für einen der vorgestellten Entwürfe darlegen kann.

Der Magistrat hatte sich also für einen beschränkten Einladungswettbewerb entschieden, da dieser gegenüber einem offenen Wettbewerbsverfahren mit den bereitstehenden Mitteln umsetzbar war und der Stadt Hattersheim sieben vergleichbare Arbeiten in einer klar definierten Bearbeitungstiefe bescherte. Darüber hinaus konnte gezielt eine Gruppe von Teilnehmern zusammengestellt werden, die verschiedene Profile und Größen von Architekturbüros berücksichtigte. So wurden einerseits bewusst drei lokale Büros eingeladen und andererseits drei größere Büros aus dem Rhein-Main-Gebiet, die sich bereits mit dem Bau von Kindertagesstätten hervor getan hatten. Schließlich und endlich wurde einem kleinen jungen Büro die Chance gegeben, sich in einem überschaubaren Prozess zu behaupten.

Das Preisgericht bestand auf der Sachpreisrichterseite aus dem Bürgermeister Hans Franssen, der ersten Stadträtin Karin Schnick und Mitarbeiterinnen aus den städtischen Fachreferaten. Als beratendes Gremium wurde neben anderen Fachberatern aus der Verwaltung aus dem Bereich Stadtplanung, Grün und Kindergärten der gesamte Magistrat der Stadt Hattersheim am Main eingeladen, um eine größtmögliche Information und Transparenz im Entscheidungsprozesses zu gewährleisten.
Unter den fünf eingereichten Arbeiten wurde in einer eintägigen Sitzung mit den genannten Beteiligten ein erster und ein dritter Preis vergeben, was die Qualität des Siegerentwurfes unterstreichen sollte. Mit deutlichem Abstand zu dem Nächstplatzierten konnte sich das Hattersheimer Büro „Kulla Architekten“ mit seinem Entwurf gegenüber der Konkurrenz durchsetzen.
Am 18. Januar wurde das Wettbewerbsergebnis in einer Sondersitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr öffentlich vorgestellt, die letzte Entscheidung über die weitere Auftragsvergabe wird dann die Stadtverordnetenversammlung treffen. Es steht außer Zweifel, dass die Empfehlung des Preisgerichtes den Entscheidungsprozess für die neue Kita Südwest maßgeblich beeinflussen wird.

Der reibungslose Ablauf des Verfahrens macht Mut, vielleicht auch bei zukünftigen Bauvorhaben der Stadt Hattersheim ein Wettbewerbsverfahren vorzuschlagen und so ein hohes Maß an architektonischer Qualität und Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten.

Matthias Scheskat
Leiter des Referates für Bauen, Planen, Umwelt, Hattersheim am Main

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