Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Architektur macht Schule

Mieten und Wohnbedürfnisse in Hamburg in den 1920ern

Herrmann Hipp, 1982

 

„Das Familieneinkommen einer durchschnittlichen Arbeiterfamilie wurde für 1927 mit insgesamt 3767 Mark ermittelt'. Der für die Miete ausgegebene Anteil betrug 10 %, lag also eben in der Größenordnung des oben für Altbaumieten angenommenen Vergleichsbetrages. Da die Grundbedürfnisse (Miete, Heizung und Licht, Nahrungs- und Genussmittel) bei diesem Satz bereits 57 % des Gesamteinkommens in Anspruch nahmen, gab es kaum Spielraum für höhere Mietzahlungen. Nicht wesentlich anders lagen die Dinge bei einem durchschnittlichen Angestelltenhaushalt, der bei einem Familieneinkommen von 4390 Mark immerhin 506 Mark für Miete ausgab und für die genannten Grundbedürfnisse 51 % des Gesamteinkommens. Erst eine durchschnittliche Lehrerfamilie gab für Miete einen Betrag von 690 Mark aus, der es ihr ermöglichte, entweder eine sehr gut ausgestattete große Altbauwohnung oder aber eine mittlere Neubauwohnung zu beziehen.

Die Schlussfolgerung im Neubauwohnungswesen liegt auf der Hand und wurde vom Leiter des Wohnungsamtes öffentlich ausgesprochen:

"Wenn von den hamburgischen Wohnungssuchenden 34 % eine Zweizimmerwohnung, 50 % eine Dreizimmerwohnung haben wollen, 68 % aber angeben, nur bis zu 500 Mark Miete zahlen zu können, so ergibt sich eine so starke Differenz zwischen Wünschen und Können, dass einmal offen ausgesprochen werden muss: Die Wünsche haben sich nach dem Können zu richten und sind dementsprechend einzuschränken“ . Noch klarer drückt sich das Wohnungsamt in einem Bericht an den Senat aus: Angesichts von Mieten zwischen 700 und 1 000 Mark für eine Dreizimmer-Neubauwohnung sei der Wunsch von 53 % der Wohnungssuchenden nach einer solchen Wohnung eine Illusion‘“

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Hermann Hipp: Wohnstadt Hamburg. Christans Verlag Hamburg 1982, S. 33

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