Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

DAB 01-05: Ein Ort der Stille - Wettbewerb zur Neubebauung der Klosteranlage Germerode

Hier, in schöner Lage am Fuße des Hohen Meißner, gründete Graf Rugger von Bilstein im Jahre 1144 ein Kloster und übertrug es dem neu entstandenen Prämonstratenser-Orden. Dieser errichtete ein Doppelkloster für Chorherren (Priester) und -frauen, das etwa hundert Jahre bestand. Dann zogen die Priester aus - über die Gründe wollen wir hier nicht spekulieren! - und überließen das Kloster den Chorfrauen, die vorwiegend aus dem hessischen Adel kamen. (Nebenbei: Die räumliche Trennung zwischen Männern und Frauen kann man noch heute in der romanischen Basilika erkennen. Für die Priester gab es den Chorraum, für die Chorfrauen eine Nonnenempore.) Nach einer Blütezeit, die um 1350 ihren Höhepunkt erreichte, setzte ein allmählicher Verfall ein. Das Kloster war gezwungen, Land zu verkaufen, auch die strenge Klosterzucht erlahmte. Mit der Reformation wurde das Kloster 1527 aufgelöst und in ein hessisches Staatsgut umgewandelt. Alle Klostergebäude mit Ausnahme der Klosterkirche wurden der Landwirtschaft zugeführt und verloren ihren Charakter. Im Jahre 1930 wurde das Gut aufgelöst und das Land an die Bauern verkauft. In der Folge verfielen fast alle Gebäude.

Nach langem Dornröschenschlaf erwarb die 1983 in Eschwege gegründete „Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage Germerode e.V.“ die Anlage, sanierte sie und richtete hier eine Tagungsstätte ein. Die Freunde des Klosters (momentan 460 eingetragene Mitglieder!) kommen aus der Umgebung Germerodes, aber auch aus ganz Hessen und der Bundesrepublik. Ihr Ziel ist, das letzte von vielen mittelalterlichen Klöstern im Werra-Meißner-Kreis, das wenigstens als Anlage noch vorhanden ist, für kommende Generationen zu erhalten. Denn das Kloster mit der bedeutenden romanischen Klosterkirche und dem umgebauten Refektorium ist ein einzigartiges Kulturdenkmal - das nun durch ergänzende Neubauten wieder zu einer geschlossenen Anlage hoher Qualität werden soll! Und was wäre zur Erreichung dieses Zieles besser geeignet als ein Architektenwettbewerb? Durch die Beratung des Referates Vergabe und Wettbewerbe der AKH konnte ein solcher Wettbewerb durchgeführt werden, in Kooperation mit dem Amt für ländlichen Raum und noch dazu erstmals gefördert durch die Investitionsbank Hessen.

Mit dem Ergebnis des eingeladenen Wettbewerbs unter sieben Architekturbüros wird nun Vergangenheit und Zukunft verwoben; auf dem Klostergelände wird ein Ort der Stille entstehen, der seinesgleichen sucht. Hier eine mehrtägige Tagung erleben, womöglich zu einem Thema der Architektur …

bo

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