Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Die Arbeit der Frau auf dem Bauernhof im 17. Jahrhundert

JÜrgen Kuczinsky, 1991

 

„Wenn wir die Arbeit der Frauen auf dem Lande in unserer Zeit untersuchen, war sie so lang und so mühselig, wie sie immer gewesen war (nur wurde sie eben mit dem Gebrauch schwerer zu handhabender Arbeitswerkzeuge, wie etwa des Eisenpflugs, nicht schwerer).

Wir brauchen hier nicht darauf einzugehen, dass die Aufzucht der Kinder und ihre Ausbildung zur möglichst baldigen Verwendung als Arbeitskräfte eine ihrer Aufgaben war. Auch dass sie für die Zubereitung der Mahlzeiten für die Familie und sonstige Arbeitskräfte im Haushalt des Bauern verantwortlich war, erscheint selbstverständlich. Dazu aber war sie zugleich bäuerlich und handwerklich und als Leiterin, was die Magd betrifft, tätig. Ihr oblag die Fürsorge für das Vieh mit Ausnahme der Pferde und der Zugochsen - einschließlich nicht nur des Melkens von Kühen und Ziegen, sondern auch vielfach der Schafschur. Natürlich hatte sie für den Anbau von Gemüse und Obst, soweit er geschah, zu sorgen. Außerdem half sie, zumindest bei der Aussaat und Ernte, auf dem Felde. Auch die Suche nach "Gemüsepflanzen" und Obst, die wild wuchsen, lag in ihrer (und der Kinder) Hand. Dazu kam. das Sammeln von Kleinholz im Walde (zusammen mit den Kindern). Soweit eine Andeutung der bäuerlichen Arbeit der Frau.

Die handwerkliche Arbeit der Frau auf dem Lande muss weit gesehen werden. Sie umspannt das Backen wie die Bereitung von Getränken - vom Met, der auch in unserer Zeit noch getrunken wurde, bis zum Brauen von Bier; sie umspannt die Flachsbereitung und die Verarbeitung der Wolle, das Spinnen wie das Weben wie das Schneidern. Sie umspannt das Seifensieden wie das Lichterziehen, Sicher ist es nicht übertrieben festzustellen, dass die Frauen mehr Arbeitszeit auf handwerkliche Arbeit verwandten als die Männer.

Dazu mussten sie, was es an medizinischer Hilfe auf dem Lande gab, leisten und die Kranken pflegen. Bisweilen mussten sie auch für die Männer in der Kirche beten, wenn diese wegen Arbeit auf Hof und Feld nicht gehen konnten.

Kennzeichnend für den großen Arbeitsbereich der Frau ist eine Weisung im reckenbergischen Land- oder Hausgenossenrecht von 1652, "wie eine Frau beschaffen" seyn solle, so aufn Erbe, oder Kotten ziehen wolle":

"Söll sein alt 18 Jahr,
Die Gesundheit kundt und offenbar;
Melken, keysen undt buttern,
Schweine, Kühe und Kälber auffuttern,
Rocken, heckeln, rippen und schinnen,
Speisen zu rechter Zeit Ihr Mann und Hausgesinne"

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Jürgen Kuczinsky: Geschichte des Alltags des deutschen Volkes, Bd. 1; PapyRossa Verlag Köln 1991, S. 226 f

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