Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 01-06: Ein erfolgreicher Wettbewerb in Niedenstein

Die Kleinstadt Niedenstein liegt rund 20 Kilometer südwestlich von Kassel und hat fast 6.000 Einwohner. Die schon seit mehreren hundert Jahren vorhandene Teichanlage am Rand des alten Ortskerns wurde zunächst als Löschwasserteich und Eislieferant für Gaststätten benutzt. Später entwickelte sich eine Freizeitanlage, deren Kiosk bis zu seinem Abriss vor etwa zehn Jahren zuletzt als Jugendtreff diente. Der Teich wird durch eine Quelle gespeist, wurde als Anglerteich genutzt und diente im Winter auch zum Eislaufen. In den 1980er Jahren traten die ersten Undichtigkeiten am Teich auf, im Frühjahr 2000 sickerte erneut Wasser ein. Ein gänzliches Abpumpen des Teiches war erforderlich. Seit dieser Zeit hat keine Wiederbefüllung stattgefunden.

Die Kernstadt von Niedenstein ist seit 2004 anerkannter Förderschwerpunkt im Dorferneuerungsprogramm des Landes. Im Rahmen der Moderationsphase wurde der Freizeitanlage Teich die höchste Priorität bei den kommunalen Maßnahmen eingeräumt. Die Investitionsbank Hessen (IBH) begrenzte die förderungsfähigen Kosten auf € 150.000.
Uns war es von Anfang wichtig, mehrere Planungsvorschläge für die Umsetzung dieser Maßnahme zu erhalten. Dabei sollten die verschiedensten Wünsche der Bevölkerung angemessen berücksichtigt, eine attraktive Naherholungsfläche geschaffen und die Attraktivität des Wohnumfeldes gesteigert werden. Für Planungskosten hatten wir anteilig € 32.000 veranschlagt. Dabei war zuerst vorgesehen, die Grundlagenermittlung und Vorplanung im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung an vier ausgewählte Ingenieurbüros zu vergeben. Der verhältnismäßig hohe Kostenansatz wurde in den städtischen Gremien ausführlich diskutiert. Auch die IBH hatte Probleme mit dem Verhältnis Planungskosten zu Baukosten und einer Mehrfachbeauftragung. Schließlich einigten wir uns, ein Wettbewerbsverfahren nach GRW durchzuführen. Nach Rücksprache mit der AKH wurde ein Preisgeld für drei Preise mit insgesamt € 7.500 ausgelobt. Insgesamt kostete das Verfahren rund € 15.000 und fand als Realisierungswettbewerb in Form eines einstufigen Einladungswettbewerbes statt. Es wurden sieben Planungsbüros aus der Region zur Teilnahme aufgefordert; sechs Büros gaben einen Entwurf ab.

Ende September fand die Preisgerichtssitzung statt. An dieser fast siebenstündigen Sitzung nahmen neben dem Vorprüfer zwei sehr kompetente externe Fachpreisrichterinnen, als Sachpreisrichter der Vorsitzende des Arbeitskreises Dorferneuerung, zwei stellvertretende Preisrichter sowie sechs sachverständige Berater aus der Verwaltung und der Bürgerschaft teil. Für die Stadt Niedenstein war es erst das zweite Wettbewerbsverfahren und auch diesmal war es wieder eine faszinierende Angelegenheit. Nach mehreren Rundgängen fokussierte man sich auf zwei herausragende Vorschläge, die jedoch von der Idee unterschiedlicher kaum sein konnten. Nach ausführlicher Diskussion wurden dann doch die Preise einstimmig vergeben.

Die Entwürfe der Preisträger wurden in zwei Ausstellungen der Bevölkerung und in mehreren Sitzungen den politischen Gremien bekannt gemacht. Auch der zuständige Arbeitskreis Dorferneuerung hat sich in zwei Sitzungen mit den Ergebnissen befasst und sie abschließend mit großer Mehrheit bestätigt. Zwischenzeitlich hat der Magistrat den Planungsauftrag an den ersten Preisträger erteilt und wir sehen der weiteren Planung und Umsetzung mit großer Zuversicht und Vorfreude entgegen. Im Frühsommer 2006 wollen wir mit den Bauarbeiten beginnen und für Frühjahr 2007 erwarten wir die Einweihung der Freizeitanlage Teich.

Auch wenn es sich hier um eine kleine Maßnahme handelt und der Aufwand nicht zu unterschätzen ist, rechtfertigt das Ergebnis die Entscheidung für den Wettbewerb. Die Unterstützung durch die AKH war vorbildlich und ist für eine kleine Gemeinde mit ihren eingeschränkten Ressourcen unabdingbar. Die Auswahl der Preisrichter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wir hatten bei beiden Wettbewerben Glück; diesmal mit Prof. Ariane Röntz aus Kassel / Berlin und Margit See aus Kassel.

Nach unserer Kenntnis ist es das erste Mal, dass ein Architektenwettbewerb im Rahmen der Dorferneuerung gefördert wurde. Wir können auf Grund der positiven Ergebnisse nur hoffen, dass dies nicht das letzte Mal sein wird. Auch die Stadt Niedenstein beabsichtigt, in zwei Jahren ein weiteres Verfahren für eine innerörtliche Platzgestaltung durchzuführen.

Werner Lange, Bürgermeister

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